Auf ein Wort mit Gemeinderat Jean-Marc Jung

Parlamentsgemeinden Auf ein Wort mit Gemeinderat Jean-Marc Jung - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

«Er war Patriot und dennoch international vernetzt», meint Jean-Marc Jung zu Zwingli, der vor 500 Jahren im Grossmünster predigte.

«Diese illegale Willkommenskultur wird schnell international bekannt sein»

Die Stadt Zürich driftet mehr und mehr nach links. Gemeinderat Jean-Marc Jung ist einer, der engagiert dagegenhält. Der Zürcher Bote machte mit ihm eine Tour d’Horizon von subventionierten Wohnungen über die Betreuung dementer Angehöriger bis zu Zwingli, dessen konsequente Haltung wir uns vergegenwärtigen sollten.

Was hat Dich als Stadtzürcher, der schon die Schulen hier besuchte, zur SVP gebracht?

Mit der Nicht-Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hat es mir den «Nuggi» rausgehauen. Obwohl Ständemehr und Volksmehr da waren, wurde sie nicht umgesetzt. So wollte ich zur SVP, um diese mutige stolze Partei irgendwie unterstützen zu können.

Seit rund einem halben Jahr bist Du Gemeinderat. Wie erlebst Du den Ratsbetrieb? Es ist turbulent, die Argumentationen teils chaotisch und dürftig, aber vielfältig. Themen wie die City-Card für Sans-Papiers verärgern. Diese illegale Willkommenskultur wird schnell international bekannt sein. In den Asylcamps in Griechenland und der Türkei. Die Sogwirkung wird kommen. Die sich dynamisch gebende Stadtpräsidentin findet das gut.

Als Ökonom hast Du Dich auf Immo- bilienentwicklung und Immobilienbewirtschaftung spezialisiert. Welche Kritikpunkte hältst Du der Stadt als Gross-Vermieterin vor?

Ja, ich lasse mal eine neue Zentralheizung in einem Mehrfamilienhaus montieren, lasse Leitungen durch Mauern brechen, koordiniere den Baumeister mit dem Sanitär, Elektriker, Schreiner. Dieses Koordinieren macht Freude. Weniger Freude bereitet die städtische Wohnpolitik. Wenn man arm ist (wieso auch immer), kann man eine subventionierte Wohnung ergattern. Auch Krankenkassenzuschüsse oder Hilflosenentschädigung. Wehe dem, der in der Mitte der Gesellschaft ist. Also der KMUler, der seine Kunden selber suchen muss, oder der fleissige Angestellte, der sich am Abend weiterbildet, oder das Pflegepersonal mit den Überstunden. Diese Umverteilung, dieser Sozialismus ist brutal ungerecht. In Zürich soll der Anteil gemeinnütziger Wohnungen auf einen Drittel erhöht werden. Die ABZ will auf dem Kochareal ein 85-Meter-Hochhaus bauen. Eine Wohnung mit 4,5 Zimmer kostet ca. 1680 Franken. Die Wohnung ist dann nigelnagelneu. Durchsubventioniert von denjenigen, die Steuern zahlen müssen. Die 40 Prozent der Familien, die gar keine direkten Bundessteuern zahlen, lachen sich ins Fäustchen. Und der Mittelstand muss sich mit den teurer werdenden Restwohnungen abfinden.

Mit Deinem Bruder hast Du Deine an Demenz erkrankte Mutter bis zum Tod betreut. Wo siehst Du mit dieser per- sönlichen Erfahrung gesamtgesellschaftlichen Handlungsbedarf?

Wenn Menschen dement werden, kommt der Zeitpunkt, ab dem sie die eigenen Kinder, den Partner nicht mehr erkennen können. Sie verlieren die Sprache und die räumliche Orientierung. Es ist sehr schwierig, zu sehen, was sie fühlen und denken. Als Angehöriger kann man mithilfe der Spitex oder alzheimer-schweiz.ch die Betreuung eine Zeitlang gewährleisten. Der stete Zerfall ist schwer zu verarbeiten. Irgendwann geht es ins Heim, in eine geschlossene Wohngruppe. Wichtig scheint mir, dass die Kranken sich im Freien bzw. in einem weglaufgeschützten Garten bewegen können. Dadurch werden sie ruhiger. Der Betreuungsaufwand und das Abfüllen mit Medikamenten nimmt ab. Ich habe im Gemeinderat ein Postulat eingereicht, welches will, dass die Bewegungsmöglichkeiten draussen verbessert werden. Nebenbei: Die Pflegekosten im Heim machen schnell mal 9000 Franken pro Monat aus. Je mehr man auf dem Konto hat, desto mehr muss man selber zahlen. Der Mittelstand blutet, bis die erkrankte Person oder die Erben nichts mehr haben.

Die SVP will mit Blick auf die Wahlen 2022 Zürich nicht den Linken überlassen. Mit welchen Hauptargumenten trittst Du dafür ein?

Die Linken führen den Sozialismus ein. Das Privateigentum wird ausgehöhlt. Der Sozialismus hat schon oft gezeigt, dass er ins Verderben führt. Osteuropa kann davon laut klagen. Ich weise dauernd darauf hin, dass der linke Weg in die Katastrophe führt.

An der Uni Zürich besuchst Du regelmässig Geschichtsvorlesungen. Unter anderem kürzlich zu Zwingli. Was hast Du daraus als Brückenschlag zur Gegenwart mitgenommen?

Zwingli war ein ganz besonderer Typ. Als Feldprediger war er bei der Schlacht in Marignano 1515 dabei und sah, wie Schweizer andere Schweizer in fremdem Solddienst abschlachteten. Mehrmals die Woche appellierte er im vollen Grossmünster gegen diesen Ausverkauf der eigenen Jugend nur des Geldes wegen. Aber er versuchte auch, mit Mailand separate Wirtschaftsabkommen zu schliessen. Er war Patriot und dennoch international vernetzt. Er pflegte Pestkranke, bekam die Pest und wurde wieder gesund. Er war musikalisch, gebildet und selbstbewusst. Er verkaufte nicht sich selbst, aber seine Ideen. Diese waren viel stärker als diejenigen seiner Feinde. So blieb er sich selber treu. So soll es auch die Schweiz machen. Auch wenn das etwas kostet.

14. Oktober 2021 SVP Kanton Zürich