Fürstliche Gehälter der öffentlichen Hand

Kritik Fürstliche Gehälter der öffentlichen Hand - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Nicht immer spannend, aber sehr gut dotiert. Und wie sagte schon der österreichische Operettenkomponist Carl Zeller? «Der Bürokrat tut seine Plicht. Von neun bis eins – mehr tut er nicht.» Bild Pixabay

BETRACHTUNGEN EINES LANGJÄHRIGEN HEADHUNTERS
Neulich brachte Prof. Dr. Rudolf Minsch als Chefökonom sowie Vorsitzender der Geschäftsleitung und Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik & Bildung unter DOSSIERPOLITIK #12/19 der economiesuisse mit Titel «Öffentliche Verwaltung in der Schweiz wächst und wächst» Licht in den statistischen Dschungel des Bundesamtes für Statistik. Gefolgt vom aufklärenden Bericht des NZZ-Journalisten Michael von Ledebur mit Überschrift «9615 Franken verdient ein Bundesangestellter im Durchschnitt – zwischen Staat und Privatsektor entsteht mit Corona eine neue Kluft» (Februar 15, 2021).

Jean-Pierre Reinle, Bad Schinznach und Zürich, ist parteilos und war bis Mai 2013 selbst 18 Jahre lang geschäftsleitender Senior Berater der Tochterfirma eines renommierten Schweizer Headhunters.

Über die Löhne der eigenen Staatsangestellten erteilen die Behörden nur höchst ungern Auskunft. Denn während der durchschnittliche monatliche Bruttolohn beim Bund stolze 9615 Franken beträgt, liegt der Vergleichswert in der Privatwirtschaft bei 6248 Franken. Die Gehälter der Bundesverwaltung sind zwischen 2008 und 2019 um 13,5%, im Privatsektor um 8% gestiegen. Hinzu gelangen bei ersteren deutlich höhere Vorsorgeleistungen, was bei Pensionierung eine Differenz von mehreren hunderttausend Franken für den einzelnen Arbeitnehmer ergibt. Von der Privatversicherung in einer Krankenkasse über die Pensionierung hinaus sowie grosszügige Nebenleistungen wie Gratis-ÖV-Benutzung, Smart Phones und weiteres auch für privaten Gebrauch ganz zu schweigen.

50% mehr als im KMU

«De facto» ergibt dies für Angestellte von Bund, Kantonen und Gemeinden eine Salarierung, die satte 50% über derjenigen von selbstständig Erwerbenden und – vor allem – Angestellten bei den KMU liegt. Notabene sorgen Letztere allerdings zu 99% für echte Wertschöpfung in der Schweizer Wirtschaft; wozu die oftmals eh zunehmend in den Händen ausländischer Gesellschaften befindlichen, aber imagestarken Grosskonzerne insgesamt bloss 1% beitragen. Zwar sollen diese Zahlen keineswegs zu einer Neiddebatte führen. Da der Schweizer Staat auf diese Art auf dem Arbeitsmarkt jedoch zum Konkurrenten der freien Wirtschaft mutiert, ist dies – seit Beginn der Corona-Pandemie noch verstärkt – besonders für kleine Unternehmen ein Problem, da sie nicht mehr mithalten können. Zumal sich der Bund u.a. auch bei den Vorsorgeleistungen primär an internationalen Grosskonzernen orientiert … Anders als bei der sattsam bekannten Diskussion um Boni geht es bei der öffentlichen Hand nicht um private Unternehmungen, sondern Ausgaben, welche mit Steuereinnahmen finanziert werden!

Ich rekrutierte bis vor wenigen Jahren mandatsweise Fachleute in der Kommunikationsbranche im weitesten Sinne. Bereits um die Jahrtausendwende bemühten sich total rund 280 «Beschäftigte » (internationale Konzerne beschäftigen vergleichsweise weltweit 30 bis maximal 50 Kommunikationsfachleute …) in den Kommunikationsabteilungen des Bundes redlich, ihr schon damals zwischen 150 000 und 180 000 Franken liegendes Jahres-Einkommen zu rechtfertigen. Ab jener Zeit kamen solche immer wieder auf mich zu, um mir beim Beratungs-Interview zu vermelden, dass sie «meistens halbe Tage lang nichts zu tun» hätten: «Herr Reinle, ich muss vielmehr Daumen drehen, bis ich zwischendurch mal wieder eine Meldung aus meinem Ressort der heiligen Hallen im Bundeshaus vermelden darf…». Weil mir damals u.a. der nicht unbekannte Kurdirektor von Gstaad/BE mit der Anmerkung «bringen Sie mir ja keine Beamten (w/m), denn diese sind weder effizient noch effektiv!» ein Suchmandat erteilte, riet ich jungen Persönlichkeiten jeweils, raschmöglichst zu kündigen, worauf ich ihnen ein Engagement in der Privatwirtschaft verschaffen würde. Befand sich eine Bewerberin/ein Bewerber jedoch im fortgeschrittenen Alter, empfahl ich, die verbleibende Restzeit – abzusitzen, da ich in der Privatwirtschaft kaum mehr eine neue berufliche Herausforderung zu solch respektablen Gehältern für sie oder ihn finden würde.

Ausgeprägte Diskrepanz zur Privatwirtschaft

Wenn wir uns nun vor Augen halten, dass aktuell 96,6% aller aktuell 36 000 Bundesangestellten (schweizweit 88 000 vom Staat Angestellte, plus Zehntausende in sog. «bundesnahen Betrieben ») in den Genuss einer jährlich automatisch ansteigenden Lohn-«Anpassung » zwischen minimal 1,5% und maximal 4% gelangen, weil sie offiziell als derart leistungsstark eingeschätzt werden, wirkt dies insofern befremdlich, als die Bundesverwaltung seit und in der Pandemie keineswegs das beste Bild abgibt.

Selbst wenn wir die von mehreren Seiten unabhängig überlieferte Geschichte von Bundesbeamten, welche in ihrem Büro «Rücken» von leeren Ordnern mit phantasievollen «Projektnamen » anschreiben, um ihren «aufwändigen » Job «faire semblant» unter Beweis zu stellen, vorsichtshalber ins Reich der Phantasie befördern, beschleicht aufgeweckte Zeitgenossen (w/m) angesichts des gesamthaft unfairen Gebarens unserer Behörden vermehrt ein äusserst kontroverses Gefühl. Denn diese wären ohne uns Steuerzahler inexistent, und sind deshalb für uns da, keinesfalls umgekehrt!

 

23. April 2021 Gastbeitrag