Der mächtige Zinseszins

Eidgenössische Politik Der mächtige Zinseszins - Onlinebote SVP des Kantons Zürich
EINE BVG REFORM IST NÖTIG (2. TEIL)
Eine weitere, sehr wichtige Variable bei der beruflichen Vorsorge ist die Einzahldauer. Persönlich fände ich einen Start ab 18 Jahren optimal. Denn der Zinseszins wird massiv unterschätzt.

Und dazu sollte sich der geneigte Leser die Tabelle zu Gemüte führen und am besten sofort seinen Kindern und Enkeln zeigen – und vielleicht auch seiner jungen Partnerin?

Sie zeigt die Kraft des Zinseszinses an einem Beispiel. Leider sind die Zinsannahmen nicht der heutigen Zeit angepasst, aber ewig können wir nicht die null-komma-nichts-Zinsen haben. So verwende ich zur Veranschaulichung 2%, 4% respektive 5%.

Mit 5 Jahren zusätzlicher Einzahldauer von 40 auf 45 Jahre werden bei 4% Zins 156 000 Franken mehr angespart, also über 27% mehr. Ein riesiger Unterschied. Deshalb könnte man schon bei Volljährigkeit mit 18 Jahren zu sparen beginnen – dann ’schenkt es’ am meisten ein. Oder anders betrachtet; beginnt jemand mit 25 Jahren einzuzahlen, arbeitet 45 Jahre, also bis 70 Jahre, zählen die ersten Jahre eben auch sehr stark. Wichtig ist vor allem, dass möglichst lange einbezahlt wird.

Dazu zeigt die Tabelle noch weitere Varianten der Arbeitsdauer und zwar von 35 bis 50 Jahre: Der angesparte Endbetrag ist mehr als doppelt so hoch. Leider leben wir heute in einem Tiefzins- Umfeld, welches u.a. durch die Nationalbank mitverantwortet wird und alle Sparer jedes Jahr Milliarden kostet. Spart jemand 45 Jahre und bekommt dabei 5% statt 2% Zins, hätte er Fr. 527 000 mehr.

Die tiefen Zinsen

Eine weitere Variable ist der Zins. Der massiv höhere angesparte Betrag mit nur einem Prozentpunkt Differenz zeigt, dass die Tiefzinspolitik nicht nur die Immobilienpreise in schwindelerregende Höhen treibt, sondern auch den zukünftigen und jetzigen Rentnern grosse Opfer abverlangt.

Es bleibt dem Leser nun selbst überlassen, weitere Rechenbeispiele anzustellen – oft erhält man sehr überraschende Resultate.

Aber eben, die Zinsen sind heute viel zu tief. Deshalb ist der aktuelle Umwandlungssatz deutlich zu hoch. Er garantiert den Rentnern einen lebenslänglichen Zins von 4,8%. Während Aktive einen Mindestzins von 1% erhalten. Die Lücke wird von den Einzahlenden durch eine systemwidrige Umverteilung zu den Rentnern finanziert. Die BVG-Kassen fordern deshalb eine Senkung des Umwandlungssatzes.

Die Reform-Modelle

Die berufliche Vorsorge (2. Säule) steht vor der doppelten Herausforderung der steigenden Lebenserwartung und ungenügender Anlagerenditen. Eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der obligatorischen beruflichen Vorsorge ist trotz der Ablehnung entsprechender Vorlagen in den Jahren 2010 und 2017 notwendig. Das bisherige BVG-Modell muss angepasst werden wegen der ungerechten Umverteilung. Das Modell des Bundesrates geht zu wenig weit, vor allem zementiert es die relativ kurze Einzahlungszeit. Zusätzlich wird die Umverteilung mit dem Bundesratsvorschlag massiv ausgebaut statt reduziert – damit ist das zentrale Motiv der Reform verfehlt.

Die Mehrkosten für die Umstellung mit dem Bundesratsmodell betragen 1300 Millionen.

Der Mittelweg verlängert die Einzahlungsdauer, was zu höheren Zinseszinsen führt und das Sparkapital positiv beeinflusst. Durch die Senkung des Koordinationsabzuges erhalten Tieflohnbezüger höhere Leistungen. Übergangsgenerationen sollen über 15 Jahre in fünf Jahresschritten zwischen 100 und 200 Franken entschädigt werden. Durch dieses Giesskannenprinzip wird leider nicht zielgerichtet gehandelt.

Zuguterletzt

Bleiben noch die von linker Seite immer wieder ins Feld geführten Rentenunterschiede (GPG Gender Pension Gap) der Männer und Frauen zu beleuchten. Das Bundesamt für Sozialversicherung hält in seinem Bericht dazu fest, dass Frauen im Mittel höhere Renten erzielen würden, wenn sie bei allen Merkmalen des Modells die gleiche Ausstattung hätten wie Männer, also die gleiche Ausbildung, die gleich hohe Erwerbsbeteiligung, die gleich seltenen Erwerbsunterbrüche usw.

Das Resultat hat bestätigt, dass der Gender Pension Gap hauptsächlich auf die unterschiedlichen Erwerbsbiografien und die Ausbildungsunterschiede von Männern und Frauen zurückzuführen ist.

2. September 2021 Therese Schläpfer