Mauch und das M-Wort

Gesellschaft Mauch und das M-Wort - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Bei den drei Königen spielte die Hautfarbe offenbar keine Rolle. Bild Wikipedia (Meister von Messkrich)

VERKRAMPFTE SPRACHÜBUNGEN ZUM BEGRIFF «MOHR»
Auf zwei Altstadtliegenschaften der Stadt Zürich sollen «Inschriften mit rassistischer Wirkung» abgedeckt werden. Die Medienmitteilung quält sich in gewundenen Formulierungen ans Ziel. Geschwurbelt wird vom M-Wort, das es offenbar aus dem öffentlichen Raum und Sprachgebrauch zu verbannen gilt.

Das M-Wort, der unaussprechliche Begriff, meint die Bezeichnung «Mohr» für einen Menschen dunkler Hautfarbe. Noch vor kurzer Zeit hätte im Deutschunterricht auf Sekundarstufe (Niveau A oder B) wohl kaum jemand Wort und Bedeutung gekannt. Der Begriff «Mohr» war schon fast ausgestorben. War der Begriff «Mohr» je abschätzig? Ob ein Wort wertneutral, positiv oder negativ gemeint ist, hängt letztlich immer von der Intention des Absenders ab. Wer im Duden zum Beispiel den Begriff «Schwabe» nachschlägt, findet als Bedeutung lediglich lakonisch «Einwohnerbezeichnung für Schwaben».

Kaspar, Melchior und Balthasar

Es ist Advent und mancherorts stellen wir wieder Krippen auf. Da jedenfalls tritt er durchaus als VIP auf, der «Mohr», als einer der drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar. Das hochrangige Trio erweist gemeinsam dem Jesuskind die Reverenz, ohne dass die Hautfarbe im Geringsten eine Rolle spielen würde.

Vor diesem Hintergrund wirkt es schon erstaunlich, dass der Begriff auf den Index von Sprache und Kultur gesetzt werden soll. Der Verdacht steht einfach im Raum, dass die Protagonisten der Hexenjagd gegen das Wort «Mohr» auf Teufel komm raus eine Diskussion am Laufen halten wollen, die mittlerweile wirklich überflüssig ist.

Wer Menschen welcher Herkunft und Wesensart auch immer verbal verunglimpfen will, findet dafür stets passende Code-Wörter. Sprachliche Verrenkungen von offizieller Seite sind gerade deshalb kontraproduktiv. Vor ein paar Jahren schon waren staatliche Stellen darum bemüht, das Adjektiv «verhaltensauffällig » zu ersetzen, um einer damit verbundenen verbalen Stigmatisierung entgegenzuwirken. Die Alternative «verhaltensoriginell», die (vermeintlich) kreative Beamte damals aus dem Hut zauberten, etablierte sich allerdings sofort als neuer Code- Begriff mit noch intensiverer Abwertung. Es gibt kaum ein besseres Beispiel für einen Rohrkrepierer staatlicher Sprachlenkung.

Stadt macht 30 000 Franken locker

Zurück zu den Altstadtliegenschaften und den Inschriften. Bei der Abdeckung will es die Stadt nicht bewenden lassen. Es braucht obendrauf ein Forschungsprojekt, um das Ganze zu «kontextualisieren ». Auf Anfrage des «Zürcher Boten» liess die Stadtpräsidentin über eine ihrer Stabsmitarbeiterinnen wissen, die Kosten für diese Untersuchung würden sich wohl auf rund 30 000 Franken belaufen. Ein Bagatellbetrag ist das nicht, gerade angesichts von drohenden Defiziten in dreistelliger Millionenhöhe über die kommenden Jahre.

3. Dezember 2021 SVP Kanton Zürich