Ein ausgegrenztes Schulhaus

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Das Quartier Grünau am westlichen Rand der Stadt Zürich ist eine Insel zwischen der Europabrücke, einer Autobahn, Zürichs Kläranlage und der Limmat. Auf Grund des hohen Anteils an städtischen Wohnungen und Bewohnern mit tiefem Sozialindex wurde die Gegend auch schon als «Ghetto» bezeichnet, doch in den letzten Jahren haben gezielte Massnahmen der Verwaltung zu einer Aufwertung geführt. In der Mitte des Quartiers befindet sich eine grosse Wiese, die von den Bewohnern als Treffpunkt, Spielplatz und Erholungsort rege genutzt wird. Zum Missbehagen des Quartiervereins plante das Schulamt auf diesem grünen Fleck den Bau eines der grössten Sekundarschulhäuser der Stadt (für 24 Klassen). Der Protest aus dem Quartier gegen das Vorhaben war derart heftig, dass sich der Stadtrat, wohl nicht zuletzt im Hinblick auf die bevorstehenden Stadt- und Gemeinderatswahlen kurzerhand entschied, von seinem ursprünglichen Bauprojekt abzukommen. Der Quartierverein Grünau wies aber auch den zweiten geplanten Standort neben der besagten Wiese, wo ein älteres Schulhaus durch den neuen Megabau ersetzt worden wäre, zurück. Ein 24-Klassen-Sekundarschulhaus sei «für das Zusammenleben im Quartier eine zu grosse Belastung» meinten die besorgten Quartiervertreter. Der dritte Standortvorschlag kam dann vom Quartierverein selbst: ein Landstück am äussersten Rande des Quartiers, eingeklemmt zwischen der sechsspurigen Autobahn, der Europabrücke und der Brückenauffahrt. Es wundert einem zunächst, dass die Grünauer Bevölkerung keine Einwände gegen ein Schulhaus auf diesem trostlosen Platz hatte. Doch die grosse Mehrheit der Schüler, die in diesem neuen Schulhaus unterrichtet werden, soll aus dem benachbarten Altstetten kommen, wo schlicht keine Flächen mehr für Schulbauten zur Verfügung stehen. Etwas erstaunlicher ist, dass sowohl der Stadtrat als auch die Mehrheit des Gemeinderats diesen Vorschlag sang- und klanglos akzeptierten. Der neue Standort ist nämlich nicht nur trist, sondern auch der mit Abstand teuerste. Es muss mit rund 40 Millionen Mehrkosten gerechnet werden. Ebenso überraschend ist die positive Haltung der Grünen. Vor kurzem noch wetterten sie nämlich gegen die Pläne von Schulräumen im Hochhaus beim geplanten Fussballstadion, das sich an einer zweispurigen Strasse mit Tempo 30 befinden wird: «Lernen im Lärm? Nein danke!» hiess es damals im Rat, «genügend Aussenräume und eine ruhige Umgebung » hätten für sie bei Schulen höchste Priorität. Trotz der beträchtlichen Lärmemissionen der sechsspurigen Autobahn und der Europabrücke stimmten die Grünen in diesem Fall zu. Die höchste Priorität gewährt man so kurz vor den Wahlen eben doch lieber den potenziellen Wählerstimmen aus dem Quartier. Als einzige Fraktion lehnte die SVP die Vorlage ab.

18. Juni 2021 Stefan Urech