Schrödingers Katze

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Der Philosoph Voltaire (1694– 1778) sagte einst: «Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.» Artikel 19 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von den vereinten Nationen in Paris verabschiedet wurde, räumt genau dieses Recht jedem Menschen ein: «Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.»

Doch genau dieses Recht hat in den letzten 11/2 Jahren extrem gelitten. Schlussendlich geht es bei den Diskussionen um die Impfung, die PCR-Tests und die Corona-Mutationen darum, was wahr ist. Doch was ist Wahrheit? Wie findet man sie heraus? Es wird gerne gesagt, dass es «Die Wahrheit» nicht gibt, Hauptsache, jeder hat seine eigene Wahrheit. Doch schon dieser Satz ist ein Widerspruch in sich. Es muss eine Wahrheit geben – «Die Wahrheit»!

Es ist wie mit Schrödingers Katze, ein Gedankenexperiment aus der Physik. In einem geschlossenen Kasten befindet sich eine Katze und ein instabiler Atomkern, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfällt. Der Zerfall löst mittels eines Geigerzählers die Freisetzung von Giftgas aus, welches die Katze tötet. Die Frage stellt sich nun, ist die Katze tot oder lebendig. Sie könnte sowohl als auch sein. Solange niemand nachschaut, wird man die Frage nicht beantworten können. Und trotzdem gibt es «Die Wahrheit».

Entweder lebt die Katze oder sie ist tot. Genauso ist es mit all den Fragen rund ums Thema Corona. Auch hier gibt es «Die Wahrheit». Aber wie auch sollte man alles überprüfen können, was man täglich hört? Man kann nicht einfach nachschauen wie bei der Katze. Es wäre zu schön, wenn man so «Die Wahrheit» herausfinden könnte. Schlussendlich ist es eine Frage des Glaubens. Wem glaubt man mehr? Welchen Argumenten? Welchen Studien? Genau darum ist es so wichtig, dass man verschiedene Meinungen zulässt, sich anhört, was der andere zu sagen hat, und ihn nicht gleich diffamiert. Im Radio habe ich gehört, dass 40% der Freundschaften zerbrochen sind.

Auch ich finde teils Aussagen und Argumente meiner Bekannten fragwürdig und sie entsprechen nicht dem, was ich für «Die Wahrheit» halte. Ganz nach Voltaire, ich kann ihre Meinungen nicht teilen, ja manchmal verzweifle ich fast wegen ihrer Argumentationen und hasse, was sie sagen. Und doch ist es für die Meinungsbildung unabdingbar, dass das Gegenüber frei seine Meinung kundtun darf. Denn nur so funktioniert unsere Demokratie! Sie müssen nicht mit allem einverstanden sein, was ich in meinen Kolumnen schreibe. Sie können hassen, was ich schreibe, aber würden Sie Ihr Leben dafür geben, dass ich weiterhin von diesem Recht Gebrauch machen darf?

24. September 2021 Maria Wegelin