Die USA verlieren jeden Einfluss

Hintergrund Die USA verlieren jeden Einfluss - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Nicht zu übersehen: Mit den Hauptverkehrsachsen der neuen Seidenstrasse rückt Zentralasien in unmittelbare Zentrumsnähe zu China. Europa ist Peripherie – und die USA sind aussen vor. Bild Wikipedia

FOLGENREICHE KRÄFTEVERSCHIEBUNG IN ZENTRALASIEN
Die zentralasiatischen Länder – Usbekistan, Tadschikistan, Kasachstan, Kirgistan – erleben seit einigen Jahren, der Wirtschaftsader Seidenstrasse angeschlossen, markanten Aufschwung.

Sollten Europäer diese Länder – «irgendwo hinter dem Ural gelegen» – noch immer als vor sich hin dümpelnde Gebiete am Rand der Zivilisation einschätzen, müssten sie ihre Ansicht schleunigst und gründlich revidieren. Zentralasien ist ein aufstrebender, teilweise ausgeprägt rohstoffreicher neuer Wirtschaftsraum, dem die leistungsfähige, für Sechzigtönner ausgebaute Seidenstrasse von China her beeindruckendes Wachstum vermittelt: So präsentiert sich Zentralasien heute. Amerikanische Firmen werden in diesen Staaten kaum sichtbar. In geopolitischer Hinsicht um so wichtiger war den USA deshalb ihre starke Stellung in Afghanistan.

Leichtfertig verspielt

Diese wichtige Position hat Washington jetzt leichtfertig und unbeschreiblich dilettantisch verspielt. Aber nicht allein der Verlust ihrer Präsenz in Afghanistan schwächt die USA – vor allem gegenüber China. Das Wie der Preisgabe Afghanistans – weltweit als feiges Abhauen vor den Taliban interpretiert – raubt sowohl den Streitkräften als auch der politischen Führung der «Weltmacht USA» nahezu allen Respekt in Zentralasien. Ein Desaster, das der Rivale der USA auf der Weltbühne – China – noch während Jahren genüsslich ausschlachten wird. China wird alles unternehmen, dass der von US-Präsident Biden zu verantwortende Totalschaden der US-Position in Zentralasien auf Jahrzehnte hinaus ein Totalschaden bleibt.

Nackte Gewalt schlägt Hightech

Heute weiss man zwar noch, dass die Nato mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan bereits vor mehreren Wochen begonnen hat, dass die Taliban also lediglich die von den USA vermeintlich solid ausgebildete «offizielle » Armee Afghanistans innert weniger Tage buchstäblich zum Verschwinden gebracht haben. China und die muslimische Welt – und mit ihnen die jahrelang anhaltende weltweite Medien-Berichterstattung – werden den Zusammenbruch der US-Position in Afghanistan freilich anders darstellen: Einfachst bewaffnete, todesmutig und rücksichtslos gewaltbereite Taliban hätten die Hightech- Armee der USA, die teuerste und modernst ausgerüstete Armee der Welt innert weniger Tage radikal aus dem Feld geschlagen. Diese Niederlage wird an der Nato und an den USA noch jahrelang haften bleiben – China wird sie genüsslich pflegen.

Bürgerkrieg

 Nach dem Abzug der Nato werden Krieg und Gewalt Afghanistan weiterhin beherrschen: Ableger der IS-Terroristen versuchen, die Alleinherrschaft der Taliban mit aller Gewalt zu verhindern – Tod und Zerstörung hinterlassend. Bürgerkrieg droht. Angesichts der gebirgigen, Terror begünstigenden Topografie des Landes dürfte er von langer Dauer sein. Aufgrund der internationalen Vernetzung der IS-Terroristen droht auch Europa ernste Gefahr. Die gezeigte Schwäche der USA deuten die Islamisten so, dass mit brutaler Gewalt alles zu erreichen sei. Was sich in politischer Auseinandersetzung oder in wirtschaftlichem Wettbewerb nicht durchsetzen lässt, kann unter skrupelloser Gewaltanwendung den Gegnern aufgezwungen werden. Wer Schwäche zeigt, zieht Gewalttaten auf sich.

Schwäche zieht Gewalt an

Jene Staaten, die ganze Vorstädte islamistischen Zellen opfern, die dort – muslimischen Clans ausgeliefert – die Scharia durchsetzen, straflos Frauen unterdrücken, Gewalt gegen Juden und Christen üben, werden besonders ins Visier gewaltberauschter Islamisten geraten. Natürlich sind nicht alle Muslime Gewalttäter. Wo man aber ganze Vorstädte extremistischen, gewaltbereiten Zellen der Islamisten überlässt, dort werden auch selbst nicht zum harten Kern gehörende Muslime zwangsläufig zu Mitläufern der gewaltausübenden, oft mit Terror operierenden Kräfte – nur um nicht selbst Zielscheibe zu werden. Regierungen, die angesichts solcher Aussichten noch von Integrationsbereitschaft schwadronieren oder gar mittels überstürzter Einbürgerung den Islamisten und ihren Sympathisanten zu dauernder Bleibe verhelfen, dürften dem christlich-abendländischen Europa kaum mehr korrigierbaren, ja tödlichen Schaden bereiten.

24. September 2021 Ulrich Schlüer