Bedrohungen auf der Lauer und Tragik der Naivität

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Normandie 1944: Wo die Alliierten aus der Tiefe kamen – gegen Tyrannei – für Humanität.

FERNÖSTLICHER IMPERIALISMUS ALS HERAUSFORDERUNG
Hinter strategischen Entscheiden stehen oft auch Motive, die auf Anhieb nicht erkennbar sind. Was könnte an wirklicher, nicht an deklarierter Strategie hinter dem katastrophalen Abzug der US-Streitkräfte und der Nato aus Afghanistan gestanden haben? Gibt es da noch weit grössere Gefahren für die Welt?

Allein der Umstand, dass Joe Biden schon als Vizepräsident dem Engagement im Hindukusch skeptisch gegenüberstand und nun bloss seine Politik weiterführte, genügt nicht als Erklärung, denn es müssen auch neue Situationen einbezogen werden.

Ebenso wenig genügt die Erklärung, dass Donald Trump mit dem in Katar den Taliban versprochenen bedingungslosen Abzug mit einer faktischen Kapitulation ein «Fait accompli» geschaffen habe: Auch wenn die Taliban bei einem Strategiewandel noch radikaler geworden wären, hätte ihnen mit robusten Mitteln entschieden Einhalt geboten werden können.

Imperialismus in Asien

Dies aber hätte militärische Mittel gebunden; die US-Militärdoktrin sieht vor, an zwei Fronten Krieg führen zu können, präsent zu sein; wie damals im zweiten Weltkrieg: in Europa und im Pazifik. Aber auch dann muss sich die grösste Militärmacht konzentrieren. Auf welche Bedrohungen denn? Seit einiger Zeit gebärdet sich China immer aggressiver: Die wirtschaftliche Seite und der Versuch, andere Länder – auch solche in Afrika – in eine Abhängigkeit von Peking zu bringen, auch mit scheinbar grosszügigen Krediten – ist nur das eine.

Die andere sind die militärischen Machtansprüche: Da werden im Pazifik mit künstlichen Inseln neue Territorialansprüche aufgebaut, die völkerrechtlich von keinem Gericht anerkannt werden. Das ist reiner Imperialismus. Insbesondere auch die Flotte und Abschussrampen für Raketen werden ausgebaut. Eine Drohgebärde löst die nächste ab – besonders gegenüber Taiwan. Aber auch Moskau ist ein Drohfaktor.

Lehren sind zu ziehen

Es sollten endlich auch aus den fehlgeschlagenen Strategien die Lehren gezogen werden. Die Geschichte wiederholt sich mit geradezu peinlicher Parallelität – ohne dass aus der Erfahrung gelernt wurde. Was jetzt in Afghanistan passierte, ist deshalb nicht beispiellos – weil der klägliche Zusammenbruch der Sicherheitskräfte vor Ort unter Zurücklassung aller Waffen, seine Vorläufer hatte: Nicht nur im Irak, wo die Truppen vor den Brutalos des IS ohne Moral kampflos Reissaus nahmen: Auch bei den Weltkriegen wiederholte sich, was nicht nochmals hätte passieren dürfen:

So stürmten im ersten Weltkrieg die deutschen Truppen in einem sichelförmigen Vorstoss durch Belgien und die Ardennen in den Südwesten und konnten erst vor Verdun gestoppt werden: Ein jahrelanger Stellungskrieg von Franzosen und Briten folgte und die Front konnte erst definitiv gehalten werden, als die USA und die Australier unter riesigen Verlusten im Westen die Front an der Somme zurückdrängen konnten. Im zweiten Weltkrieg kommt es zu einem analogen Angriff, wieder mit einem Sichelschnitt durch Belgien und die Ardennen, wobei die britische Armee bei Dunquerque eingekesselt wurde. So wurde auch die legendäre Maginot- Linie – ein Festungswerk mit riesigen Ausmassen – umgangen, weil dieses Bollwerk bei Luxemburg endete und nicht der belgischen Grenze entlang nach Westen weitergezogen wurde: So kamen die Deutschen von hinten und die eigentlich uneinnehmbaren Festungen mussten kampflos übergeben werden. Es folgte die Kapitulation und der Held des ersten Weltkrieges, Maréchal Pétain, wurde zum «Verräter»; nicht weil er das Land verraten hatte, sondern weil die Politik die Lehren aus dem ersten Weltkrieg nicht gezogen hatte.

Perfekt analoge Szenarien wiederholten sich nun in Asien: nach Irak dann Afghanistan. Den Grundstein zum Desaster legte Donald Trump mit seinen bedingungslosen Abzugsgesprächen in Katar, die den Vorstoss der Taliban anfeuerten, die Kapitulation der westlichen Truppen vor Augen. Gewiss, Joe Biden war schon unter Barak Obama gegen den Einsatz in Afghanistan, doch er hätte die zweifellos erschwerenden Vorgaben Trumps nicht befolgen und Fakten neu schaffen können: dies auch deshalb, weil den Taliban, wie wir das schon Mitte August schrieben, kein Wort zu glauben ist.

Neue Bedrohungen lauern im Hinterhalt

Was kommen da für Bedrohungen auf uns zu, wenn selbst die Menschenrechte in Afghanistan offenkundig preisgegeben werden, nachdem sich dort die Strukturen als unfähig erwiesen haben. Manchmal ist es nur so möglich, zu beweisen, was pazifistische Forderungen anrichten können, auch wenn diese Lehre schon in Syrien klar geworden sein sollte. Aber Pazifisten sind, wie Klimaaktivisten, unbeirrbar.

Die neue Allianz der USA mit Australien und Grossbritannien, das Bündnis «Aukas», vergleichbar – wenn auch am geografischen Antipoden des Wirkungsbereich – mit der «Nato», ist ein Ergebnis dieser Bedrohung. So ist der tragische Abzug aus Afghanistan möglicherweise eine Folge davon, dass Reserven geschaffen werden müssen, um einem gefährlichen Imperialismus an anderen Fronten glaubhaft Einhalt gebieten zu können.

8. Oktober 2021 Bernhard im Oberdorf