Fragwürdige Fundamente der Meinungs- und Mehrheitsbildung

Hintergrund Fragwürdige Fundamente der Meinungs- und Mehrheitsbildung - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Der legendäre Dodo verlernte das Fliegen. Das wurde ihm zum Verhängnis. Geht es uns in Bezug auf die freie Meinungsbildung im rotgrünen Obrigkeitsstaat genauso? Bild Wikipedia

SELBSTSTÄNDIGES DENKEN STATT LUFTSCHLÖSSER
Ob Covid, Klimaveränderung oder Beziehungen zur EU – die Sachverhalte sind vielschichtig und lassen sich nur bedingt vereinfachen. Es ist jedoch brandgefährlich, linken Schalmaienklängen zu erliegen. Sie gaukeln uns unter dem Etikett des starken Staates ein scheinbar behütetes Dasein vor, jedoch auf Kosten individueller Freiheit. Selbstständiges Denken ist eine anstrengende Bürgerplicht. Man muss es nicht nur erlernen, sondern auch permanent und bisweilen gegen den Strom anwenden.

Vinzenz Muraro, SVP Winterthur

Fliegen ist sehr anstrengend. Vögel verlernen es über einen langen Zeitraum, wenn ihr Lebensraum diese Eigenschaft nicht mehr erfordert. Wenn disruptive Ereignisse diesen Rahmen allerdings sehr plötzlich verändern, steht es schlecht um den Vogel. So erging es auch dem Dodo, einem etwa einen Meter grossen Vogel, welcher ausschliesslich auf Mauritius vorkam und Ende des 17. Jahrhunderts zügig ausstarb. Er hatte ursprünglich keine Feinde und verfügte deshalb über keinerlei Flucht- oder Verteidigungsverhalten – und er war flugunfähig, was ihn zur leichten Beute machte, als Menschen und ihre Haustiere in seinen Lebensraum eindrangen.

Komplexe Themen erfordern selbstständiges Denken

Aber nicht nur Fliegen ist anstrengend. Selbstständig denken und Argumentieren sind es auch. Geht es diesbezüglich unserer modernen Gesellschaft ähnlich wie dem Dodo? Angesichts einer riesigen Flut von vielleicht richtigen oder möglicherweise falschen Informationen ist es anspruchsvoll, sich eine wohl begründete Meinung zu komplexen Themen zu bilden. Unsere Welt ist kompliziert geworden, aber wir leisten es uns, sie uns einfach zu denken. «Mehr Bullerbü » wünscht sich neuerdings die tiefrote Berliner Stadtregierung, bekundet allerdings grosse Mühe, Wahlen korrekt auf die Reihe zu kriegen. Aber Haltung zählt, nicht inhaltliche Kompetenz und Realitätssinn. Aus der wahrgenommenen Komplexität folgt zunehmend der Wunsch nach einem starken Staat, welcher einen vor den Herausforderungen der Zeit zu bewahren vermöge. Dieser Wunsch gibt gleichzeitig altbekannten linken Utopien Auftrieb: Der Staat garantiert dem Bürger ein scheinbar behütetes Dasein, dafür schreibt er ihm aber auch zunehmend vor, wie er zu leben und zu denken hat.

Das Gegenkonzept dazu ist das Individuum, welches selbst über eine gesunde Urteilsfähigkeit verfügt: Sich vorurteilsfrei mit etwas auseinanderzusetzen und sich erst nach einiger Überlegung ein Urteil darüber zu bilden. Bei der Meinungsbildung ist nämlich nicht Unwissen das grösste Problem, sondern Halbwissen. Dies sieht man beispielhaft, wenn man Menschen fragt, wie ein Reissverschluss funktioniert – oder auch der Klimawandel. Die Antworten sind oft abenteuerlich. Aber die Befragten glauben tatsächlich, etwas zu verstehen, was sie nicht verstehen. Daraus folgt: Der Einfluss von tatsächlichem Wissen wird bei der breiten Meinungsbildung überschätzt.

Sonntagspredigt statt neutrale Information in Staatsmedien

Dass das einzelne Individuum – jeder von uns – Selbsttäuschungen unterliegt, wäre nun nicht tragisch, wenn Staat und öffentlich-rechtliche Medien und Institutionen die Meinungsvielfalt und das Korrektiv einer reiflich erfolgten Urteilsbildung fördern würden. Das ist aber längst nicht mehr der Fall. Der links-grüne Themenkanon (Klimawandel, Bildungspolitik usw.) wird von den Leitmedien emsig bewirtschaftet – auf diese Art wird sichergestellt, dass die «richtigen» Themen präsent und inhaltlich bestimmt sind. Fernsehsendungen des SRF kommen oft eher wie Sonntagspredigten daher denn als neutrale Informationsquellen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich an den Universitäten, welche sich mittlerweile lieber um geschlechtergerechte Sprache und «Cancel Culture » kümmern statt um ihren ursprünglichen Lehrauftrag. Geistige Diversität ist jedoch nicht gefragt – vielmehr verbirgt sich hinter diesem «Framing» die ganz klare Haltung einer selbsternannten links-intellektuellen Elite: Dass, wer ihre Ansichten nicht teilt, einfach zu dumm ist und inhaltlich noch «eingemittet» werden muss. Etwas zeigen uns die politischen Entwicklungen der jüngeren Zeit eindrücklich: Ideologie braucht keine Mehrheiten. Konkretes Beispiel: Die ständige Verquickung von Klimaschutz und linken Gesellschaftsutopien, welche weder logisch noch zwingend ist. Klimapolitik ist aus links-grüner Sicht aber deshalb so toll, weil man immer gewinnt, egal ob es kälter oder wärmer wird.

Fällt ein Sommer etwas kühler aus, nimmt die Stadtzürcher Regierung für sich in Anspruch, mit der Aufhebung von Parkfeldern und der «Förderung des Langsamverkehrs » die Rettung des Weltklimas eingeleitet zu haben, was nach weiteren Massnahmen ruft. Ist der Sommer warm, sind zur Abwendung der drohenden Apokalypse Sofortmassnahmen zur weiteren Gängelung des arbeitenden Teils der Bevölkerung unumgänglich. Angela Merkel nannte solche Mechanismen «alternativlos »: Der Bürger soll schweigen und zahlen, die Politik weiss es besser. So funktioniert Framing, denn der Stadtzürcher hat es längst als das «neue Normal » akzeptiert.

Die FDP zeigte sich jüngst lediglich «erleichtert» über die zeitlich minimal erstreckten Klimaziele der Stadt Zürich, was nebenbei viel über das verbliebene politische Selbstbewusstsein dieser Partei aussagt.

Was folgt daraus? Gerade weil Ideologie keine Mehrheiten braucht, muss die SVP als einzige klar bürgerliche Partei trotz ihrer Wählerstärke auch eine klare Oppositionsrolle einnehmen. Kurzfristig kann das auch Sympathiepunkte kosten. Aber solide Meinungsbildung ist nichts Kurzfristiges. Sie richtet sich nicht nach der Mode, sondern sucht die weiten Linien und bleibt sich treu. Vor allem aber macht sie frei und gibt Boden unter den Füssen, welcher in Luftschlössern nicht vorkommt.

 

13. Januar 2022 Gastbeitrag