Der neuste Streich der Bildungsdirektion

Bildung Der neuste Streich der Bildungsdirektion - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Für eine Lehrerstelle dürfen sich nun alle interessierten Leute bewerben, auch wenn man über keine pädagogische Ausbildung verfügt. Es besteht nicht einmal eine minimale Anforderung. Bild Pixabay

VOLKSSCHULE
Wer sich noch an Herrn Lehrer Lämpel erinnert, weiss, dass ihm Max und Moritz in der Geschichte von Wilhelm Busch einen bösen Streich spielten. Über 100 Jahre später braucht es keinen Max und keinen Moritz mehr. Inzwischen hat nämlich die Bildungsdirektion selbst die viel absurderen Streiche auf Lager.

Lehrermangel ist im Kanton Zürich schon lange ein Thema. Aus diesem Grund setzte die Bildungsdirektion eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus dem Bildungsbereich ein, um dieses Problem zu lösen. Nur dass man natürlich nicht von einer Arbeitsgruppe sprach, sondern von einer Taskforce. Das war im Jahr 2008. Nein, Ihre Lesebrille ist nicht kaputt, es steht hier tatsächlich 2008 und nicht 2018. 14 Jahre und zahllose Sitzungsgelder später besteht das Problem des Lehrermangels weiterhin. Es hat sich – Zuwanderung sei Dank – sogar noch zusätzlich verschärft. In diesem Jahr werden im Kanton Zürich 2500 Schüler mehr erwartet als im letzten Jahr. Das sind 100 Schulklassen zusätzlich. Lehrerinnen und Lehrer hätte es eigentlich genug, doch leider arbeiten diese nur mit durchschnittlich 69 Stellenprozenten. Es würde genügen, wenn jeder nur 4 Prozent zusätzlich unterrichten würde, und das Problem des Lehrermangels gehörte der Vergangenheit an.

Lehrer ohne Ausbildung
Es ist allerdings nicht ganz einfach, die Berufsgruppe der Lehrkräfte davon zu überzeugen, ein paar Prozente mehr zu arbeiten, denn etwas vom Ersten, das die angehenden Lehrer heutzutage in der Pädagogischen Hochschule lernen, ist, dass die Work Life Balance an oberster Stelle stehe und dass die Burn-Out- Gefahr eine tägliche Begleiterin im Schulhaus sei.
Kein anderer Beruf stimmt seine angehenden Berufsleute bereits im ersten Semester der Ausbildung auf eine problematische Zukunft ein. Zudem raten die Dozenten an der Pädagogischen Hochschule davon ab, Vollzeit zu arbeiten. Und weil die Verantwortlichen in der Bildungspolitik diese negative Einstellung in die Öffentlichkeit tragen, ist es auch kein Wunder, dass der Ansturm auf diese Ausbildung ausbleibt. Darum wird die Bildungsdirektion ab diesem Sommer einen speziellen Versuch wagen: Für eine Lehrerstelle dürfen sich per sofort alle interessierten Leute bewerben, auch wenn man über keine pädagogische Ausbildung verfügt. Es besteht nicht einmal eine minimale Anforderung. Ginge es nach der Bildungsdirektion, dürfte jeder Velofahrer ein Passagierflugzeug fliegen.

Eine Rechnung mit sehr hohen Zahlen
Ob das gut kommt, eine Person ohne Ausbildung vor einer Klasse, die aus den verschiedensten Kindern mit unterschiedlichen Muttersprachen und familiären Hintergründen besteht? Wird es dann nicht noch mehr Unterstützung in Form von Klassenassistenzen und Therapeutinnen brauchen als jetzt schon? Die Rechnung wird vermutlich nicht aufgehen. Schlimmer ist nur noch die Rechnung, die durch die Forderung der Lehrerverbände gemacht werden muss. Diese fordern – wie immer – einfach mehr Lohn und behaupten, dadurch würde der Lehrermangel beseitigt. Das hat man im Kanton Zürich schon zahlreiche Male versucht, aber der Lehrermangel blieb trotzdem. Konkret wird gefordert, dass man für das gleiche Pensum und also für den gleichen Lohn weniger Lektionen als bis anhin unterrichten muss. Doch wieso soll deshalb jemand mehr arbeiten? Und jetzt zu der Rechnung: Würde die Forderung der Lehrerverbände erfüllt, entstünden für den Kanton Zürich zusätzliche Kosten von mehreren hundert Millionen Franken. Da ist es vielleicht besser, man streicht Mathematik aus dem Lehrplan, damit niemand merkt, wieviel Geld das ist. Und ohne Mathematik bräuchte es auch weniger Lehrer. Problem Lehrermangel gelöst.

Praxisnähe statt Akademisierung
Der Ursprung des Lehrermangels fällt in die Zeit, in der das bewährte Lehrerseminar abgeschafft und die Pädagogische Hochschule gegründet wurde und in der eine Reform die andere zu jagen begann. In der Folge wurde die Lehrerausbildung akademisiert, der Unterricht ideologisiert und der Beruf mit Formularen und Sitzungen bürokratisiert. Der Elfenbeinturm ersetzte den gesunden Menschenverstand und machte weder die Schüler klüger noch den Lehrerberuf attraktiver. Das ist keine Welt mehr für Menschen, die ihren Beruf mit Herz und Seele ausüben möchten. Doch genau diese Leute bräuchte es. Anstatt für den Lehrerberuf eine Matura zu verlangen, müsste es eine praxisnahe Ausbildung für Leute geben, die aus Berufung unterrichten möchten. Dafür ist keine akademische Ausbildung nötig.
Die politisch Verantwortlichen versuchen es stattdessen mit dem System der Laien-Lehrer. Und verursachen so eine weitere Baustelle. Und dies war dann der Bildungsdirektion neuster Streich, doch der nächste folgt sogleich.

25. Mai 2022 Tobias Infortuna