Neutralität einst und jetzt

Kolumne Neutralität einst und jetzt - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die Schweizer Neutralität ist ein rares Gut, welches immer wieder unter Beschuss steht.

Wer die dauernd bewaffnete, immerwährende Neutralität nicht will, macht sie unglaubwürdig.

Die Neutralitätsmüden sitzen in Universitätsinstituten, Redaktionsstuben und Ratssälen. Der Historiker Jakob Tanner meint, die Neutralität sei nicht mehr als ein «Geschäftsmodell », damit «die Kasse klingeln kann». Selbstverständlich hat es nichts mit einem Geschäftsmodell zu tun, wenn Tanner in der Expertenkommission «Schweiz- Zweiter Weltkrieg» 311 331 Franken kassiert hat – ohne am Bericht eine einzige Zeile beizutragen. Überhaupt sei das Überleben im Krieg «mit massiven Verletzungen des Neutralitätsrechts erkauft » worden, fügt Tanner bei. Auch die «Republik» bemängelt, dass die Schweiz im Zweiten Weltkrieg ihre Neutralität «zuweilen opportunistisch» gehandhabt hätte. Der «Nebelspalter» rügt, die Schweiz habe damals den Nazis in beträchtlichem Umfang Waffen geliefert, grosszügig Kredite gewährt und den Amerikanern erlaubt, eine Spionagezentrale zu unterhalten. Der Präsident der Mitte-Partei behauptet, die Schweiz habe ihre Neutralität im Zweiten Weltkrieg «halbgrau ausgelegt ».

Bei der Aufzählung all dieser wirklichen oder vermeintlichen Sünden stellen sich die Fragen: Warum dürfen wir es in der Gegenwart nicht besser machen? Warum müssen wir die Fehler der Vergangenheit wiederholen? Warum haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Stattdessen sollen all die zitierten Rügen, welche die Geschichte betreffen, jetzt das neuerliche Durchwursteln und Schummeln der Schweiz im Ukrainekrieg rechtfertigen. Nur noch grotesk ist die Pose, unser Land sei bereit, durch die Verteidigung angeblicher westlicher Werte unter Preisgabe der Neutralität einen Wohlstandsverlust in Kauf zu nehmen. Und ein mutiges Opfer zu bringen. Wahr ist, dass die Hasenfüsse in Politik und Wirtschaft in Angstschweiss schlottern, es könnten uns ein paar Franken entgehen, wenn wir dem Druck der USA und der EU nicht nachgeben. Es waren die Banken, die vom Bundesrat verlangt haben, die vollen Sanktionen gegen Russland zu übernehmen. Jetzt spielt man Held. Und will bloss Geld.

1. September 2022 Christoph Mörgeli