Droht der Welt wieder eine Tortilla-Krise?

Landwirtschaft Droht der Welt wieder eine Tortilla-Krise? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die Preise für global gehandelte Grundnahrungsmittel sind auf dem Weltmarkt massiv angestiegen, wovon die Schweiz bei einer Annahme der beiden Agrarinitiativen ebenfalls stark betroffen wäre. Bild zVg

WELTWEIT EXPLODIERENDE PREISE VON AGRARROHSTOFFEN
Weltweit explodieren die Preise für die landwirtschaftlichen Grundnahrungsmittel. Dies verschärft die Situation für die Versorgungssicherheit nicht nur in den armen Ländern. Gerade für Länder mit einer grossen Abhängigkeit bei den Nahrungsmitteln vom Ausland kann dies verheerende Folgen haben. Erste Anzeichen von sozialen Unruhen zeichnen sich bereits ab.

RoMü. Eine möglichst hohe Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln und Saatgut sorgt für stabile Preise bei der Nahrungsmittelproduktion. In den letzten Monaten verzeichnet man aber extreme Turbulenzen auf den internationalen Märkten und Börsen für Nahrungsmittel. Die massive Nachfrage von China sowie auch geringer ausfallende Ernten lassen eine gewisse Panik an den globalen Märkten aufkommen und treiben die Preise für global gehandelte Nahrungsmittelrohstoffe in die Höhe. An der Getreidebörse in Chicago stieg der Weizenpreis von Anfang 2020 bis Anfang Mai von 473 auf 761 Dollar. Im gleichen Zeitraum stieg der Preis für Soja von 833 auf 1620 Dollar. Der Präsident des Zürcher Bauernverbandes und Nationalrat Martin Haab spricht von einer ernstzunehmenden Diskussion. «Ausserhalb der Landwirtschaft wird kaum wahrgenommen, dass in diesen Tagen und Wochen die Preise auf dem Weltmarkt für Getreide, Mais und Ölfrüchte geradezu explodieren», so Haab. Darin sieht er auch ein explosives Gemisch für arme Entwicklungs- und Schwellenländer, weil steigende Grundnahrungsmittelpreise einen steigenden sozialer Sprengstoff darstellen. Dabei verweist er auf Mexiko, wo massiv gestiegene Preise für Mais vor 14 Jahren zu einer Tortilla-Krise führte. Mit seiner Meinung ist er nicht allein. Auch der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser sieht in dieser Marktlage hier viel sozial explosiven Stoff. «Das Problem: Die Preise gehen derzeit durch die Decke. Der Preis für Mais hat sich innert Jahresfrist verdoppelt, für Sojabohnen muss 80 Prozent mehr bezahlt werden. Beim Weizen macht der Preisanstieg 30 Prozent aus. Und ein Ende ist nicht in Sicht.» Zugleich doppelt er mit der Warnung nach: «Die Agrarpolitik in der Schweiz hat noch nicht zur Kenntnis genommen, dass wir von einer Zeit des weltweiten Kalorien-Überschusses in eine Zeit mit einer Kalorienunterdeckung wechseln.»

Deutlich mehr Exporte nötig

Mit der aktuellen Diskussion rund um die beiden Agrarinitiativen bezüglich des Pestizideinsatzes wird nur am Rand darüber diskutiert, dass der Anbau von anspruchsvollen Kulturen für die wichtige Grundnahrungsmittelversorgung mit Raps, Zuckerrüben, Verarbeitungsgemüse wie Spinat, Erbsen und Bohnen oder auch Kartoffeln abgesehen von einer sehr mit Risiko behaftenden Produktion bei einer Annahme praktisch verunmöglicht wird. Damit verschwindet auch die anschliessende Verarbeitungskette, weil der Rohstoff für Frites, Chips oder auch Rapsöl fehlen wird. Dies wissen auch die Bioproduzenten, welche insbesondere für den Detailhandel und die verarbeitende Lebensmittelindustrie professionell produzieren. Gerade zwei grosse Bio-Player im Kanton Zürich mit den Gemüseproduzenten Rathgeb in Unterstammheim und Höneisen in Andelfingen sind sich dieser Risiken bewusst und lehnen deshalb auch ein Pestizidverbot ab, weil sie selber gerade im Anbau von anspruchsvollen, aber sehr wichtigen Kulturen auf Wirkstoffe angewiesen sind, welche ebenfalls unter ein Verbot fallen werden. Somit würde bei einem Verzicht auf solche Kulturen die Schweiz von zusätzlichen Importen noch viel stärker als heute vom Ausland und der globalen Verfügbarkeit abhängig. Haab spricht dabei generell die Sozialverträglichkeit von Nahrungsmittelimporten an. Er zeigt sich überzeugt, dass sich die Schweiz dank ihrer finanziellen Stärke wohl noch lang auf den internationalen Agrarmärkten mit Nahrungsmitteln eindecken kann. «Und was geschieht dabei in der Zweiten und Dritten Welt aus ökologischer, aber auch aus sozialer Sicht?», so Haabs Befürchtung.

Es ist auch fraglich, ob sich die Konsumenten bewusst sind, was die konkreten Folgen einer Annahme der beiden Initiativen für sie bedeuten. Entweder üben sie den Verzicht in der grossen Auswahl für die tägliche Ernährung oder sie weichen einfach aus, indem man alles, was auf dem Speisezettel fehlt oder massiv teurerer wird, einfach im Ausland einkauft.

Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung wohnt in weniger als einer Autostunde von der Grenze entfernt, sodass ein Einkauf ennet der Grenze durchaus noch attraktiver wird. Begünstigt vom Umstand, dass dabei aufgrund des Schengen-Abkommen systematische Grenzkontrollen verboten sind, würde mit dem Öffnen aller Türen und Tore der Einkaufstourismus weiter angeheizt.

29. Mai 2021 SVP Kanton Zürich