«Es geht um die Gleichstellung unserer Zürcher Tourismusgebiete»

Wirtschaft «Es geht um Gleichstellung unserer Zürcher Tourismusgebiete» - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Im Niederdorf oder am Limmatquai besteht ein anderes Einkaufsambiente als z. B. im unterirdischen Shopville. Bild Pixabay

INTERVIEW MIT MARCEL SUTER: PARLAMENTARISCHE INITIATIVE FÜR FLEXIBLERE LADENÖFFNUNGSZEITEN
Mehr offene Läden an Sonntagen entsprechen vor allem in Stadtzentren einem Konsumentenbedürfnis. Dazu soll eine Parlamentarische Initiative den Weg ebnen, welche Kantonsrat Marcel Suter mitunterzeichnet hat. Im Gespräch legt er dar, warum es gleichzeitig viele Leute gibt, die gerne in jenen Zeitfenstern arbeiten würden, die mit einer Flexibilisierung entstehen.

Warum sind Sie ein klarer Befürworter von flexibleren Ladenöffnungszeiten?

Grundsätzlich haben wir auch in der SVP-Fraktion, wie in der Bevölkerung, zu diesem Thema verschiedene Ansichten und der Kanton Zürich hat insgesamt schon ein durchaus liberales Ladenöffnungsgesetz. Aber ganz wichtig ist: Es geht hier nicht um eine allgemeine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten im ganzen Kanton Zürich, sondern um eine klare Begrenzung auf «Tourismusgebiete» und die Gleichstellung von solchen speziellen Gebieten im Kanton Zürich mit anderen Tourismusregionen in der Schweiz. Dies wäre für die Tourismusregion Zürich wichtig – was die Rückmeldungen auf unseren Vorstoss klar zeigen.

Wenn man die Vorstösse von Zürich Tourismus für liberalere Ladenöffnungszeiten in der Innenstadt betrachtet, könnte man auch fragen: Weshalb kommt die Parlamentarische Initiative erst jetzt?

Bei mir persönlich war das Thema betreffend Möglichkeit flexiblerer Öffnungszeiten in bzw. «nur» für Touristengebiete zunächst nicht auf dem Radar. Was jetzt hinzukommt: Dass der Tourismus, insbesondere im Kanton und der Stadt Zürich, extrem, ja sogar fast auf null, zurückging wegen der Pandemie, war sicher ein Grund, dass das Thema ganz nach oben auf der Agenda rückte. Die Dimensionen sind eindrücklich. Wir reden hier von einer Wertschöpfung von über 2,6 Mrd. Franken (natürlich vor Corona …) und die Region Zürich ist mit 6,5 Mio. Logiernächten die grösste Tourismusregion der Schweiz! Hier geht es nicht um eine Nische, sondern der Tourismus ist sehr wichtig für den Wirtschaftskanton Zürich. Wir wollen die Rahmenbedingungen für den Tourismus nochmals verbessern.

Der Initiativtext sieht vor, dass die Tourismusgebiete räumlich zu begrenzen sind und ganze Ortschaften oder Teile davon umfassen können. Was heisst das konkret für die Grossstädte Zürich und Winterthur und namentlich auch für deren boomende Subzentren (z. B. Zürich West oder Zürich Oerlikon)?

Ganz zuvorderst steht sicher die Innenstadt der Stadt Zürich, wie die Bahnhofstrasse, das Niederdorf usw. Dort, wo sich am meisten Touristen bewegen, übernachten und eben: einkaufen und Geld ausgeben wollen und gerne sollen. Natürlich gehört Zürich West, die Altstadt in Winterthur u.a. unterdessen allenfalls auch dazu. Aber nochmals: Ich bin klar dafür, dass dies aktuell nur für einige wenige Gebiete im Kanton eingeführt würde.

Gegner liberalerer Ladenöffnungszeiten monieren, dass man gerade in und um die Limmatstadt bereits ein umfassendes Shopping-Angebot an Sonn- und Feiertagen hat: 365 Tage im Shopville sowie am Flughafen Zürich. Was entgegnen Sie ihnen?

Diese Angebote nutzen Konsumenten rege und sie sind ein Beweis dafür, dass ein Bedarf besteht. Aber der Flughafen oder das unterirdische Shopville ist nicht eins zu eins vergleichbar mit offenen Verkaufsläden in bspw. der Innenstadt in Zürich. Davon würden neben den Verkaufsgeschäften auch die Restaurants und die Hotels etc. profitieren.

Ebenso erheben Gewerkschaften aus arbeitsrechtlicher Sicht und mit Blick auf «work life balance» den Mahnfinger. Warum sind diese Vorbehalte nicht mehr zeitgemäss?

Diese unternehmenskritischen Argumente kommen bei allen Liberalisierungen der Öffnungszeiten und werden über die Jahre aber nicht besser: Wer nicht an einem Sonntag arbeiten will, muss dies in der Regel nicht. Wieso sollte ein Verkaufsladen ein Interesse haben, unzufriedene Mitarbeiter zum Arbeiten zu «zwingen»? Viele Verkaufsläden sind kleinere Familienbetriebe. Sie machen dann auf, wenn Umsätze zu erwarten sind und sonst sicher nicht. Es gibt genügend Personen, die in solchen Zeitfenstern arbeiten wollen oder dies sogar explizit suchen. Man denke zum Beispiel an Studenten, die gern an Sonntagen jobben, um Geld zu verdienen. In den offenen Hotels und Restaurants arbeiten übrigens auch Leute ausserhalb der Öffnungszeiten der Verkaufsläden. Es handelt sich bei der PI um eine sehr kleine Anzahl Regionen. Niemand muss, sondern darf öffnen. So würden indessen weitere Arbeitsplätze entstehen und dies wäre ja sicher nicht negativ, sondern sehr positiv für die Wirtschaft und den Wohlstand im Kanton Zürich

Bis zum Ziel – einem Sieg der Initiative – ist es ein weiter Weg. Welches sind die nächsten Schritte?

Als Nächstes wird der Vorstoss im Kantonsrat behandelt werden. SVP, FDP und GLP sind dafür, also wird es voraussichtlich bzw. hoffentlich für eine Mehrheit reichen im Kantonsrat für eine Unterstützung der Parlamentarischen Initiative.

14. Oktober 2021 SVP Kanton Zürich