Bourbaki-Soldaten im Weinland

Retro Bourbaki-Soldaten im Weinland - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die humanitäre Schweiz von anno dazumal – festgehalten von Albert Anker. Bild: Wikipedia

VOR 150 JAHREN  kamen auch Armeeangehörige der legendären Bourbaki-Armee in das Zürcher Weinland. Dort waren sie bis zu ihrer Rückkehr im März und April interniert. Es gibt nur noch wenige Zeugen aus diesen bewegten Tagen.

RoMü. In diesen Tagen jährt sich zum 150. Mal, dass Ende Januar 1871 die Bourbaki-Armee bei Les Verrières im Val des Travers mit 87 000 Mann und 12 000 Pferden die Schweizer Grenze überschritten hat. Im harten Winter 1870–871 führten Frankreich und Deutschland Krieg gegeneinander. Dabei sollte die Armée d’Est unter der Führung von General Charles Denis Soter Bourbaki die deutschen Truppen angreifen, welche Belfort belagerten. Bei diesem Angriff wurden seine Truppen aber zurückgeschlagen und bei Pontarlier eingekesselt. Die Essenversorgung brach zusammen und die Kleidung der Soldaten war alles andere als wintertauglich. Unter der Führung von General Clinchant setzten sich die Truppen mit grossen Verlusten Richtung Schweizer Grenze in Marsch. Am 28. Januar baten die französischen Truppen den Bundesrat um Asyl. Beim anschliessenden vier Tage dauernden Grenzübertritt wurden die Truppen entwaffnet und sie mussten auch Munition und Material abgeben. Diese Internierung löste innerhalb der Schweiz eine grosse Hilfsbereitschaft auf. Zugleich leistete das Schweizerische Rote Kreuz vor Ort seinen ersten Grosseinsatz. Auf einen Schlag war die Schweizer Bevölkerung um drei Prozent gewachsen. Bereits wenige Tage danach wurden die Soldaten auf alle Kantone ausser dem Tessin verteilt, wo sie in einer Art Internierung gesundgepflegt und bewacht worden sind. Es ist bekannt, dass im Weinland Benken, Marthalen, Andelfingen, Rheinau und auch im Stammertal internierte Einheiten einquartiert worden sind.

Erinnerungen in Benken und Rheinau

Das Weinland hatte grundsätzlich mit Blick auf seine Vergangenheit keine guten Erinnerungen an die Franzosen. 1799 sorgten die Truppen von Napoleon beim Rückschlag der Russen für viel Leid, Not und grosse Schäden. In der 1926 von Alfred Moser erschienen Schrift «Aus Benkens Vergangenheit» schildert er die Ereignisse im harten Winter 1871: «1871 nach dem Übertritt der Bourbaki- Armee sah Benken wieder Rothosen in seinen Mauern, aber es waren ja nur klägliche Schatten jener Grande Armee von 1799. Damals waren sie gekommen, als tatendurstige Welteroberer, denen nichts Stand zu halten schien, jetzt waren es halbverhungerte, mitleiderweckende Glieder der menschlichen Gesellschaft, verblendete Werkzeuge eines Abenteuerkaisers der nichts, auch gar nichts gemein hatte mit jenem grossen Napoleon, als seinen Namen». Da auch in Marthalen internierte französische Truppen einquartiert waren, wurden diese im Rahmen von Arbeitsprogrammen dafür eingesetzt, um die alte Mauer samt Torturm abzureissen. Auch in Rheinau wurden auf Geheiss der Zürcher Regierung in der erst seit etwas mehr als drei Jahre auf der Klosterinsel eröffneten Pflegeanstalt 176 an Typhus erkrankte Franzosen im zweistöckigen Gästehaus über dem Staatskeller einquartiert. Dafür mussten aber in grosser Eile 20 Fensterausbrüche ausgeführt und die Wasserversorgung und Abwasserleitung notdürftig erstellt werden. Für die Betreuung der kranken Franzosen, welche bis 43,1° Fieber hatten, standen 20 Pflegerinnen und neun Pfleger im Einsatz. Bereits am 28. Februar 1871 marschierten die ersten genesenen Soldaten zum Bahnhof Marthalen, wo sie sich für den Weitertransport in ihre Heimat sammeln konnten. An die 17 verstorbenen Franzosen erinnert eine Gedenktafel auf dem Rheinauer Friedhof.

Spott und Hohn aus Deutschland

Für die grosse Hilfsbereitschaft auch in den Weinländer Dörfern hingegen hatten die siegreichen deutschen Nachbarn und vor allem ihre politische Elite nur Spott und Hohn. Doch es gibt auch andere Botschaften, wie im Schaffhauser Intelligenzblatt vom 12. Februar zu lesen ist: «Keine Regel ohne Ausnahme, dachten wir, als wir dieser Tage sahen, wie Bürger aus den benachbarten badischen Gemeinden sich mit unseren französischen Soldaten gar lustig unterhielten und diesen massweisse Wein spendeten. So zerstörungswütig, wie man etwa aus der Beamtenwelt Stimmen hört, ist eben der Verstand nicht, der dem Hausgebrauch dienen soll». In Schaffhausen sorgten die internierten Armeeeinheiten kaum gross für Probleme. Es zeigte sich, dass zu ihrer Bewachung zwei Kompanien vollständig genügten.

19. Februar 2021 SVP Kanton Zürich