Alimentierungsprobleme der Schweizer Armee – alarmierende Fakten

Hintergrund Alimentierungsprobleme der Schweizer Armee - alarmierende Fakten - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Fehlentscheide der Vergangenheit führen heute zu akuten Alimentierungsproblemen in der Schweizer Armee. Bild Pixabay

SPEZIALKOMMISSION JUSTIZ, POLIZEI UND MILITÄR
Die personellen Herausforderungen unserer Armee sind komplex und vielschichtig. In den Medien werden hierzu in unregelmässigen Abständen einzelne Teilprobleme diskutiert. Klartext wird nicht gesprochen und die Missstände werden kleingeredet.

Das gesamte Ausmass der Katastrophe wird bei genauer Betrachtung allerdings schnell sichtbar. Wenn nicht umgehend gehandelt wird, ist die Alimentierung der Schweizer Armee nicht mehr gewährleistet. Um was geht es? Heute leisten nur noch 37% aller Stellungspflichtigen ihren Militärdienst vollständig. Von 100 Stellungspflichtigen eines Jahrgangs leisten ab deren 26. Lebensjahr nur noch 37 von ihnen Dienst. Aussagen Im Jahr 2018 und mit Beginn der Weiterentwicklung der Armee (WEA), wurde der flexible RS-Start eingeführt. Der Stellungspflichtige kann seither selbst wählen, wann er zwischen dem 19. und 25. Lebensjahr seine Rekrutenschule absolvieren will.

Was als zeitgemässe Flexibilität angedacht war, entpuppt sich heute als Administrationsmonster mit vielen unkontrollierbaren Risiken im Bereich der Funktionszuteilung an der Rekrutierung. Die Abschaffung der Gewissensprüfung im Jahr 2009, betreffend Umteilung von der Armee in den Zivildienst, wird heute von verschiedenen Exponenten als schwerwiegende politische Fehlentscheidung gewertet. Allein in den Jahren 2017 bis und mit 2020 wurden 24 332 Personen für den Zivildienst zugelassen. Rund alle 4 Jahre wechselt somit ein ganzer militärdienstpflichtiger Jahrgang von der Armee in den Zivildienst.

Erkenntnisse

In den Wiederholungskursen manifestieren sich die Auswirkungen der Alimentierungslücken bereits heute einschneidend. Zusammen mit den zusätzlichen Dienstverschiebungsgesuchen müssen diverse Formationen mit einem Totalbestand von gerade einmal rund 50 Prozent ihren Dienst leisten. Sind während solcher Dienstleistungen einzelne Spezialfunktionen nicht besetzt, kann das Bataillon oder die Kompanie ihren Auftrag nicht mehr erfüllen. Kurzfristig sind keine Lösungen in Sicht, um die Fehlentwicklungen in den Griff zu bekommen.

Die mittel- und langfristigen «Stabilisierungsmassnahmen » sind einer militärischen Entschlussfassung nicht würdig und haben den Charakter eines mutlosen Hüftschusses gepaart mit einigen Nebelpetarden auf dem offenen Feld. Die Problemerfassung wurde nicht gemacht und ganz dem Zeitgeist entsprechend werden die Lösungen im Bereich der Mainstreamthemen gesucht. Hierzu einige Stichworte und Beispiele der letzten Wochen:

– Neue Dienststelle für Frauen und wissenschaftliche Studie Vereinbarkeit Militärdienst, Ausbildung, Beruf und Familie

– Der Militärdienst soll familienfreundlich gestaltet werden

– Einrichten von Kinderkrippen und Kindertagesstätten – Teilzeitarbeit für Berufsmilitär

– Fachstelle Diversity Schweizer Armee

– Homeoffice-RS – Armee erhöht Energieeffizienz

– Inklusion

Konsequenzen

Um die Zukunft der Schweizer Milizarmee zu sichern, müssen die Fehlentscheide der vergangenen Jahre umgehend korrigiert werden. Betreffend das zukünftige schweizerische Dienstleistungsmodell müssen verschiedene Varianten entwickelt werden. In jeder Variante muss die Erfüllung des Auftrages der Armee (Milizarmee) gewährleistet – sowie der personelle Bedarf jederzeit garantiert sein. Die Erhöhung des Frauenanteils in der Armee ist zwingend, nicht um Alimentierungslücken zu schliessen, sondern um das Gesamtsystem zu stärken. Dem Parteiprogramm entsprechend soll die SVP umgehend Verantwortung übernehmen und für eine nachhaltige Problemlösung die Initiative ergreifen. Es geht um die Sicherheit und um die Zukunft der Schweiz!

5. April 2021 Michael Trachsel