Chinas globale Strategie

Aussenpolitik Chinas globale Strategie - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Ob Zürcher Fussballclub GC oder griechischer Hafen Piräus - wo China zukauft, geschieht das mit langfristigem Kalkül. Bild Wikipedia

EUROPAS OFFENE FLANKEN ALS TORHEIT DER REGIERENDEN
Dass ein Chinese den Zürcher Traditions-Fussballclub Grasshoppers übernimmt, löst Aufregung aus. Will China Fussball-Grossmacht werden? Oder plant China die Übernahme der Schweiz?

Kaum zu bestreiten ist: China weitet seine Einflussnahme auf Wirtschaft, Kultur und Sport in Europa planmässig aus. China hat Schwächen im Gebälk des im Schuldensumpf steckenden EU-Europa längst durchschaut – und nutzt sie zielbewusst aus.

Handels-Infrastruktur

Das vom viel zu starken Euro restlos überforderte Griechenland schrieb aus purer Finanznot den Hafen Piräus zum Kauf aus. China schlug zu – und baut Piräus jetzt zu einem hochrangigen Handelsstützpunkt in Europa aus.

Ist daran allein Chinas Expansionshunger schuld? Wer dies pauschal bejaht, übersieht, dass die sich in «uneuropäischen Zentralismus» verbeissende EU China noch und noch attraktive Expansionschancen anbietet. Beijing nutzt Brüssels Schwäche skrupellos aus.

Rohstoffe

Ähnliches prägt die Afrika-Politik der europäischen Staaten einerseits, Chinas andererseits. Die europäischen Staaten – auch die Schweiz – verstricken sich derzeit hoffnungslos im zum Scheitern verurteilten Versuch, sich zum umfassenden «Sozialhelfer Afrikas» aufzuschwingen. Einerseits wird die Masseneinwanderung aus dem schwarzen Kontinent hingenommen, was die europäischen Sozialkassen bei Weitem überfordert.

Anderseits werden Abermilliarden in allzu oft ineffiziente Entwicklungshilfe- Projekte «investiert» – während China kaltschnäuzig die im rohstoffreichen Boden Afrikas vorzufindenden Bodenschätze ausbeutet – damit Wirtschaftsaufschwung garantierend, während Europa in immer tiefere Schuldenlöcher blicken kann.

Energieversorgung

Gibt sich irgendjemand der Illusion hin, China sei ausserstande, die sich ihm aus der in Europa euphorisch gefeierten Energie-Wende bietenden Chancen auszunutzen?

Wenn die während Jahrzehnten weltweit erfolgreichsten Autobauer – von der auf die Freitags-Teenager fixierten Angela Merkel im Stich gelassen – ihre Erfolge nicht mehr zu nutzen sich getrauen: Wer wollte es China verargen, das Erbe Deutschlands in Sachen Automobilbau anzutreten – seine wirtschaftliche Vormachtstellung damit ausbauend?

Europa – von Medien und jugendlichen Streikern eingeschüchtert – lässt sich zu einer Energie-Wende verleiten, welche die jahrzehntelang tadellos funktionierende Energieversorgung von Konsumenten und Wirtschaft mehr als nur gefährdet. China erblickt darin Marktchancen – und baut oder finanziert insbesondere auf dem vom Hafen Piräus nicht allzu weit entfernten Balkan mit chinesischer Kohle betriebene Kraftwerke. China rechnet mit Stromengpässen in Europa – was ihm Verkaufschancen (und Erpressungspotenzial) in die Hand spielt. Zumal die auf Demonstranten fixierten Regierungen europäischer Länder auch noch ihre gut funktionierenden Kernkraftwerke stilllegen, die heute noch CO2-frei alle Stromlücken füllen. Kann man China verargen, in die von den Europäern selbstverschuldet aufgerissene Lücke vorzustossen?

Fazit

China richtet seine Aussen- und Wirtschaftspolitik konsequent nach seinen Interessen aus. China will politisch und wirtschaftlich führende Weltmacht werden. Die kopflose, sich dem auch noch von Krisenverwaltung profitierenden Funktionärsapparat in Brüssel ausliefernde Politik in Europa erleichtert China den Weg an die Weltspitze zweifellos.

Wer darin Gefahren für Europa erblickt, muss nicht China dämonisieren. Er muss fehlgeleitete, an Illusionen statt an Interessen geknüpfte Aussen- und Wirtschaftspolitik in Europa korrigieren.

Wer Europas Politik gegenüber China unvoreingenommen verfolgt, kommt relativ rasch dazu, den im alten Kontinent vor Mikrofonen und Kameras dominierenden Gestalten die Lektüre eines ganz bestimmten Buches nachdrücklich zu empfehlen.

Es trägt, geschrieben von der amerikanischen Historikerin Barbara Tuchman, den Titel: «Die Torheit der Regierenden».

22. Juli 2021 Ulrich Schlüer