Kommerz als Quell des Schadens für die Wirtschaft

Hintergrund Kommerz als Quell des Schadens für die Wirtschaft - Onlinebote SVP des Kantons Zürich 1

Wie wenig an vielen Orten der Corona-Schutz eingehalten wurde, lässt sich erahnen, besonders wenn es in London vielen Fans gelang, ohne Ticket ins Stadion zu kommen. Bild Dreamstime

EINE EU DER BEDENKLICHEN BEISPIELE
Die EM könnte Europa teuer zu stehen kommen. Wer aus Lust an einer Profilierung angesichts zunehmender Impfskepsis in sozialen und anderen Medien Verunsicherung und Ängste schürt, sägt am Ast von Sicherheit, Freiheit und Gesundheit.

Während sich alle an strikte Corona- Massnahmen und Einschränkungen halten müssen, ist rund ums runde Leder offenbar alles erlaubt. Italien wurde zwar besonders hart vom Virus getroffen, aber im Taumel um die Feiern des EM-Titels ging jede Vorsicht verloren. Da wurde ohne jeden Schutz gefeiert – so lange, bis die Vergangenheit die Bevölkerung wieder einholt?

Brot, Spiele und Profit

Nicht nur in Italien, auch andernorts, sei es in der Zürcher Langstrasse oder an anderen Zentren der «Euro», in Stadien und Public Viewings, wird ohne Rücksicht auf Virenausbrüche gefeiert. Belegt ist, dass – abgesehen von der Dunkelziffer – vierhundert Finnen – und wie viele Schweizer? – aus Sankt Petersburg und tausend Schotten aus London das Virus von der «Euro» nach Hause brachten. Der kurzfristige Taumel könnte langfristig erlittene und erneuerte Bemühungen und Verzichte zunichte machen: Darüber könnte man verständnislos nur noch den Kopf schütteln. Aber es geht nicht nur um «Brot und Spiele», womit schon die Imperatoren im alten Rom das Volk bei Laune hielten. Es geht auch um kurzfristige Profite einiger weniger, Kommerz, der bei der UEFA offenbar höher gewichtet wird als die langfristige Stabilität der Wirtschaft, welche die Basis bildet für den Wohlstand aller. Wie wäre es anders erklärbar, dass jenen Städten, die bei der Bewilligung für Zuschauerzahlen zurückhaltend waren, wie Bilbao oder Dublin, die Spiele entzogen und dorthin vergeben wurden, wo man willig dem Diktat der UEFA folgte, wie eben Sankt Petersburg mit seinem weitgehend vollen Stadion und überbordenden Public Viewings?

Auch in Budapest gab es kein Halten und eine Demonstration des Leichtsinns zeigte sich in London mit dem Wembley- Stadion, das von den Halbfinals an mit einer Auslastung von über zwei Dritteln regelrecht überlastet wurde. Wie wenig an vielen Orten der Corona- Schutz eingehalten wurde, lässt sich erahnen, besonders wenn es in London vielen Fans gelang, ohne Ticket ins Stadion zu kommen. Was geht dann erst recht dort und andernorts ab – hinter den Kulissen? Aber gut gefüllte Stadien dienen dem Kommerz der UEFA: Es geht nicht bloss um die Eintritte, sondern auch um die Bandenwerbung und die Stimmung, um TV-Gebühren bis hin zu den Beiträgen der Sponsoren. Das ist ein dichtes kommerzielles Geflecht und den Nutzniessern ist es egal, was in der Folge in den Ländern als wirtschaftlicher Schaden mit einem Wiederaufflammen der Pandemie zu vermelden ist.

Selektive Organisation im Dienst der Kassenschlager

Wie sehr die Euro auf den Kommerz und die Favorisierung der Giganten ausgerichtet ist, zeigt allein schon die Struktur des Turniers: Insbesondere den Elefanten unter den Teilnehmern war es vorbehalten, sehr oft in den eigenen Stadien anzutreten, Vorteile, wie sie nicht nur den Engländern in London, sondern auch den Italienern in Rom, den Deutschen in München, allerdings auch Gehorsamen wie den Ungarn in Budapest oder den Russen in Sankt Petersburg zuteil wurden: auch das zahlte sich in überfüllten Stadien kommerziell aus. Ganz unterschiedlich waren die Reisewege: Während die Schweizer besonders weit reisen mussten, konnten Elefanten oft vor Ort traben. Da spielt auf diesem Niveau nicht nur die Ermüdung des Reisens eine grosse Rolle, sondern vor allem auch die Akklimatisierung: die Spielregeln waren von vornherein strukturell verzerrt. Das muss man sich auch bei den Leistungen der formell «Unparteiischen» fragen. Angesichts des kommerziell besonders wertvollen Einzugs der Engländer in den Final stellt sich die Frage nach dem Hintergrund des geschenkten Elfmeters, der zum Siegestor führte, den selbst der VAR nicht korrigierte.

Wäre da nicht eher die unfaire Schwalbe von Sterling zu ahnden gewesen? Und warum kamen die Briten mit einer «Trinkgeldbusse» davon, als Fans den Torhüter der Dänen beim Strafstoss blendeten? Wie wären «Kleine » gestraft worden? Und wer immer fand, die Engländer hätten besser gespielt, vergisst, dass diese vor Ort blieben, die Dänen eine anstrengende Reise in den Knochen hatten. In diesem Zusammenhang ist auch der englische Schiedsrichter zu sehen, der einen Schweizer für ein hartes Foul gleich wie bei einer Tätlichkeit mit einer direkten «Roten Karte» bestrafte, wohl wissend, dass dies bei den engen Verhältnissen einer «Todesstrafe » gleichkommen musste. Man stelle sich vor, wie die UEFA-Kassiere in den Katakomben gejault hätten, wenn es unter den – angesichts der Spielverläufe – denkbaren Umständen im Wembley zu einem Halbfinal von Österreich gegen die Schweiz und einem Final zwischen Dänemark und der Schweiz gekommen wäre.

Hypnotisierte Amtsschimmel

Wie unbedarft sich auch Behörden von der Schlange des Prestiges hypnotisieren lassen, zeigte sich, als man den Champions League Final zwischen zwei englischen Equipen kurzfristig wegen restriktiver Vorgaben in Porto als Ersatzspielort statt in London austragen liess, wo die Delta-Variante unter ihresgleichen hätte wüten können: So brachten die Hooligans das Delta-Virus nicht nur ins Drachenstadion, sondern randalierend auch in die Strassen von Porto und röhrend anschliessend in Touristenorten bei Lissabon und der Algarve. Die Fallzahlen schnellten in die Höhe und die monatelangen Entbehrungen der Bevölkerung wurden im Tanz um das goldene Kalb der ledernen Kugel.

16. Juli 2021 Bernhard im Oberdorf