Je nachdem ist jeder gleich

Fadegrad Hasta la vista, Winterthur - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Im Zürcher Gemeinderat ging es letzte Woche einmal mehr um Diskriminierung, denn ein weiterer Vorstoss zu diesem momentanen Dauerbrenner stand an. Aber diesmal stammte er nicht wie üblich von links, sondern von FDP-Gemeinderat Perparim Avdili und GLP-Gemeinderätin Isabel Garcia. Die beiden fordern, dass die Stadt bei «Anstellungen wie auch beim Abschluss von Lehrverträgen» die Einführung eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens prüfen soll. In der Begründung ihres Anliegens berufen sich die beiden Gemeinderäte auf Studien, die belegen sollen, dass Bewerber mit Migrationshintergrund schon allein wegen ihres Namens mehr Mühe als andere hätten, eine Stelle zu bekommen. Die beiden gehen aber noch weiter und verstehen auch Eigenschaften wie das Alter und das Geschlecht als potenziell negative Einflussfaktoren auf die berufliche Karriere. «Explizite und implizite Stereotypen» beeinträchtigen ihrer Meinung nach eine faire Beurteilung von Kandidaturen. Mit dem anonymisierten Bewerbungsverfahren hingegen hätten «Personalverantwortliche und Vorgesetzte bis zum Versand der Einladungen für das Vorstellungsgespräch » keine Einsicht in die Kategorien Herkunft, Alter und Geschlecht. Der Wunsch, dass Menschen auf Grund dieser Kategorien weder benachteiligt noch bevorzugt werden, ist berechtigt. Das geplante Vorgehen hingegen steht im Widerspruch zu anderen städtischen Massnahmen. Wenn es nämlich um das Erlangen bestimmter Leistungen geht, kehren die Mehrheitsparteien im Rat die hier geforderte Unvoreingenommenheit je nachdem, wie es ihnen gerade passt, in ihr Gegenteil um. Für die Verwaltung von preisgünstigen städtischen Wohnungen zum Beispiel werden immer wieder Genossenschaften bevorzugt, die ihre Wohnungen nur an Menschen vergeben, die mit dem «richtigen» Verkehrsmittel unterwegs sind oder eine spezifische sexuelle Orientierung haben. Verschiedene schulische Förderangebote der Stadt stehen nur Kindern mit Migrationshintergrund zur Verfügung und auch das Sozialdepartement sieht mitunter Leistungen nur für Bewerber mit einer bestimmten Herkunft oder einem bestimmten Geschlecht vor. Auch bei der GLP-Gemeinderätin Isabel Garcia muss man sich fragen, wie ernst es ihr mit der Forderung nach vorurteilslosen Auswahlverfahren wirklich ist. Vor acht Jahren reichte sie nämlich einen Vorstoss mit der Forderung ein, «dass die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten angemessen in den Kaderpositionen der städtischen Verwaltung repräsentiert sind» und die Auswahlverfahren entsprechend angepasst werden. Auf die Frage, wie man die von ihr angestrebte Frauenquote mit anonymisierten Bewerbungen bewerkstelligen wolle, antwortete sie, sekundiert von einem freisinnigen Gemeinderat: «Kein Problem! Man kann ja Stellen ausschreiben, für die sich nur Frauen bewerben dürfen.»

1. Oktober 2021 Stefan Urech