Lauter Jubel im Leutschenbach

Kolumne Lauter Jubel im Leutschenbach - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser jubelt über die Wiederwahl von Emmanuel Macron. Bild SRF

Die Wiederwahl des französischen Staatspräsident Emmanuel Macron verlief harzig. Umso lauter war der Jubel seiner Anhänger. Mittendrin stand die Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, Alexandra Gubser, die freudig erregt kommentierte: «Es war ein kollektives Aufatmen. Man hat richtiggehend gesehen, wie der Stein von ganz vielen Herzen fällt, auch von meinem. Weil die Alternative so schwer vorstellbar gewesen wäre. Das wäre ein solcher Alptraum gewesen, das mochte man sich gar nicht vorstellen. Die Erleichterung ist riesig.»

Abseits von solchem Festhüttenrummel müsste man sich fragen, ob bei einem Stimmenanteil von 58 Prozent für Macron von einem «kollektiven Aufatmen» gesprochen werden darf. Denn 42 Prozent dieses aufatmenden «Kollektivs» haben Marine Le Pen gewählt – und verfügen offensichtlich über ganz andere Atmungsorgane. Schlimmer noch, dass die SRF-Korrespondentin den Zuschauern ihre persönliche Gefühlslage zumutet. Welche Steine ihr vom Herzen fallen, ist dem Zwangsgebühren-Publikum vollkommen gleichgültig. Die ganz offensichtliche Parteinahme widerspricht den SRF-Richtlinien von «Sachgerechtigkeit» und «Meinungsvielfalt».

Ansonsten sympathisiert das Schweizer Fernsehens zuverlässig mit allen Geplagten, Geschundenen und Getretenen dieser Welt. Doch jetzt kein Wort darüber, warum in Frankreich vor allem die sozial Benachteiligten Marine
Le Pen gewählt haben. Keine ­Analyse der sich auftürmenden Probleme. Hauptsache, Macron lässt überall die EU-Flagge flattern. Professionalität, kritische Distanz und unparteiische Einordnung sind und bleiben Fremdwörter im öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen.

Dabei kann SRF anderweitig nicht genug jammern, schimpfen und klagen über den zu geringen Frauenanteil in der Politik. In den Gemeinderäten, Parlamenten und Regierungen – überall sei das weibliche Geschlecht untervertreten. Doch die politisch rechts­stehende Marine Le Pen ist offenbar für SRF keine richtige Frau. Oder ist möglicherweise der glanzlos wiedergewählte Emmanuel Macron kein richtiger Mann?

28. April 2022 Christoph Mörgeli