«Den Pfauen-Saal im Schauspielhaus wollen wir renovieren statt abreissen»

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Das 200-jährige «Haus zum Falken» muss bald einem Bürokoloss weichen. Die SVP wehrte sich erfolglos gegen den Abriss. Bild zVg

DENKMALSCHUTZ: INTERVIEW MIT GEMEINDERAT STEFAN URECH
Am Denkmalschutz scheiden sich die Geister. Als Stadtzürcher durch und durch erläutert Stefan Urech, was für ihn eine gekonnte Verbindung von alter und neuer Bausubstanz ausmacht.  

Welches ist in Zürich ein Paradebeispiel für gelungenen Denkmalschutz?

In Zürich gibt es viele Bauten, die ich hier aufführen könnte. Als Gemeinderat denke ich natürlich zuerst an das aus dem 17. Jahrhundert stammende Rathaus. Seit dem Ausbruch der Covid- Pandemie tagen wir in der Messe Oerlikon, deren moderne praktische Hallen im Vergleich zum historischen Ratssaal kalt und trostlos wirken. Auch die ehemaligen Industriebauten im Kreis 5, der sich zu Recht immer noch Industriequartier nennt und wo ich seit über 20 Jahren lebe, faszinieren mich. Das geschützte Löwenbräu-Areal zum Beispiel, wo die Bierbrauerei aus dem Jahr 1897 mit moderner Wohnarchitektur verschmilzt, löst bei mir eine Art Heimatgefühl aus.  

Und wo ist der «Schandfleck» zu besichtigen?

Das «Haus zum Falken» am Bahnhof Stadelhofen ist sicher einigen wegen dem rund 50 Jahre alten Anbau, der lange das «Café Mandarin» beherbergte, bekannt. Der dahinterstehende «Falken » wurde vor vier Jahren durch den Stadtrat, gegen den Willen der Denkmalpflege und der SVP, aus dem Inventar der schützenswerten Objekte entlassen. Dieses 1819 erbaute, altehrwürdige Haus ist eines der letzten Zeitzeugen für (damals noch) ausserstädtisches Wohnen und bildet einen eigenwilligen Kontrast zu den dominanten, dichtgebauten Gebäuden beim Stadelhoferplatz. Nun wird das Gebäude einem fünfstöckigen Bürokomplex der AXA Versicherungen weichen. Dank eines Streits zwischen den Bauherren und der Implenia kann man den alten «Falken » noch rund ein Jahr lang sehen.

Der schöne Saal im Zürcher Schauspielhaus, auch bekannt als «Pfauen», soll gemäss dem Vorschlag des Stadtrats komplett durch einen neuen ersetzt werden. Der sogenannte Pfauensaal hat aber eine für Zürich bedeutende Tradition. Während der Nazi-Zeit war es das einzige freie Theater im deutschsprachigen Raum, wo faschismuskritische Stücke aufgeführt werden konnten. Ebenso fanden dort zahlreiche Erstaufführungen von Dürrenmatt und Frisch statt. Zusammen mit dem Heimatschutz kämpft die SVP für eine sinnvolle Renovation statt dem Abriss und war in einem ersten Schritt erfolgreich. Wie es weitergeht, wird demnächst im Rat und vor Gericht entschieden.

Denkmalschutz und Ideologie: Jahrhundertealte Beschriftungen bzw. Häusernamen sollen geändert werden, weil sie diskriminierend seien. Warum ist das fragwürdig?

Der Stadtrat möchte die alten Inschriften «Zum Mohrenkopf» und «zum Mohrentanz » von den Hausmauern der Zürcher Altstadt entfernen, da diese rassistisch seien, was aber nicht zutrifft und was er deshalb auch nicht belegen kann. Die Denkmalpflege, eine von SP Stadtrat Odermatt geführte Dienstabteilung der Stadt Zürich, hat sich nicht gegen die ideologisierte Vernichtung dieser historischen Zeugen gewehrt, weshalb der Zürcher Stadtrat behaupten kann, dass aus Sicht der Denkmalpflege «einer Entfernung der Hausnamen nichts entgegenstehe».

Der Stadtrat definiert in diesem Fall, was als rassistisch zu gelten hat und was schützenswert ist. Ob sich private Denkmalschutz- Organisationen wie z.B. der Schweizerische Heimatschutz dagegen wehren werden, ist noch unklar. Ich habe zusammen mit einem Parlamentarier der GLP einen Vorstoss eingereicht, der den Erhalt der Inschriften fordert.

Denkmalschützer argumentieren – wie Architekten – primär nicht ästhetisch, sondern führen die Einzigartigkeit ins Feld, auch wenn diese unter Umständen vielen nicht gefällt. Inwiefern ist das plausibel?

Mir ist es auch schon passiert, dass ich vor einem geschützten Gebäude stand und im ersten Moment dachte: «Echt jetzt, das soll geschützt sein?» Doch wir sollten immer auch den wirtschaftlichen oder sozialen Kontext eines historischen Objektes beachten. Unsere Erinnerung an frühere Zeiten soll sich nicht auf schöne Kirchen, Villen oder Gärten beschränken. Auch die Erhaltung einer Bierbrauerei kann Sinn machen. Es müssen natürlich nicht alle alten Brauereien unter Schutz gestellt werden, sondern insbesondere diejenigen, bei denen es von ihrer Art keine mehr in der Umgebung gibt.

Wo liegt die richtige Balance zwischen Bewahren und Erneuern, insbesondere im Kontext, dass in Ballungsräumen eine Verdichtung als unverzichtbar gilt?

Als konservative Partei sollte die SVP den grundsätzlichen Sinn des Denkmalschutzes erkennen. Der Wunsch nach Verdichtung in den Ballungsräumen ist auf die weiterhin anhaltende Masseneinwanderung und die Bevölkerungsbewegung in die Städte zurückzuführen.

Die SVP sollte sich dagegen wehren, dass dafür immer mehr charaktervolle historische Gebäude durch teilweise gesichtslose Betonblöcke ersetzt werden. Denkmalschutz heisst aber nicht, dass wir aus der Stadt ein Museum machen. Es gilt, in jedem Fall eine sinnvolle Interessensabwägung vorzunehmen.

Die Verdichtung ist das Eine, doch was ist mit der ökonomischen und ökologischen Tragbarkeit alter Bauten?

Von privaten Bauherren wurde schon oft berichtet, wie sie auch bei kleineren Bauvorhaben vonseiten der Denkmalpflege mit unzähligen Vorschriften eingedeckt und schikaniert wurden. Dabei ging es teilweise um extrem kostentreibende Details, deren Rechtfertigung durch das öffentliche Interesse zweifelhaft war.

Während die Stadt als Auftraggeberin ganze unter Denkmalschutz stehende Gebäude oder Interieurs zerstören kann (z. B. alter Falken, Theatersaal im Schauspielhaus) beharrt sie bei Privaten pingelig auf der Einhaltung rigider und oft nicht nachvollziehbarer Vorschriften. Diese Art von Denkmalschutz ist nicht nur unfair, sondern vor allem auch unglaubwürdig.

14. Mai 2021 SVP Stadt Zürich