Kühle Köpfe mit Langfristhorizont gefragt

Eidgenössische Politik Kühle Köpfe mit Langfristhorizont gefragt - Onlinebote SVP des Kantons Zürich
EINE BVG REFORM IST NÖTIG (1. TEIL)
Vom Reformbedarf in der zweiten Säule ist die Mehrheit überzeugt. Ebenfalls herrscht Einigkeit bei der Meinung, dass die Renten geschützt werden sollen und die Tieflohnbezüger und Teilzeitarbeit gestärkt werden sollen. Uneinigkeit herrscht über das Rentenalter, wie die Einbussen der Übergangsgenerationen abgefedert werden sollen und über die von den Linken und Grünen geforderte Zusammenlegung der beiden Säulen.

Eine Flexibilisierung des Rentenalters würde die Attraktivität der längeren Erwerbstätigkeit erhöhen. Dadurch würde die AHV Kasse entlastet werden. Jene die länger arbeiten, sollen die AHV erst beziehen, wenn sie nicht mehr erwerbstätig sind. Momentan besteht hier kein Anreiz, da die AHV Rente und die Erwerbstätigkeit zusammen zwangsläufig in eine höhere Steuerprogression führen. Eine Revision ist komplex. Wenn an einem Rädchen gedreht wird, kann das schwungradartige Auswirkungen haben.

In der Verfassung verankert

1972 wurde die berufliche Vorsorge in die Verfassung aufgenommen. Dort stellt sie die 2. Säule im Dreisäulenkonzept dar und ist als Ergänzung zur 1. Säule, der AHV, gestaltet. Die berufliche Vorsorge hat als 2. Säule neben der AHV/IV/EL als 1. Säule die Aufgabe, den Versicherten die Fortsetzung ihrer bisherigen Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen. Sie strebt dabei an, mit der ersten Säule zusammen ein Renteneinkommen von rund 60 Prozent des letzten Lohnes zu erreichen. Das BVG-Obligatorium gilt für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die schon in der 1. Säule versichert sind und mindestens 24 885 Franken verdienen. Dies stellt die Eintrittsschwelle in das Obligatorium der beruflichen Vorsorge dar und entspricht 7/8 der maximalen AHV-Altersrente. Ab einem Alter von 25 Jahren wird auf dem persönlichen Konto der Versicherten für die Altersrente angespart.

Das vorhandene Kapital wird bei der Pensionierung momentan noch von den meisten Pensionskassen mit einem Umrechnungsfaktor von 6,8 Prozent in die jährliche Altersrente umgewandelt. Die sogenannten Altersgutschriften sind die Lohnabzüge, welche auf das persönliche Sparkonto der Pensionskasse kommen und im Pensionsalter gutgeschrieben werden. Diese Lohnabzüge sind gemäss Tabelle gestaltet. Die Berechnung des Koordinationsabzugs auf der Basis des AHV-Lohns scheint dabei sinnvoller zu sein als die einfache Halbierung des heutigen Abzugs. Durch die Berücksichtigung eines Prozentsatzes ist es nämlich möglich, Teilzeitbeschäftigte besser abzudecken. Ausserdem ist dieser Vorschlag gerechter, da er den Bedarf der Versicherten an Absicherung berücksichtigt. Dies erzeugt ein geringerer Abzug für bescheidene Einkommen, die eine proportional höhere Rente benötigen.

Eine tiefe Eintrittsschwelle kann sich auch negativ auswirken. Wenn die Lohnabzüge für die tiefen Löhne so hoch sind und dadurch der Nettolohn so tief wird, werden sich viele fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, einer Arbeit nachzugehen. Auch für den Arbeitgeber wird es nicht mehr interessant sein, Teilzeitanstellungen anzubieten. Dies spricht für eine moderate Senkung des Koordinationsabzuges und nicht für eine Abschaffung.

Die Strafe für Mehrfachangestellte kann mit einer Anpassung von Art. 46 BVG komplett eliminiert werden. Was viele nicht wissen: bereits heute haben Arbeitnehmer in Mehrfachanstellungen die Möglichkeit, sich zusätzlich für die nicht versicherten Lohnanteile versichern zu lassen. Die 3 BVG-Reform-Modelle, welche jetzt auf dem Tisch liegen. Welches Modell finden Sie am besten?

Rentner von 2085 sind schon hier

Die Tabelle zeigt die verschiedenen Annäherungen an das Problem der Unterfinanzierung des BVG. Dabei ist das jetzige System für sich schon disqualifiziert, denn genau dieses System funktioniert nicht, respektive führt zu massiven Umverteilungen von den heutigen jungen Einzahlern zu den Bezügern. Eine faire Lösung sollte die jetzigen Bezüger nicht schlechter stellen, zugleich aber auch die Einzahlungen der Jungen nicht für Querfinanzierungen der Älteren verwenden.

Das Ganze ist zu einem grossen Teil ein mathematisches Problem, überlagert durch die Politik – bei solchen Diskussionen wäre man froh, wenn kühle Rechner – also Buchhalter, Mathematiker, Ingenieure oder Physiker – mitentscheiden könnten. Denn die Rentenbezüger vom Jahr 2085 sind bereits geboren – also ist eine Konstante schon gegeben, wenn nicht zu viel eingewandert wird.

27. August 2021 Therese Schläpfer