Dicht – dichter – Stadt Zürich

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Am Bahnhof Oerlikon ist schon jetzt eine hohe Verdichtung Tatsache. Das Gebäude im Bild soll nun einem noch wuchtigeren Komplex weichen.

VERDICHTUNG ALS WIDERSPRUCH
In den letzten Monaten wurde uns im Gemeinderat wieder einmal die Widersprüche der Art und Weise der Verdichtung vor Augen geführt. Zürich soll nach der linken Stadtregierung für 80 000–100 000 zusätzliche Bewohnende (20% der aktuellen Einwohnerzahl) in den nächsten 20 Jahren verdichten. Gleichzeitig werden ÖV und MIV von denselben Parteien gekappt und eingeschränkt. Die Banlieues von Zürich sind schon heute Realität.

Es vergeht keine Woche ohne neue Baueingaben in der Stadt Zürich, dies ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, denn die bestehenden Gebäude müssen unterhalten oder sogar erneuert werden. Aber in Zürich muss zusammengerückt werden, um Platz für zusätzlichen Gebäude zu erreichen, und dies ist nicht mehr gesund!

Die Wohnqualität für die Zürcher Bevölkerung nimmt ab, es verschwinden Erholungsflächen mit Grünflächen und Bäumen zulasten zusätzlicher Betonbauten. Die «Neue Dichte» in Zürich ist schon in einzelnen Aussenquartieren sichtbar und wird in den nächsten Jahren mit bis zu 30 % mehr Bewohnenden in den Aussenquartieren noch penetranter.

Mehr Menschen auf engem Raum führen zu Anspannungen und sozialen Unruhen. Paradebeispiel sind die abschreckenden Vororte von Paris aus den 60er- und 70er-Jahren. Ein halbes Jahrhundert später hat Zürich nichts daraus gelernt und versucht, unsere Stadtquartiere weiter zu verdichten.

145 Millionen für alte Industriehalle und Land für ca. 200 städtische Wohnungen

Anhand der Weisung 2020/569 «Änderung Sonderbauvorschriften für das Gebiet Neu-Oerlikon» können anschaulich die Widersprüche dargestellt werden. Im Jahr 1998 wurde für das ehemalige Industrieareal der BBC / ABB nördlich vom Bahnhof Oerlikon eine Sonderbauvorschrift erstellt und die letzten 20 Jahre wurde fleissig verdichtet und gebaut. Nun möchten die Stadt und die Grundeigentümer Teile davon um 48% weiter verdichten und die Ausnutzungsmöglichkeiten erhöhen von rund 126 000 m2 auf 186 500 m2 anrechenbare Geschossfläche. Dies in einem Lärm- Verkehrsdreieck zwischen Birch-, Binzmühlestrasse und acht Bahnlinien beim Bahnhof Oerlikon.

Da die Lärmschutzvorgaben für Wohnungen nicht überall eingehalten werden, wird weiterhin mit grossflächigen Ausnahmeregelungen gearbeitet, obschon dies das Bundesgericht vor Kurzem klar zurückwies. Die Leidtragenden sind die neuen Wohnungsnutzer, welche so weniger Wohnqualität haben. Um dies zu kompensieren, werden künstliche Miniparks, sogenannte Pocket-Parks, erstellt, aber die ursprüngliche Vergrösserung des MFO-Parks wird nicht umgesetzt.

Die Verdichtung von Büroflächen an guter verkehrsgünstiger Lage wird nur beschränkt mit Segen der Stadtverwaltung bewilligt, obschon die Lage mehr zulassen würde und so auch weniger Verkehr produzieren würde. Zu guter Letzt kauft die Stadt mittels städtebaulichen Vertrags von der ABB Land für 145 Mio. Franken. Dies für die Erstellung von ca. 200 Wohnungen zu Kostenmiete und eine ehemalige Industriehalle (Halle550), welche von der Migros bis im Jahr 2040 gratis genutzt werden kann. All dies erfolgt ohne Bewilligungspflicht von dem Gemeinderat oder der Bevölkerung. Das ganze Geschäft zeigt einmal mehr die Widersprüche auf: mehr verdichten, mehr Personen, mehr Lärm, mehr Hitze, weniger Grünflächen, weniger Wohnqualität und im Endeffekt sind unsere Stadtkassen um einen dreistelligen Millionenbetrag ärmer.

Zurück ins 19. Jahrhundert

Die Zukunft bringt ca. 25 % mehr Bewohnende und Arbeitende in die Stadt und diese müssen die Wege mit Verkehrsmitteln zurücklegen. Der Verkehr mit ÖV und motorisiertem Individualverkehr (MIV) wird dadurch automatisch zunehmen, auch wenn immer weniger ein eigenes Fahrzeug haben oder auf Elektrofahrzeuge umsteigen. Anstatt Infrastruktur für die wachsende Bevölkerung vorausschauend zu planen, was die Aufgabe der Verwaltung wäre, haben die linke Stadtregierung und eine Mehrheit der links-grünen Gemeinderatsparteien vor, wie mittels des Verkehrsrichtplans SLÖBA a, die bestehenden Strassenkapazitäten für den ÖV und MIV einzuschränken und voll auf das Velo als Verkehrsmittel zu setzten, wie vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, als es noch keine motorisierten Fahrzeuge gab. Somit heisst es aus deren Sicht: Verdichten ja – aber bitte ohne Verkehr oder nur mit dem Velo! Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer sieht anders aus.

Die Stadtbevölkerung hat es bei den Abstimmungen im November in der Hand, ob sie in die Zukunft sehen möchte oder in die Vergangenheit.

9. September 2021 Reto Brüesch