Alles nur im fernen China

Kolumne Alles nur im fernen China - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Ein chinesisches Sprichwort besagt: «Bevor du dich daran machst, die Welt zu verbessern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus. Bild. Wikipedia

Letzten Freitag berichtete die Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF umfassend über die illegitime Beziehung einer jungen Frau mit einem «hohen, prominenten Politiker », der obendrein verheiratet ist. Dazu meinte unser Radio mit angehaltenem Atem: «Wir haben hier einen Mann, den klagt eine Frau an, weil er seine Machtposition auf sexueller Ebene ausgenützt haben soll.» Weiter wusste der Kommentator: «Im Westen wäre das ein typischer MeToo-Fall.» Da sei von «einer sexuellen Beziehung die Rede vor rund zehn Jahren». Darauf habe der Politiker – in seinem Land «Mitglied im mächtigsten Gremium» – den Kontakt zur jungen Geliebten wieder abgebrochen, diesen aber danach «nochmals gesucht». Und weiter: «Später sollen sie dann eine einvernehmliche Beziehung geführt haben, bis er sie dann wieder ignorierte.» Der Mann habe zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs unter «Ausnutzung eines krassen Machtgefälles» nicht Stellung genommen, «weil sich hohe Politiker eigentlich nicht zu ihrem Privatleben äussern».

All diese Scheusslichkeiten, über die uns Radio SRF informiert, betreffen das weit entfernte China. Der mächtige Politiker heisst Zhang Gaoli, die junge Frau – eine Tennisspielerin – heisst Peng Shuai. Lieber schweifen die Journalisten unseres Monopolradios in die Ferne, denn für sie liegt das Gute nah. Das Schlechte aber ist weit entfernt. Dabei besagt ein chinesisches Sprichwort: «Bevor du dich daran machst, die Welt zu verbessern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.»

Man müsste lediglich den Namen des hohen chinesischen Politikers Zhang Gaoli mit dem Namen des hohen Schweizer Politikers Alain Berset ersetzen. Doch über dessen uneheliche Affäre inklusive «krasses Machtgefälle» berichtete «Echo der Zeit» mit keinem Sterbenswörtchen. Selbst die «NZZ» konnte sich über die «auffallend zurückhaltende Berichterstattung von SRF» nur wundern. «Hirsche und Tiger streichen nicht miteinander herum», warnt ein chinesisches Sprichwort. Auf kleinere Schweizer Verhältnisse übertragen, gilt diese Weisheit auch für Kätzchen und Tigrillos.

11. November 2021 Christoph Mörgeli