Gastrobranche soll aus Dornröschenschlaf aufwachen können

Stadt Gastrobranche soll aus Dornröschenschlaf aufwachen können - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Endlich: Frühlingserwachen im Aussenbereich der Gastronomie. Bild zVg

AUS DEM ZÜRCHER GEMEINDERAT
Die SVP hiess im Gemeinderat ein wichtiges Postulat trotz einem Wermutstropfen gut: Die Erhöhung der Anzahl bewilligter Sitzplätze auf temporär ausgeweiteten Boulevardflächen für gastronomische Angebote auf öffentlichem Grund.

Die Zürcher Gastronomie ist durch die anhaltende, durch den Bund epidemiologisch begründete Schliessung ihrer Innen- und Aussenräume wirtschaftlich stark negativ betroffen.
Nun kann erwartet werden, dass mit der Wiedereröffnung zumindest der Aussenbereich von Restaurants, Bars und Take-away-Betrieben mit Sitzplatzmöglichkeiten wieder intensiv genutzt werden kann.
Dies ist für die Gastronomie elementar, da hierdurch grosse Teile des Umsatzverlustes kompensiert werden können und Jobs in der Gastronomie erhalten werden können.

Temporär mehr Flächen zur Ankurbelung
Der Stadtrat wird aufgefordert, zu prüfen, wie er die Anzahl bewilligter Sitzplätze auf temporär ausgeweiteten Boulevardflächen für gastronomische Angebote auf öffentlichem Grund situationsgerecht und pro Bewirtungsstätte um mindestens 30 bis maximal 50 Prozent erhöhen kann. Dafür sollen die im Stadtratsbeschluss 954/2020 aufgestellten Regeln sowie der vom Stadtrat beschlossene Gebührenerlass weiterhin gelten.
Aufgrund der nicht absehbaren Entwicklung der Pandemie verkürzt sich jedoch die Saison für die Aussengastronomie zusehends. Um die absehbar hohe Nachfrage in einer kurzen Sommersaison bewältigen zu können, soll die Anzahl der bewirteten Sitzplätze pro Bewirtungsstätte temporär, situationsgerecht und im Einklang mit der beschlossenen Ausweitung der Flächen erhöht werden.
Ein Sprecher der FDP legt dar, dass die Lage in der Gastronomie dramatisch ist – es wird Betriebsschliessungen geben sowie Verluste von Arbeitsplätzen.
Er führte aus, dass zurzeit höchstens vier Leute an einem Tisch sitzen können. Die FDP möchte, dass die Fläche, welche den Gastronomen zur Verfügung steht, sinnvoll genutzt werden kann. In Betracht zu ziehen sei zudem, dass die Fläche auf Parkplätze ausgeweitet werden könnte.

Besser wäre: Nicht auf Kosten der Parkplätze
Für die Ausdehnung der Boulevardflächen dürfen keine Parkplätze abgebaut werden oder temporär gesperrt werden. Wie die Sprecherin der SVP – Susanne Brunner – aber darlegt, haben nicht alle Betriebe die Möglichkeit, die Ausweitung mangels Platzes zu nutzen. Diejenigen, welche die Möglichkeit dazu haben, sollten dies aber auf jeden Fall nutzen können.
Dieses Postulat ist sehr wichtig – darf aber nicht auf Kosten der Parkplätze geschehen, weshalb die SVP eine Textänderung beantragt hat, welche den Zusatz beinhaltet: «Für die Ausweitung der Boulevardflächen dürfen keine Parkplätze abgebaut oder temporär gesperrt werden.» Das Wort Parkplatz, wie Susanne Brunner erwähnt, getrauen sich Sprecher anderer Parteien kaum mehr auszusprechen – es scheint aus dem aktiven Wortschatz verschwunden.
Die Gastronomie ist auf alle Gäste angewiesen. Es wäre naiv zu glauben, dass diese ausschliesslich aus einem sehr nahen Umkreis herkommen – zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Boulevardflächen, welche auf den wegfallenden Parkplätzen geschaffen werden, fressen zusätzliche Gäste. Dies ist nicht zu vernachlässigen, da man den Detailhandel – welcher auch gelitten hat und unter Druck steht – nicht gegen die Gastronomie ausspielen soll. Auch dieser musste Haare lassen und braucht die Parkplätze.
Die Ratsmehrheit hat dieser Textänderung schlussendlich nicht zugestimmt.
Trotzdem hat die SVP dieses Postulat gutgeheissen, da es ihr ein grosses Anliegen ist, dass die Gastronomie wieder Boden unter die Füsse kriegt und so gut wie möglich unterstützt wird. Es wird Zeit, dass die gesamte Gastrobranche aus ihrem erzwungenen Dornröschenschlaf erwachen darf.

23. April 2021 Sebastian Zopfi