Henggarter Hauptmann war das höchste Kriegsopfer

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An der entscheidenden Schlacht am 23. November 1847 in Gisikon kommandierte der damalige Zürcher Regierungsrat Paul Carl Eduard Ziegler (1800–1882) die vierte eidgenössische Division. Bild Wikipedia

175 JAHRE SONDERBUNDSKRIEG UND SEITHER FRIEDEN
In diesem Jahr jährt sich zum 175. Mal der Sonderbundskrieg. Diesem letzten Krieg auf Schweizer Boden wird auch in Schaffhausen und Zürich gedacht, wobei der Unteroffiziersverein Schaffhausen eine zentrale Rolle einnehmen wird.

RoMü. «Wir haben seit 175 Jahren keinen Krieg mehr in unserem Land geführt und seit 175 Jahre Frieden in der Eigenossenschaft», hielt der Schaffhauser Peter Fischli in seiner Funktion als Präsident des Schaffhauser Unteroffiziersverbandes (UOV SH) an der Generalversammlung des UOV Andelfingen im Zürcher Weinland fest.
Denn im Spätsommer und Herbst 1847 zeichnete sich ein Bürgerkrieg zwischen den katholisch-konservativen vereinten Kantonen im Sonderbund sowie den reformiert-liberalen Kantonen der übrigen Schweiz ab, welcher später als Sonderbundskrieg in die Geschichtsbücher kam. Die Zürcher und Schaffhauser standen dabei auf der Seite der liberalen Kräfte. Sie waren schlussendlich auch Teil des rund 99 000 Mann starken Heeres mit 172 Geschützen, welches in die Innerschweiz zog, um die rebellischen Innerschweizer Kantone mit einer Truppenstärke von 79 000 Mann und 88 Geschützen zur Räson zu bringen. Am 21. Oktober 1847 wird der Genfer Guillaume-Henri Dufour durch die Tagsatzung zum General gewählt und drei Tage später werden erste 50 000 Mann in den Tagsatzungskantonen ohne die neutralen Neuenburger und Appenzell-Innerroder zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung aufgeboten. Dies galt auch für Schaffhauser Truppen, welche ebenfalls für den Kriegseinsatz sechs Kompanien mobilisiert hatten, die als entsprechendes Bundesbataillon von Kommandant Gnehm kommandiert wurden.
Fischli verwies dabei darauf, dass bereits am 17. Oktober sämtliche Offiziere und Unteroffiziere aufgeboten worden waren. Wenige Tage später rückten die weiteren Armeeangehörigen mit den beiden Jägerkompanien sowie vor allem die Rekruten Einrückungsjahrgänge 1846 und 1847 ein. Die Schaffhauser Einheiten wurden als Teil der Ostschweizer Kantone unter das Kommando von Oberst Gmür gestellt. Dieses wiederum gehörte der 5. Division an, welches von Brigadier und Oberst Isler aus Wagenhausen geführt wurde. Am 1. November setzte sich das Schaffhauser Bataillon Gnehm Richtung Innerschweiz in Bewegung.
In den beiden Schlachtorten Giswil und Meierskappeln wurden die Schaffhauser Truppen auch in die kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt. Schlussendlich marschierten die ersten Schaffhauser Truppen am 25. November in Luzern ein.
Die Sonderbundstruppen wurden vom Bündner General Johann Ulrich von Salis-Soglio geführt. Im Krieg standen sich im eigentlichen Konflikt zwischen den Religionen dann somit etwas überraschend zwei eher konservative reformierte Generäle gegenüber. Nach der Niederlage floh der Spross der Bündner Adelsfamilie von Salis zuerst nach Bergamo, wohnte später im Südtirol und in München. Nach seiner Rückkehr 1855 nach Chur, wurde ihm trotz des ihm angelasteten Landesverrates nicht der Prozess gemacht, weil der nationalen Aussöhnung grössere Wichtigkeit zugemessen wurde.
Während des 25 Tage dauernden Sonderbundskriegs wurden auf beiden Seiten 93 gefallene Soldaten und 510 verwundete Armeeangehörige verzeichnet.

Zeitzeichen-Anlässe geplant
Aufgrund der vorliegenden Angaben kann davon ausgegangen werden, dass die Schaffhauser Truppen an ihrem ersten Verschiebungstag am 1. November auf ihrem Marsch in die Innerschweiz auf der Heeresstrasse nach der Rheinüberquerung in Feuerthalen über Andelfingen und Henggart zu ihrem ersten Biwakbezug in Winterthur marschierten.
Nun plant der UOV SH im kommenden Herbst Zeitzeichen-Anlässe. Diese sollen an den verschiedenen Orten stattfinden, wo die Schaffhauser Truppen Station gemacht haben. Der Start soll am 17. Oktober 2022 folgen, wo der erste Einrückungstag im Fokus stehen soll. Der UOV Andelfingen könnte gerade mit Blick auf den 1. November speziell mitwirken, wenn man an den ersten Marschtag der Schaffhauser Truppen in Richtung Innerschweiz quer durch das Weinland erinnert. Der Abschluss sollte dann am 25. November in Luzern erfolgen.
In den Gefechten waren Zürcher Einheiten im Einsatz. So standen am 12. November bei Gefechten bei Geltenwyl und Lunnern Zürcher Einheiten den Sonderbundstruppen gegenüber. An der entscheidenden Schlacht am 23. November in Gisikon kommandierte der damalige Zürcher Regierungsrat Paul Carl Eduard Ziegler die vierte eidgenössische Division, welche die Tagsatzungstruppen zurückschlagen und damit ein rasches Kriegsende bewirken konnte. Beim späteren Erstürmen des Rooter-Berges standen die beiden Zürcher Bataillone 9 und 11 an vorderster Front im Einsatz.
Unter ihnen war auch der Henggarter Hauptmann Heinrich Frauenfelder. Er wurde beim Vorrücken der Tagsatzungstruppen auf Luzern am drittletzten Kriegstag in der Schlacht bei Meierskappel schwer verwundet und starb Anfang 1848 in einem Lazarett.
Er war zugleich der höchste Offizier, welcher im Sonderbundskrieg aufseiten der Tagsatzungstruppen das Leben verlor.
Heute noch erinnert bei der Kirche in Henggart ein Gedenkstein an seinen dazumal erfolgten Tod.

30. Juni 2022 SVP Kanton Zürich