Fernwärme als Allerheilmittel?

Abstimmungsvorlage Fernwärme als Allerheilmittel? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Das Stadtzürcher Fernwärmenetz hat aktuell eine Gesamtlänge von über 150 km und versorgt mit etwa 2000 Anschlüssen rund 6400 Liegenschaften. Pikant dabei: Zugefeuert wird regelmässig mit Öl.

HINTERFRAGEN LOHNT SICH
Es ist November, die Tage werden kälter und wir heizen. Woher kommt die Wärme, die wir nun gerade wieder benötigen, bzw. die dafür aufgewendete Energie? In der Stadt Zürich gibt es einen deutlichen Trend für die Fernwärme. Man möchte diese auf Gedeih und Verderb und um jeden Preis ausbauen. Hierfür kommt nun extra am 28. November 2021 eine Vorlage vors Stimmvolk.

Zugegeben, es klingt verlockend, mit Abwärme, oder mit der für die Kehrichtverbrennung bereits aufgewendeten Hitzeenergie, Wasser aufzuwärmen, um es dann heiss in die verschiedenen Haushalte zu pumpen, damit diese wiederum mit diesem Wasser ihr Zimmer heizen können.

Auch im Kontext der 2000-Watt-Gesellschaft* klingt es schön und gut, wenn man sich hier auch Einsparungen im CO2-Ausstoss verspricht, wenn man anstatt einer Öl- oder Gas-Heizung auf Fernwärme umsteigen würde. Aber ist diese Technik auch wirklich effizient und rentabel?

Fernwärme in der Stadt Zürich

Im Jahr 1927 wurde die erste Fernwärmeleitung «Züri-West» gebaut und kurz darauf die ETH damit erschlossen. Es folgten weitere Verbindungen zunächst vorwiegend zu Hochschulen oder Spitälern bis etwa zum Jahr 1972. Ab dann wurde die Fernwärme nämlich mehr und mehr ausgebaut. Bis anhin hat die Stadt Zürich rund 6 Millionen Franken in den Ausbau des Fernwärmenetztes investiert. Heute hat jenes Netz eine Gesamtlänge von über 150 km und versorgt mit etwa 2000 Anschlüssen rund 6400 Liegenschaften. Bis zum Jahr 1999 ist die Fernwärme eher defizitär gewesen. Das Konzept der Fernwärme sieht in der Stadt Zürich folgende Wärmequellen vor:
– Abwärme aus dem Kehrichtwerk Hagenholz
– Wärme aus dem Holzheizkraftwerk Aubrugg
– Verwendung von fossilen Energieträgern für die Deckung der Spitzenlast

Gemäss dem Konzept soll der grösste Teil der Wärme allein durch das Kehrichtkraftwerk Hagenholz abgedeckt werden. Zurzeit gibt es neben dem Hagenholz und dem Holzheizkraftwerk «Aubrugg», welches für die Deckung der Spitzenlast vorgesehen ist, noch ein weiteres Kraftwerk, nämlich das Hilfsheiz- oder Hilfskehrichtwerk an der Josefstrasse in Zürich. Jenes wird aber dieses Jahr noch ausser Betrieb genommen. Daher und weil man davon ausgeht, dass bis ins Jahr 2035 der Anteil des Abfalls von 240 000 t auf 360 000 t steigen solle, möchte man im Kehrichtkraftwerk Hagenholz eine dritte Verbrennungsanlage beschaffen und sie dann auch für die Fernwärme nutzbar machen. Zur Deckung der Spitzenlast vor allem in den kälteren Monaten wird weiterhin auf fossile Energieträger wie Öl und Gas gesetzt, um die benötigte Wär- me beizubehalten und sicherzustellen.

Abstimmungsvorlage

Mit der aktuellen Vorlage möchte man das Fernwärmenetz stufenweise ausbauen, indem einerseits ein Kredit von 330 Mio. Franken und eine schnelle Vorschussfinanzierung von 40 Mio. Franken gewährt werden soll. Man erhofft sich so jährlich 300 000 t CO2 einzusparen.

In den Quartieren Unterstrass, Aussersihl sowie den Gebieten Guggach und Zürich-West/Sihlquai soll das Fernwärmenetz in vier Etappen bis zum Jahr 2040 ausgebaut werden. Der Kredit soll gemäss Aussage des Stadtrates binnen weniger Jahre zurückgezahlt werden können, da man sich Mehreinnahmen aus den zusätzlichen neuen Anschlüssen verspricht.

Die SVP lehnt diese Vorlage klar ab, denn mittlerweile ist die Fernwärme für uns als eine sehr kostenintensive und oftmals als nicht rentable Investition anzusehen. Mit dieser Vorlage wird das Fernwärmenetz massiv ausgebaut.

Bei der Fernwärme gilt jedoch der Grundsatz, je weiter das Wasser gepumpt werden muss, desto ineffizienter ist die gesamte Leitung. Hier würde fast sämtliches Wasser im Kehrichtwerk Hagenholz erwärmt – und von dort aus weitergepumpt werden, anstelle dass man hier auf mehrere, lokale Kraftwerke setzen würde. Auch ist die Redundanz nicht sichergestellt. Was passiert, wenn das Kehrichtwerk Hagezolz ausfällt? Gleichzeitig ist nicht klar, ob in allen drei Verbrennungsstrassen, sofern die Dritte noch gebaut wird, genug Abfall vorhanden ist und somit genug Hitze erzeugt werden kann, um dieses neue sehr grosse Fernwärmenetz mit heissem Wasser zu versorgen. Heute schon werden vor allem in den kälteren Monaten Lastwagenladungen von fossilen Energieträgern angeliefert und verbrannt, um die Spitzenlast zu decken. Auch erreichen uns Berichte über den Einsatz von recyceltem Karton, welcher auch schon im Hagenholz dafür verwendet wird, um die benötigte Hitze zu erzeugen.

Deswegen empfehlen wir Ihnen, sich uns anzuschliessen und diese Vorlage abzulehnen.

Vielen Dank dafür!

* 2000-Watt-Gesellschaft: Im Jahr 2008 hat die Zürcher Stimmbevölkerung der 2000-Watt-Gesellschaft zugestimmt, welche den Gesamtstromverbrauch auf 2000 Watt und den CO2- Ausstoss um eine Tonne pro Person pro Jahr reduzieren möchte.

4. November 2021 Attila Kipfer