«Der Geist der Anbauschlacht»

Hintergrund «Der Geist der Anbauschlacht» - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Apropos Autarkie: In angespannten Zeiten war und ist die Schweiz auf einen hohen Selbstversorgungsgrad angewiesen. Das Foto zeigt den Kartoffelanbau auf dem St. Galler Klosterplatz – während des 1. Weltkrieges. Bild Wikipedia

SVIL-STELLUNGNAHME ZUM NZZ ARTIKEL VON CLAUDIA WIRZ VOM 13. APRIL
In ihrer Suada gegen den Plan Wahlen und die damalige sogenannte «Anbauschlacht» behauptet Claudia Wirz, der Selbstversorgungsgrad der Schweiz sei damals nur von 52 auf 59 Prozent gestiegen.

Hans Bieri Schweizerische Vereinigung Industrie und Landwirtschaft SVIL

«… was auf dem Plan vielleicht gut und schlüssig aussah, scheiterte an der Realität. Das kommt in der Planwirtschaft bekanntlich öfters vor. Das vermeintlich hehre Ziel eines autarken Schweizervolks wurde nicht einmal annähernd erreicht», lautet ihr vernichtendes Urteil. Demgegenüber kann jedoch festgehalten werden, dass 1934 vor der Umsetzung des Planes die Kartoffelanbaufläche 45 819 ha und die Getreideanbaufläche 125 000 ha betrugen. 1943 jedoch im Ergebnis des Plans Wahlen stieg die Kartoffelanbaufläche auf 82 820 ha und die Getreideanbaufläche auf 216 450 ha. Soviel zu den Anbauflächen, die damals aufgrund der verfügbaren Kartierungsgrundlagen der SVIL aus den 30er-Jahren in dieser kurzen Zeit unter den Pflug genommen werden konnten. Weit gravierender ist jedoch folgende dreiste Behauptung von Wirz: «Die Rede ist von der Anbauschlacht, dem Plan Wahlen. Angeregt unter anderem von der ‹Battaglia del Grano›, der Getreideschlacht des faschistischen Italien. »

Wirz rückt also den Plan Wahlen in unmittelbare Nähe des Faschismus. Das liegt ganz auf der Linie der im letzten Sommer in der NZZ vom 3. August vertretenen These «Das Bauerntum war eine Grundlage des nationalsozialistischen Staates». Und weiter stand in der NZZ: «Ernährungspolitik spielte beim Aufbau des Vernichtungssystems eine entscheidende Rolle.» Es wird also sogar Ernährungssicherheitspolitik und Bauerntum vollkommen abstrus mit dem Holocaust in Verbindung gebracht. Das kann so nicht hingenommen werden!

Unverschämt

Offensichtich scheint gewissen Kreisen inzwischen jedes Mittel zulässig zu sein, um die politische Eigenständigkeit, wozu die krisenfeste Versorgung gehört, sogar durch einen unverschämten Faschismus-Vorwurf zu brechen. «Eine wahrhaft autarke Schweiz wäre eine hungernde Schweiz», spottet Wirz weiter. So kann nur reden, wer immer noch nicht begriffen hat, dass Freihandel auf der Basis des gegenseitigen Vorteils und der Souveränität aller Teilnehmenden auch allen Teilnehmenden gegenseitig Wohlstand bringt.

Das Lächerlichmachen der Autarkie dient also nur dem Zweck, jenes andere, neofeudale Rahmenkonzept, das man der Schweiz aufdrängen möchte, zu unterstützen, welches von Vermögensumverteilung lebt und deshalb «Freihandel» bzw. «Marktzugang » mit Souveränitätsverzicht verketten möchte. Ernährungssicherheit ist wie die Souveränität selbst nicht Gegenstand des Handels, sondern die Grundlage des souveränen Staates, nämlich Handel in Freiheit treiben zu können.

 

24. April 2021 Gastbeitrag