Aus Onkel und Tante wird Tonkel und Ontan

Kolumne Aus Onkel und Tante wird Tonkel und Ontan - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Ist künftig zum Apero ein Gläschen Sherry, Ontan Pepe gefällig? Bild Wikipedia

SPRACHWAHNSINN
Dass man zum Beispiel nicht mehr «Schwarzfahrer» sagen darf, um Diskriminierung zu verhindern, haben wir inzwischen gelernt. Aber Sprache soll neuerdings nicht nur frei von Farben sein, die an Hautfarben erinnern könnten, sondern auch frei von Geschlecht. Darum wurden nun Leitfäden für geschlechtsneutrale Sprache entwickelt und für zahlreiche Stadtverwaltungen Deutschlands sogleich für verbindlich erklärt.

Die gute Nachricht zuerst: Trotz aller Krisen und Viren scheinen wir immer noch über genug Zeit und Geld zu verfügen, um Lösungen für Probleme zu finden, wo vorher gar keine Probleme waren. Ein solches Problem sind alle Wörter, die in weiblicher und männlicher Form existieren, denn inzwischen gibt es nicht mehr einfach nur Männer und Frauen, sondern auch Mischwesen, Wechselgeschlechter und Menschen ganz ohne Geschlecht. Es wurde also höchste Zeit, dass unterbeschäftigte Beamte und steuergeldfinanzierte Experten sich mit dieser Thematik befassten. Dabei herausgekommen sind Leitfäden, Bücher und Webseiten, welche die angebliche Diskriminierung beseitigen sollen.

Die Fisch fangende Person

Besonders fleissig im Umgang mit der Geschlechtsneutralität waren in den vergangenen Monaten die Stadtverwaltungen von bekannten deutschen Städten wie Berlin, Köln, Dortmund oder Hannover. Die dortigen Mitarbeiter wurden angewiesen, nur noch gendergerechte Ausdrücke zu verwenden. Die neuen Wortschöpfungen wurden gleich mitgeliefert. Das Wort Anwohner zum Beispiel wird ersetzt durch «alle, die in dieser Strasse wohnen». Und ein Arbeitgeber ist fortan «eine Person, die Arbeitsplätze zur Verfügung stellt». Aus dem Angler wird die «Fisch fangende Person». Wenn bei diesen Ausdrücken eine Vereinfachung zu erkennen wäre, könnte man ja ein gewisses Verständnis aufbringen, aber wenn aus einem Wort gleich sieben Wörter werden, hat höchstens ein Schriftsteller Freude daran. Oder korrekter ausgedrückt «eine Roman verfassende Person».

James Bond, die auskundschaftende Person

Umbenannt wird in diesem Leitfaden auch der Spion. Offenbar wird das Wort Spion in Stadtverwaltungen ähnlich häufig verwendet wie die oben erwähnten Anwohner und Arbeitgeber. Spion oder Spionin jedenfalls darf es nicht mehr heissen, weshalb daraus nun eine «auskundschaftende Person» wurde. James Bond, die auskundschaftende Person, die mich liebte, klingt ja auch gleich viel spannender als James Bond, der Spion, der mich liebte. Dazu passt auch der Schützenkönig, der nun aber «treffsicherste Person» genannt werden muss. Was mit diesen neuen Wortschöpfungen gemeint ist, kann man immerhin noch erahnen, aber wenn man es ganz richtig machen möchte, muss man sich an die allerneusten Leitfäden halten. Weil man sich heutzutage sein Geschlecht nach Lust und Laune aussuchen kann, darf man zum Beispiel ein Onkel sein, sich aber dennoch als Frau bezeichnen. Man darf auch eine Grossmutter sein, die sich als Mann fühlt. Alles kein Problem. Nur die passenden Wörter fehlten bisher noch dazu.

Ompa, Opma und Opmex

Besonders gebildete Leute haben nun dank viel Steuergeld auch hier Abhilfe geschaffen und neue Wörter für bisher geschlechtsgebundene Begriffe wie Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester und so weiter erfunden. Damit niemand diskriminiert wird, soll es nun nicht mehr Oma und Opa heissen, sondern Ompa, Opma oder Opmex. Statt Tante und Onkel heisst es jetzt Tonkel und Ontan. Tatonkel geht auch. Vater und Mutter werden ersetzt durch Pama und Meema. Miema, Mapa oder Peema darf man ebenfalls verwenden. Das mag fantasievoll und lustig klingen, aber die ernst gemeinte erzieherische Absicht ist ein ideologischer Eingriff in unseren Alltag. Speziell dann, wenn die neuen Sprachregeln wie in Schulen, Universitäten und Stadtverwaltungen für verbindlich erklärt werden. Wer sich nicht daran hält, dem droht Ablehnung seiner Prüfungsarbeit oder eine Zurechtweisung. Anwälte für Sprache könnten eine goldene Zukunft haben. Nur dass sie jetzt nicht mehr Anwälte heissen, sondern «Angehörige rechtsberatender Berufe».

8. Oktober 2021 Tobias Infortuna