Das Asch-Expertiment

Fadegrad Nimmersatt - Onlinebote SVP des Kantons Zürich 1

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Kennen Sie dieses Experiment? Auch Konformitätsexperiment genannt, 1951 von einem Solomon Asch veröffentlicht. Es geht darum, einer Gruppe auf einer Karte eine Linie zu zeigen, die als Referenzlinie gilt. Daneben stehen drei weitere Linien. Aufgabe der Probanden ist es nun, anzugeben, welche der drei Linien gleich lang ist wie die Referenzlinie. Bis auf eine Person (die eigentliche Versuchsperson) ist die ganze Gruppe eingeweiht und macht bewusst eine falsche Aussage und wählt eine Linie, welche nicht gleich lang ist. Die Versuchsperson, die ursprünglich gewillt war, die richtige Linie zu nennen, schliesst sich in der Folge des Experiments nun einfach der (falschen) Meinung der restlichen Gruppe an. «Wer die Wahrheit nicht weiss, der ist bloss ein Dummkopf, aber wer sie weiss und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.» (Bertold Brecht, 1898–1956) Nun frage ich Sie: Ist die eigentliche Versuchsperson ein «Verbrecher», weil sie sich dem Gruppendruck beugt? Oder ist die Versuchsperson Opfer des Systems (hier wohl eher des Experiments)?

Die Versuchsperson ist bestimmt kein Dummkopf, denn sie wüsste die richtige Antwort. Und doch beschliesst sie, sich der Lüge anzuschliessen und sie zu vertreten. An dieser Stelle kommen wir zu einem Thema, das mich sehr beschäftigt: Was ist Wahrheit? Im beschriebenen Experiment gibt es eine einfache Lösung, die Wahrheit herauszufinden. Man misst die Referenzlinie und die drei gegenüberstehenden Linien. Zahlen lügen bekanntlich nicht. Manchmal wünschte ich mir es wäre so einfach im Alltag, der Wahrheit auf den Grund gehen zu können. Doch wie soll und kann man als normaler Bürger noch herausfinden, was nun wahr ist und was nicht. Woher bekommen wir all unsere Informationen? Und noch wichtiger von wem? Denn da liegt doch der entscheidende Punkt! Wem schenken wir unser Vertrauen? Wem glauben wir?

Der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar (1873–1955) sagte einst: «Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.» Die meisten Menschen glauben wohl lieber einer Lüge, weil es viel bequemer ist, sich zu beugen und mitzumachen, als gegen den Strom zu schwimmen. Denn das würde bedeuten, man müsste etwas dagegen tun und aktiv werden. Das beste Beispiel hierfür ist wohl das Tragen einer Maske. Erst wurde behauptet, sie nütze nichts, und jetzt ist das Tragen einer Maske das Allerheilmittel. Sie ist fester Bestandteil unseres Lebens geworden und gehört zur Normalität. Und ob sie nun etwas nützt oder nicht, wir tragen sie trotzdem alle. Die Frage, die bleibt, ist, ob die Maske der Referenzlinie im Asch-Experiment entspricht oder ob wir uns der (falschen) Meinung der Gruppe beugen.

2. Mai 2021 Maria Wegelin