«Nun können wir uns dem Links-Bünzli zuwenden»

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Allzu viel redaktionelle Morgengymnastik, wie sie der Nebi 1939 empfahl, wird man von Markus Somm und seinem Team nicht erwarten dürfen. Bild: zVg

INTERVIEW MIT MARKUS SOMM
Der Nebelspalter ist eine traditionsreiche Institution der Schweizer Medienlandschaft. Im Gespräch verrät Publizist  und Verleger Markus Somm, warum er viel humoristisches Potenzial im linken Politspektrum erkennt. Der Nebi enthält  künftig nebst Satire auch einen «seriösen Teil», u.a. um auf die Irrwege des Staates hinzuweisen. 

Was war Ihr Hauptmotiv, um sich beim  «Nebi» zu engagieren? 

Der Nebelspalter ist eine der grossen  Marken der Schweizer Mediengeschichte:  1875 gegründet, hat er so gut wie  jedes historische Ereignis seither auf  seine unverwechselbare Art festgehalten.  Er hat kommentiert, er hat gespottet,  er hat Mut gemacht. Als Historiker  – und das war sicher eine Schwäche,  die mich zu diesem Kaufentscheid  verleitet hat – kenne ich Dutzende von  Karikaturen, die mir unsere Geschichte  besser erklärt haben als Hunderte  von klugen Texten darüber. Der Nebi  war dabei, als der erste August im Jahr  1891 das erste Mal gefeiert wurde, der  Nebi war dabei, als der Erste Weltkrieg  ausbrach, der Nebi war dabei, als der  Generalstreik 1918 das Land erschütterte,  der Nebi war dabei, als die Nazis  uns bedrohten, und er war dabei, als  die 68er in Zürichs Strassen demonstrierten.  Eine solche grandiose Marke  frisch zu polieren und für die nächsten  hundert Jahre zukunftsbereit zu machen,  ist eine grosse Herausforderung,  aber auch eine Ehre. Eine Herzensangelegenheit.  Der Nebelspalter ist Teil  der DNA unseres Landes. Es gibt kaum  einen anderen Titel, der so schweizerisch  wirkt.

Das mag eine stolze Geschichte sein,  aber warum sollen die Leser, oder  besser die Nutzer, sich heute auf so  eine alte Marke einlassen? 

Ich habe mir das lange überlegt. Wenn ich eine neue digitale News-Plattform  lanciere, soll ich eine neue Marke schaffen  oder auf einer alten aufbauen? Es  spricht für beides vieles und manches  dagegen, sodass am Ende mein Instinkt  überwog. Der Nebelspalter – und das  habe ich jetzt bemerkt, seit unsere  Übernahme bekannt geworden ist – hat  einen festen Platz im Unterbewusstsein  von uns Schweizern. Ohne dass  wir lange nachdenken, ist er uns vertraut.  Er ist ein Freund, den wir vielleicht  lange nicht getroffen haben, aber  kaum tritt er zur Türe herein, nehmen  wir den Gesprächsfaden dort wieder  auf, wo wir ihn liegen gelassen  haben. Das bedeutet eine enorme Stärke  eines Titels. So gesehen liegt es allein  an uns, sollte der neue Nebi nicht  reüssieren.

Satire mit politisch rechts orientierter  Stossrichtung: Warum ist das in der  Schweiz ein Must? 

Satire muss gar nichts. Sie muss weder  rechts noch links. Aber was stimmt:  Satire sollte die Mächtigen aus der Ruhe bringen. Witz, Spott, Humor und Gelächter  sind immer subversiv: Sie sind  die scheinbar harmlosen Waffen der  Schwachen. Satire ist dann gut, wenn  sie nach allen Seiten austeilt. Das ist in  der DNA des «Nebelspalters» ebenso  enthalten.  In den 30er- und 40er-Jahren hat der  «Nebelspalter» genauso gegen die Nazis  gekämpft wie gegen die Kommunisten.  So bleibt man glaubwürdig.  Ausserdem geht Satire durchaus auf  die Tätigkeit des Hofnarren zurück,  der alles sagen durfte, solange er lustig  war. Der Nebelspalter muss lustig sein.  Punkt. Ob das einmal die Linke trifft  oder die Rechte, darauf kommt es  nicht an.

Der deutsche Komiker Dieter Nuhr  meinte sinngemäss, Satire müsse  zum Nutzen der Schwachen sein bzw.  dürfe sich nicht gegen sie richten.  Die (führenden) rechten Kreise in der  Schweiz werden indessen (fast) per  se als «stark», ja sogar mächtig wahrgenommen. Riskiert ein offensiverer  «Nebi» nicht einen Shitstorm nach  dem anderen? 

