Geschlossene Grenzen infolge Corona brachten Mehrertrag

Gesellschaft Geschlossene Grenzen infolge Corona brachten Mehrertrag - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Gute Tropfen gehören in normalen Zeiten zum Lieblingsmitbringsel aus den Ferien. Bild Pixabay

DETAILLIERTE ZAHLEN VON VETROSWISS SAGEN FÜR 2020 VIEL AUS
Der aktuelle Geschäftsbericht von VetroSwiss zeigt, dass eine beachtliche Menge an Spirituosen und vor allem Wein im kleinen Grenzverkehr eingeführt wird. Doch dies erfassen die gängigen Konsumstatistiken nicht.

RoMü. Geschlossene Grenzen, wie wir sie während einiger Monate in Zeiten von Corona erlebt haben, ermöglichen es, dass gewisse statistische Erfassungen plötzlich in einem anderen Licht erscheinen können. Insbesondere wenn es um den Nahrungsmittelkonsum geht. Was in der Schweiz produziert und vermarktet oder zugleich auch über den ordentlichen Weg bezüglich Erfassung am Zoll eingeführt wird, kann exakt registriert werden. Doch alles, was im kleinen Grenzverkehr direkt durch die Konsumenten ins Land gelangt, ist in keiner Statistik erfasst und lässt sich nur aufgrund der möglichen Umsätze im Rahmen des Einkaufstourismus ungefähr abschätzen. Konkret kann man aus den neusten Zahlen der VetroSwiss über das Geschäftsjahr 2020 einige interessante Schlüsse ziehen.

Die VetroSwiss als nationale Gesellschaft ist beauftragt, die 2002 eingeführte vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG) auf Getränkeverpackungen aus Glas zu erheben und diese wiederum als Kostenbeitrag für die Altglasentsorgung zu leisten. Alles in der Schweiz abgesetzte Glas ausschliesslich für Getränke, aber nicht für beispielsweise eingemachte Nahrungsmittel (Konfitüre, Essiggemüse, Früchte etc.) wird dabei der Abgabe unterstellt, welche 2 Rappen für Flaschen bis 33 cl, 4 Rappen für Flaschen bis 60 cl und für grössere 6 Rappen beträgt. Werden in Flaschen abgefüllte Getränke offiziell über den Zoll eingeführt, so werden diese Abgaben ebenfalls fällig. Im vergangenen Jahr hat die VetroSwiss für 944,5 Mio. Flaschen 33,849 Mio. Franken eingenommen, was gegenüber dem Vorjahr rund zwei Prozent mehr sind.

Im Gegenzug sind 2020 gesamthaft 379 886 t Altglas gesammelt worden, was einem Plus von 6,5% entspricht. Diese Mehrmenge ist vor allem als Folge von der geschlossenen Gastronomie auf den deutlich höheren Heimkonsum zurückzuführen, wo vor allem viel mehr Glas aus dem Bereich mit eingemachten Lebensmitteln angefallen ist. Zudem sind bei der VEG auch mit einem Plus 39,688 Mio. deutlich mehr Kleinflaschen bis 33 cl angemeldet worden, was allein zu einer Mehrmenge von 6746 t Glas führte.

Mehr Spirituosen versteuert

Markant um 40 Mio. Franken oder um 15,7 Prozent sind die Erträge 2020 bei der Alkoholsteuer gegenüber dem Vorjahr gestiegen, obwohl die Gastronomie massiv heruntergefahren wurde. Daraus lässt sich herauslesen, dass ein Grossteil der Spirituosen zu Hause getrunken wird. «Zudem dürfte ein Teil der Mehreinnahmen mit der Corona- Pandemie in Zusammenhang stehen», schreibt der Bund. Denn auch hier haben die geschlossenen Grenzen und der massiv eingeschränkte Ferienverkehr ins Ausland dafür gesorgt, dass man statt im Ausland nun in der Schweiz deutlich mehr Spirituosen gekauft hat. Für eine 75-cl-Flasche mit 40 Vol-% wird in der Schweiz 8,70 Franken an Alkoholsteuern fällig. Da man vielfach bei der Heimreise aus den Ferien einige Flaschen Spirituosen als Mitbringsel zoll- und steuerfrei im Gepäck hat, fliessen hier keine Gelder in die Alkoholsteuer. Zugleich werden oftmals Spirituosen nicht zuletzt infolge der tieferen Preise im kleinen Grenzverkehr eingekauft, wobei die Einfuhr auf einen Liter pro Einreise und erwachsene Person beschränkt ist. Denn diese werden im angrenzenden Ausland vielfach deutlich weniger hoch mit Steuern belastet. Dass man zugleich noch in Deutschland die 19 Prozent Mehrwertsteuer zurückfordern kann, macht gebrannte Wasser für den Individualimport noch billiger. Weil rund drei Viertel aller in der Schweiz konsumierten Spirituosen importiert werden, fällt die Inlandproduktion kaum ins Gewicht. Somit muss der Mehrertrag vor allem im nun erfassten Import für den gewerblichen Verkauf in der Schweiz gesucht werden, um die Mengen aus dem kleinen Grenzverkehr zu kompensieren. Der Mehrertrag von 40 Millionen Franken entspricht rund 4,6 Mio. 75-cl-Flaschen mit 40 Vol-%, welche nun zum grössten Teil durch den Detailund Grosshandel importiert und somit auch ordentlich versteuert wurden.

Beachtliche Weinimporte im kleinen Grenzverkehr

Auch Wein ist ein beliebtes Mitbringsel und Ferienerinnerungsstück. Deshalb werden viele Flaschen über 60 cl ohne Erfassung im kleinen Grenzverkehr eingeführt. Hier kann gleichfalls normalerweise nur über den Umfang dieser Parallelimporte spekuliert werden. Dass auch hier die Grenzschliessungen ihre Auswirkungen hatten, lässt sich aus den entsprechenden Zahlen bezüglich der typischen Weinflaschengrösse von 75 cl ablesen. Was man entsprechend vielfach im benachbarten Ausland eingekauft hatte, wurde nun infolge geschlossener Grenzen einfach im Fachhandel eingekauft, wo die Flaschen bezüglich der VEG entsprechend erfasst worden sind. Hier sind es entsprechend rund 6 bis 7 Mio. Flaschen mehr, welche von der VEG erfasst worden sind. Da nun auch diese zusätzlichen Importe in die offiziellen Konsumstatistiken einfliessen, lassen diese den Weinkonsum steigen, obwohl eigentlich gar nicht mehr getrunken wurde.

10. Dezember 2021 SVP Kanton Zürich