Moralbank namens Raiffeisen

Kolumne Moralbank namens Raiffeisen - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

WASSER PREDIGEN UND WEIN TRINKEN

Ein überparteiliches Komitee hat das Referendum gegen die «Ehe für alle» zustande gebracht – aus der politischen, gesellschaftlichen oder religiösen Überzeugung, dass die Ehe Mann und Frau vorbehalten bleiben sollte. Und aus Bedenken gegen das Adoptionsrecht schwuler Paare. Oder gegen den Zugang lesbischer Paare zu Samenspenden.

Egal, wie man dazu stehen mag: Das Referendumsrecht gehört zu den ganz wichtigen Errungenschaften unserer direkten Demokratie. Eigentlich setzt die Vorlage «Ehe für alle» zwingend eine Verfassungsänderung voraus. Dann wäre das Referendum nicht nötig geworden, die Volksabstimmung hätte obligatorisch durchgeführt werden müssen. Denn die geltende Verfassung sieht das Recht auf Ehe zwingend für Mann und Frau vor: «Es erstreckt sich weder auf Ehen zwischen Transsexuellen noch auf homosexuelle Ehen.» Doch das Parlament bog einmal mehr das Recht und will die «Ehe für alle» auf Gesetzesstufe einführen. Ist diese «Ehe für alle» erst einmal da, gibt es keine Begründung mehr, weshalb die islamische, afrikanische oder mormonische Vielehe nicht auch gestattet werden muss. Denn «alle» heisst «alle».

 Jetzt verweigert die Raiffeisenbank Zug dem Komitee gegen die «Ehe für alle» ein Konto. Angeblich wegen des «Reputationsrisikos ». Ausgerechnet die Raiffeisenbank spielt Sittenwächter und Moralapostel des Zeitgeistes. Ausgerechnet die Raiffeisenbank sorgt sich um ihren guten Ruf und ihre Reputation. Sie beurteilt die Verteidiger der Ehe zwischen Mann und Frau als rückwärtsgewandt, ewiggestrig und unappetitlich. Im Gegensatz zum porentief reinen Geldinstitut Raiffeisen. Wer will sich noch erinnern, dass ebendiese blitzblank saubere Bank Raiffeisen erst noch die Stripp- und Sumpfeskapaden ihres Geschäftsführers bezahlt haben soll? Und zwar mit dem Geld ihrer Kunden. Jetzt rümpft die feine Raiffeisenbank die Nase über die Gegner der «Ehe für alle». Wer die Moral verkündet, hat keine. Sobald die Sittenlehrer predigen, nimmt die Sittlichkeit ab. Die Raiffeisen-Sittsamen kennen wir sattsam.

16. April 2021 Christoph Mörgeli