Hänsel und Gretel und die böse Kapitalistin

Kritik Hänsel und Gretel und die böse Kapitalistin - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

In der Propaganda-Version des Theaters geht die Geschichte so: Die Hexe als böse Arbeitgeberin beutet die Holzarbeiterinnen aus und will auch den gesamten Wald abholzen.

KULTURSCHAFFENDE BEISSEN DIE HAND, DIE SIE FÜTTERT
Hänsel und Gretel und die böse Hexe, das war einmal. Märchenbühnen, die von der Kritik gefeiert werden wollen, müssen heutzutage die Kinder politisch beeinflussen. So wurde aus der bösen Hexe die böse Kapitalistin und aus dem bekannten Märchen ein Lehrstück des Antikapitalismus.

Die Medien überschlugen sich auf ihren Kulturseiten vor lauter Begeisterung. Das Theater Neumarkt in der Stadt Zürich feierte nämlich die Premiere des neuen Stückes, das sich an Kinder ab fünf Jahren richtet. Doch nicht die bekannte Geschichte von Hänsel und Gretel wird hier den jungen Zuschauern gezeigt, sondern eine neue Version, die auch die kleinsten Kinder auf den richtigen Weg bringen soll. Und der richtige Weg heisst: Bekämpft den Kapitalismus, denn er ist eine böse Sache. Die Inszenierung sei klassenkämpferisch und feministisch und biete somit alles, was man von einer zeitgenössischen Kinder(buch)inszenierung erwarte, schrieb die Neue Zürcher Zeitung.

Ausgebeutete Holzarbeiterinnen

In der Neuinterpretation des berühmten Märchens sind die Eltern von Hänsel und Gretel zwei Holzarbeiterinnen (ja, auch der Vater ist eine Holzarbeiterin), die ihre Kinder aussetzen müssen, weil sie zu wenig Lohn erhalten, um die Kinder ernähren zu können. Die böse Arbeitgeberin beutet aber nicht nur die Holzarbeiterinnen aus, sondern will auch den gesamten Wald abholzen. Denn der Kapitalismus zerstöre die Natur. So jedenfalls erklären die Theatermacher den Zuschauern die Welt. Wie schlimm diese Natur im sozialistischen Osten behandelt wurde, hat in diesem Theaterstück jedoch keinen Platz. Geld und Besitz machen die Welt kaputt, so die Botschaft an die Kinder. Als die böse Kapitalistin schlussendlich im Ofen landet, laden Hänsel und Gretel alle Verstossenen und alle Flüchtlinge zum Essen ein. Weil es Flüchtlinge eher in kapitalistische Länder zieht, dürfte der Wald nach Hänsel und Gretels Revolution bald frei von Flüchtlingen sein. Geschlechtsidentität Aber es sind noch weitere nützliche Dinge, die das Märchen den Kindern mit auf den Weg gibt: Nicht nur Gretel, sondern auch Hänsel wird von einer Frau gespielt. Eine solche Rollenverteilung kam in der Geschichte des Theaters zwar immer wieder vor, doch hier gehe es darum, den kleinen Zuschauern beizubringen, dass Geschlechtsidentität nicht mehr wichtig sei. So erklärt es wenigstens der Regisseur im Interview mit dem gebührenfinanzierten Schweizer Radio. Handkehrum ist es dann aber trotzdem wichtig, dass im Titel die Frau zuerst genannt wird, das Stück heisst im Theater Neumarkt nämlich «Gretel und Hänsel».

Finanziert mit Steuermillionen

Es gibt bei dieser neuen Version des Märchens aber ein paar Schönheitsfehler. Das Geld, das die Welt angeblich kaputt mache, ist nämlich unverzichtbar für das Theater Neumarkt. Darum werden die Subventionen in Form von jährlich über fünf Millionen Franken vom Theater gerne angenommen. Dabei handelt es sich um Steuergeld, das im bösen Kapitalismus erwirtschaftet wurde. Die Vorführungen des Stückes finden derzeit jedoch nicht statt. Aber nicht der Kapitalismus hat den Betrieb des Theaters gestoppt, sondern die staatlich verordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Kinder sollen Kinder sein dürfen Es kann durchaus amüsant sein, altbekannte Geschichten neu zu interpretieren. Doch wenn wie hier alles so ernst und belehrend daherkommt und sich dann auch noch an kleine Kinder richtet, kommt keine richtige Freude auf. Einmal mehr wird auf diese Weise klar: Lasst die Kinder Kinder sein. Sie werden noch früh genug mit politischer Propaganda konfrontiert werden. Spätestens in der Volksschule. Und das ist leider kein Märchen.

7. Februar 2021 Tobias Infortuna