Schule: Anforderungen gestiegen?

Fadegrad Maskenpflicht an Zürcher Schulen wurde aufgehoben - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Konzept Schule: Was ist wirklich neu?

Mathias Binswanger veröffentliche im Online-Nebelspalter den Artikel «Der mittelmässige Akademiker als neues Bildungsideal».

Grundsätzlich empfehle ich Ihnen diesen Artikel sowie den Nebelspalter zur regelmässigen Lektüre. Lassen Sie mich nun aber nach dieser Schleichwerbung zum Thema kommen. Im besagten Artikel ist von einem Teufelskreis die Rede, nach welchem die Anforderungen in vielen Berufen steigen und demzufolge auch immer höhere Qualifikationen in den Stellenausschreibungen zu finden sind. Dass die Anforderungen an die Berufseinsteiger steigen würden, ist eine viel zitierte These. Ich stelle diese These in Abrede. Fragen wir uns doch mal ganz nüchtern: Was hat sich in den letzten 50 Jahren in der Mathematik verändert? Weder das kleine noch das grosse Einmaleins haben sich verändert. Ein Dreisatz löst man immer noch wie in den 70er-Jahren, als ich zur Schule ging. Ich wüsste auch nicht, dass sich am geometrischen Grundwissen wie dem Satz des Pythagoras oder dem Höhensatz des Euklid etwas verändert hätte?

Wie sieht das in den Bereichen Physik und Chemie aus? Kraft ist immer noch Masse mal Beschleunigung und Arbeit ist Kraft mal Weg. Geschwindigkeit ist Weg pro Zeit und wird noch immer in Kilometer pro Stunde angegeben. Auch das Periodensystem der Elemente bedurfte ebenfalls keiner Gesamtrevision.

Ist es bei den Sprachen etwa anders? Mir persönlich wäre nichts bekannt. Französisch ist immer noch Französisch und Englisch bleibt Englisch. Das Wasser ist immer noch nass und der Tag hat immer noch 24 Stunden. Die Erde braucht noch immer ein Jahr, um die Sonne zu umrunden und daraus erfolgen unsere Jahreszeiten. Sauberkeit und Ordnung sind noch immer wichtige Softskills, wie man heute so schön sagt. Aufmerksamkeit und Leistungswille gehören ebenfalls dazu. Und zwar nicht erst seit heute; das war schon früher so. Hat nun etwa der Computer alles verändert? Ja, das hat er. Aber an den Grundlagen, welche unsere Kinder in ihrer Grundausbildung vermittelt kriegen sollten, hat der Computer definitiv nichts verändert. Wer das Leben nicht versteht, wird auch den Computer nicht verstehen. Mir scheint aber, dass immer weniger Schulabgänger diese Grundlagen kennen und beherrschen. Die Gründe dafür dürften nicht bei den Kindern liegen. Diese liegen bei dem von uns Erwachsenen geschaffenen Umfeld. Heutzutage werden die Kinder bis zu ihrer Unfähigkeit beschützt, betreut und gefördert. Es wird alles für sie erledigt, ausser dass man sie zu selbstständigen Erwachsenen erzieht.

21. Juli 2022 Daniel Oswald