Ich halte das für ein Missverständnis.  Wer ist heute an der Macht? Die SP  oder die Bürgerlichen? Formell sieht  es zwar aus, als besässen die Bürgerlichen  immer noch die Mehrheit, aber  bei näherem Hinsehen erweist sich  doch, dass die Bürgerlichen eigentlich  nur noch in der privaten Wirtschaft  vorherrschen.  Das ist gewiss ein sehr bedeutender  Bereich, aber alle anderen Institutionen  befinden sich in der Hand der Linken.  Das ist für Satiriker keine schlechte  Nachricht, im Gegenteil.  Wenn ich an die Linke denke, dann  erkenne ich deshalb sehr viel humoristisches  Potenzial. Es ist doch lustig, wie  jene Leute, die einst als Rebellen angetreten  sind, heute im Staat Vorschriften  am Laufband produzieren. Wo ist  ihr anti-autoritärer Impetus geblieben?  Heute wirken sehr viele Linke konformistisch  und brav. Das entspringt einer  gewissen Logik. Wer heute Karriere  machen will, wird mit Vorteil links: An  der Uni, in der Verwaltung, in der Diplomatie,  im Kulturbetrieb, in der Kirche,  in den Medien dominiert die Linke.  Hat es früher die Karriere befördert,  wenn man in der FDP war, hilft es heute  in fast allen Institutionen, wenn man  grün oder bei der SP mitmacht oder  einfach links tickt. Die Linke ist an der  Macht. Also bietet sie sehr viele Angriffsflächen  für kritischen oder satirischen  Journalismus. Nahm der Nebi  früher den Bünzli aufs Korn, können  wir uns nun dem Links-Bünzli zuwenden.  Leuten, die tun, als wären sie ganz  wilde Querdenker, tatsächlich aber angepasste  Langweiler sind.

Altgediente Nebelspalter-Leser  haben noch Grossmeister wie  Horst Haitzinger in Erinnerung. Wie  wichtig sind Karikaturen im  «New Nebi»?

Überaus wichtig. Denn das zeichnet die  ganz eigene Sprache des Nebi aus, wo  uns niemand etwas vormachen kann.  Es ist wie mit einer guten Geschichte:  Die Menschen lieben gute, lustige Zeichnungen.  Und kaum eine journalistische  Form ist wirkungsmächtiger als  die Karikatur.

Welche Ideen haben Sie mit Blick auf  die Digitalisierung des Nebelspalters? 

Was sicher die auffälligste Neuerung  darstellt: Wir möchten den alten Nebi,  wo Satire so gut wie das ganze Heft bestimmte,  mit einem «seriösen» Teil ergänzen.  Mein Vorbild ist der «Canard  enchaîné» aus Frankreich. Wir möchten  weiterhin Satire bringen, aber  gleichzeitig als eine ganz normale News-  Plattform auftreten. Hier wird nicht  gelacht, sondern die Stirn gerunzelt!  Nein, im Ernst: Wir bringen Recherchen,  Kommentare, Analysen, die in  jeder anderen Zeitung stehen könnten,  abgesehen davon, dass wir im Gegensatz  zum üblichen Mainstream nicht  links oder linksextrem positioniert sind,  sondern eine dezidiert bürgerliche  Haltung vertreten.

Worüber wird der «seriöse» Nebi  berichten?

In unserer politischen Berichterstattung  legen wir drei Schwerpunkte:  Erstens das Verhältnis zu Europa, beispielsweise  das Rahmenabkommen,  zweitens der Staat und seine Irrwege.  Der Staat ist viel zu gross, macht viele  Sachen falsch oder erledigt Dinge, die  wir Bürger und die Privatwirtschaft  selber besser können. Die Corona-Politik  bietet leider ein anschauliches Beispiel  dafür. Hier gibt es viele Möglichkeiten  für kritische Artikel, die bisher  kaum irgendwo erschienen sind. Der  Staat und seine Irrwege sind sicher das  grosse Thema, das wir mit einer liberalen  Grundhaltung angehen möchten.  Der Staat muss schrumpfen und billiger  werden, es gibt einfach viel zu  viele Beamte, die den ganzen Tag regulieren  und sich Vorschriften ausdenken,  wie sie sich in unser Leben einmischen  können. Freiheit war einmal das  grösste Anliegen der Journalisten. Das  nehmen wir uns wieder zu Herzen.  Kurz: Wohin man blickt, sieht man  Staatsversagen. Eine Goldgrube für uns  Journalisten.  Der dritte grosse Gegenstand ist  Energie- und Klimapolitik. Der Klimawandel  findet statt und der Mensch  hat daran einen Anteil. Das ist ein ernstes  Problem, das wir bewältigen müssen.  Im Gegensatz zu den Linken möchten  wir aber Alternativen anbieten, intelligente  Lösungen, die uns nicht in  die Steinzeit zurückwerfen, sondern  die Moderne retten. Manche Linken,  so mein Eindruck, träumen von der  kommunistischen Urgesellschaft, wo  alle Menschen frierend am kleinen  Feuer sassen.  Der neue Nebelspalter wird Mitte  März lanciert auf: nebelspalter.ch.  Unter dieser Adresse können auch  Abonnements gelöst werden. Wer bis  zu diesem Zeitpunkt auf dem Laufenden  gehalten werden möchte, registriert  sich am besten auf: klarsicht.ag.

14. März 2021 SVP Kanton Zürich