Ein Korrespondent im Abseits

Kolumne Ein Korrespondent im Abseits - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

FAZ-Korrespondent Johannes Ritter hat einen ganz speziellen Blick auf die Schweiz.

Zu den borniertesten Journalisten, die fürs Ausland über die Schweiz berichten, gehört Johannes Ritter. Der Deutsche wohnt in Zürich und berichtet von hier aus regelmässig als Korrespondent für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ). Und zwar genauso, wie sich der bundesrepublikanische Bildungsbürger unser Land vorstellen soll. Am Freitag betitelte Ritter für sein deutsches Publikum einen grossen Artikel so: «Die Schweiz im Abseits ».

 Fürchterlich seien die «ernsten wirtschaftlichen Folgen» und der «hohe Preis», den die Schweiz wegen des Abbruchs der Verhandlungen mit der EU bezahle. So Johannes Ritter ohne Furcht, aber mit viel Tadel: Die «nationalkonservative » SVP sei sowieso gegen jegliche Annäherung, die «protektionistische» SP wehre die ausländische Konkurrenz ab, die FDP und die Mitte/CVP reagierten «hasenfüssig aus Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen an die SVP». Korrespondent Johannes Ritter kann von Tod und Teufel nicht genug bekommen: Er spricht vom «Horrorszenario» eines Schweizer Strommangels ohne EU-Anbindungsvertrag. Wie wenn dieser Strommangel in seinem deutschen EU-Vaterland nicht längst Realität wäre, muss es doch zehn Prozent seines Strombedarfs importieren. Ritter droht mit «Engpässen in der Gesundheitsversorgung ».

 Während Tag für Tag deutsches Gesundheitspersonal Richtung Schweiz wegzieht. Die Zahl der Deutschen in der Schweiz hat sich seit 1995 fast vervierfacht – und alle brauchen Strom. Dabei befindet sich unser Land gemäss Johannes Ritter von der aufgeblasenen Gestalt seit 1992 «im Abseits», nämlich ohne EU-Ankettung. Seltsam, dass dennoch so viele seiner Landsleute dieses  «Abseits» gefunden und sich im «Abseits» ganz gut eingelebt haben. Künftig könnten wegen mangelnder EU-Unterwerfung «erstklassige Wissenschaftler» abwandern, droht Ritter. Doch noch hat kein einziger der vielen deutschen Professoren deswegen die Koffer gepackt. Auch nicht der lärmende «FAZ»-Korrespondent. Für Johannes Ritter gilt das Dichterwort: «Was rühmst Du Deinen schnellen Ritt. / Dein Pferd ging durch und nahm Dich mit.»

8. November 2021 Christoph Mörgeli