AHV-Sanierung

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Ob es dieses Mal gelingt? Gleiches Rentenalter für beide Geschlechter ist auch eine Frage der Fairness. Bild Pixabay

REFORMSTAU ALTERSVORSORGE
In der AHV-Kasse klafft ein grosses Loch. Sie ist schon seit längerer Zeit sanierungsbedürftig. Seit 20 Jahren wurden sämtliche Vorlagen vom Volk abgelehnt. Nun liegt ein gangbarer Lösungsweg vor. Das Ziel der Reform AHV 21 ist es, das Niveau der Renten zu halten und die Finanzierung der AHV bis ins Jahr 2030 zu sichern.

Gleichzeitig soll der Beginn des Rentenbezugs flexibler werden und es sollen Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit gesetzt werden. Auch der Nationalrat hat dem Vorschlag des Ständerates zugestimmt. Dieser umfasst mehrere Punkte. Einer davon ist der von den Linken umstrittene Punkt der Rentenalter-Erhöhung der Frauen.

Auf dem Sorgenbarometer, welches meistens von der CS erstellt wird, ist die AHV stets an einer der obersten Stellen. Die Jungen befürchten zu Recht, dass die AHV nicht gesichert ist, bis sie selbst ins Rentenalter kommen. Die erste Säule der Altersvorsorge wurde im Jahr 1948 errichtet und basiert auf einem Umlagerungsverfahren. Dabei muss man sehen, dass die Bedingungen damals ganz anders waren, als sie heute sind.

Modell von 1948 am Limit

Mit den damaligen Berechnungen konn­ten die Jungen die Rente der Alten finanzieren. Man ging davon aus, dass die Geburtenzahl pro Frau gleich oder ähnlich bleiben werden. Nun haben aber verschiedene Faktoren zu einer Änderung dieser Annahme geführt. Dem wurde keine oder zu wenig Rechnung getragen. Das Bevölkerungswachstum ergab sich aus der einheimischen Fortpflanzung. Die Jahre der Erholung nach dem zweiten Weltkrieg waren von Op­timismus geprägt. Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit trug mit den Babyboomer-Jahrgängen zu positiven Auswirkungen, sprich einer kom­fortablen Finanzierung der AHV bei.

Eigentlich hätte man sich schon lan­ge fragen müssen, ob das immer so weitergehen kann. Die Geburtenzahl pro Frau wurde zwar immer angeschaut und herausdividiert, wie viele Geburten es für ein Fortbestehen der AHV braucht. Nun kommen die Babyboomer, also die geburtenstarken Jahr­gänge ins Pensionsalter. Vergleicht man die hohe Anzahl Rentner mit den Erwerbstätigen, kann die AHV nicht mehr im Umlagerungsverfahren finanziert werden. Schon heute wird ein Teil der BVG-Gelder zweckentfremdet und in die AHV umgeleitet. Das zeigt, wie dringend eine Sanierung ist.

Vier Kernpunkte

Die jetzige Vorlage besteht aus vier Kernpunkten. Die Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65, eine Erhöhung der MWST um 0,4%, eine Flexibilisierung des Rentenalters und Ausgleichsmassnahmen für Frauen mit einem erhöhten Referenzalter. Dieses soll in der AHV schrittweise von 64 auf 65 Jahre erhöht werden. Mit einer Angleichung des Rentenalters der Frauen auf jenes der Männer und den Ausgleichsmassnahmen können jährlich 1,4 Milliarden eingespart werden.

Die Erhöhung beginnt im Folgejahr nach Inkrafttreten der Reform und beträgt jeweils drei Monate pro Jahr. Die Auswirkungen für die Frauen, die bei Inkrafttreten der Reform kurz vor der Pensionierung stehen, werden mit Aus­gleichsmassnahmen abgefedert: Die Renten der Frauen mit Jahrgang 1959 bis 1967 werden bei einem vorzeitigen Bezug weniger stark gekürzt. Während drei Punkte mit wenig Diskussionen akzeptiert wurden, gab die Erhöhung des Frauenrentenalters bei den Linken und Grünen am meisten zu reden. Aus­gerechnet jene Parteien, welche sich stark für eine Gleichberechtigung einsetzen, liefen beinah Amok. Um ihr Ziel Rentenalter 64 beizubehalten, setzen sie alles daran, diese Sanierung zu blockieren.

Frauen erhalten 55% der Rentensumme

Als Erstes ist zu sagen, dass das BVG und die AHV nicht miteinander vermischt werden dürfen. Die Zahlen der AHV sprechen eine andere Sprache als jene einer Benachteiligung der Frauen. Die Frauen zahlen 13 der Beiträge ein, die Männer aber 23. Jedoch werden 55% der Summe von Frauen bezogen und 45% werden an Männer ausbezahlt. D.h. 2020 gingen 24 Mia. Franken an Frauen und 19 Mia. an Männer. Die Lebenserwartung der Frauen ist um ein paar Jahre höher als die der Männer. Sie sind bei den Witwenrenten privilegiert und auch häufiger verwitwet. Laut BfS wurden im Dezember 2020 670 Mio. an Witwen und 180 Mio. an Witwer ausbezahlt. Bei den durchschnittlichen Altersrenten von Einzelpersonen stehen die Verwitweten an erster Stelle vor den Geschiedenen und den Ledigen, unabhängig vom Geschlecht. Es stimmt, dass es Tieflohnsegmente gibt, welche nur auf eine geringe Rente Aussicht haben. Das kann aber auch bei Männern zutreffen. Da­für eine generelle Rentenerhöhung in die Wege zu leiten ist nicht zielgerichtet. Mit einem solchen Giesskannenprinzip kämen auch gutverdienende in diesen Genuss, welche es gar nicht nö­tig ha­ben. Dafür kann in der Schweiz auf die Ergänzungsleistungen zurückgegriffen werden.

Im internationalen Vergleich steht uns damit ein vorbildliches Instru­ment zur Verfügung. Eine Geschlechterrechnung zu machen und damit die Sanierung zu blockieren, ist bei der AHV schlicht fehl am Platz.

25. Juni 2021 Therese Schläpfer