Ein klares NEIN zum umfassenden Tier- und Menschenversuchsverbot

Abstimmungsvorlage Ein klares NEIN zum umfassenden Tier- und Menschenversuchsverbot - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die Initiative gefährdet die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten. Bild Pixabay

ABSTIMMUNGSVORLAGE 13. FEBRUAR
Die Volksinitiative «JA zum Tier- und Menschenversuchsverbot – JA zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» fordert ein vollumfängliches Verbot von Tierversuchen und von Forschung am Menschen. Ausserdem verboten werden sollen Einfuhr und Handel sämtlicher Produkte, die unter Anwendung von Tier- oder Menschenversuchen entwickelt wurden.

Bei einer Annahme ist mit weitreichenden negativen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Schweiz, ihre forschende Industrie und ihre Hochschulen zu rechnen. Die Initiative setzt die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung in verantwortungsloser Weise aufs Spiel.

Sie gefährdet die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten und schliesst Patientinnen und Patienten von den neusten medizinischen Fortschritten aus. Es würde eine Zweiklassenmedizin drohen. Wer es sich leisten kann, bezieht die Medikamente im nahen Ausland oder lässt sich dort behandeln. Wem dies nicht möglich ist, der müsste auf die moderne Medizin verzichten. Die Initiative wäre zudem mit verschiedenen internationalen Verpflichtungen nicht kompatibel und hätte zur Folge, dass ein rigoroser Kontrollapparat aufgezogen werden müsste.

Striktestes Tierschutzgesetz der Welt

In den letzten 40 Jahren wurde die Anzahl Tierversuche um 70% gesenkt. Schon heute ist die Forschung und Wissenschaft verpflichtet, wann immer möglich auf den Tierversuch (in vivo) zu verzichten. Dabei wird auf Alternativen mittels Zellkulturen (in vitro) oder sogar auf simulationsbasierte Untersuchungen (in silico) ausgewichen. Im Zentrum stehen hierbei die 3R-Prinzipien zur kontinuierlichen Minimierung der Tierversuche am lebenden Tier: Refine, Reduce, Replace (verbessern, vermindern, vermeiden).

Im vergangenen Jahr hat der Bundesrat dazu das mit 20 Millionen Franken dotierte Forschungsprogramm NFP 79 «Advancing 3R – Tiere, Forschung und Gesellschaft» lanciert. Tierversuche werden in Schweregraden (SG 0–3) kategorisiert, nur gerade 3% aller Versuche sind mit schweren Belastungen für das Tier verbunden und somit im SG 3 klassiert. 80% aller Versuchstiere sind Mäuse und Ratten und nur ganz vereinzelt werden heute noch Versuche an grösseren Säugetieren wie zum Beispiel Primaten oder Hunden gemacht.

Die Schweiz verfügt über das strikteste Tierschutzgesetz der Welt, welches auch bei der Haltung von Versuchstieren seine Gültigkeit hat. Dazu müssen Tierversuche von einer Tierversuchskommission bewilligt werden. In dieser kantonal organisierten Struktur sind auch Vertreter der Tierschutzorganisationen paritätisch vertreten. Beantragte Versuche am Tier werden nur bewilligt, wenn keine Alternativmethode existiert und der Nutzen für die Gesellschaft nachgewiesen ist. Man bedenke: alleinschon gewisse Ausbildungsschritte in der Tierhaltung von Lernenden in der Landwirtschaft, der Veterinärmedizin oder in Tierpflegeberufen (Klauenpflege, Geburtshilfe, Exterieur-Beurteilung etc.) werden als Tierversuche gewertet. Ein Verbot würde in der Landwirtschaftlichen Tierhaltung nicht nur die Ausbildung und das Veterinärwesen betreffen, sondern auch Fütterungsversuche an Nutztieren sowie die Testung und Zertifizierung von neuen Stalleinrichtungen.

Was genau unter Menschenversuchen zu verstehen ist, bleibt unklar. Je nach Auslegung des nicht definierten Begriffs «Menschenversuche» kann dieser als Synonym von «Forschung am Menschen» verstanden werden. Damit wäre jegliche Forschung am Menschen verboten – dies nicht nur in der Medizin und Biologie, sondern beispielsweise auch in der Psychologie, Soziologie und Sportwissenschaft. Es wäre nicht länger zulässig, ein Forschungsvorhaben mit erwachsenen, urteilsfähigen Personen durchzuführen, die sich aus wissenschaftlichem Interesse oder aus solidarischen Überlegungen daran beteiligen möchten.

Der Bundesrat, das gesamte Parlament sowie die SVP empfehlen ein wuchtiges NEIN. Dies nicht nur aus Sicht von Forschung, Wirtschaft und Ernährung, sondern vor allem aus der Gesamtsicht unserer Volksgesundheit.

13. Januar 2022 Martin Haab