Schwarze und weisse Schwarzfahrer

News Schwarze und weisse Schwarzfahrer - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Bei manchem Spiel darf man gespannt sein, wie es künftig wohl politisch korrekt heissen soll. Bild Screenshot Homepage Ravensburger

BETRACHTUNGEN ZUR DRUCKTECHNISCH MIT KEY BEZEICHNETEN FARBE
In den vergangenen Monaten durften wir unter anderem lernen, dass Jasskarten rassistisch seien, weil darauf keine schwarzen Menschen abgebildet sind, und dass klassische Musik nicht gespielt werden sollte, weil es in der damaligen Zeit keine schwarzen Komponisten gab. Seither hat dieses Thema weiter an Fahrt aufgenommen. Es wird immer deutlicher klar: Es gibt nichts, das nicht rassistisch ist.

Falls jemand der Meinung gewesen sein sollte, mit einem Verzicht auf Mohrenköpfe das Gewissen beruhigen zu können, wird er eine arge Enttäuschung erleben. Neuerdings ist nämlich jeder Begriff rassistisch, der das Wort «schwarz» enthält. Der Senat in Berlin zum Beispiel zeigte vergangene Woche mit neuen Sprachregeln den Weg auf, der mit Sicherheit bald auch in der Schweiz beschritten werden wird: Im neuen Leitfaden für alle Amtsstellen wird das Wort «schwarz» grundsätzlich umgangen. So heisst es nun nicht mehr Schwarzfahrer, sondern Fahrer/Fahrerin ohne gültigen Fahrschein. Das klingt für die Denker im Land der Dichter offenbar elegant. Und «anschwärzen» wird durch «melden» ersetzt. Dieses Verb hat allerdings nicht dieselbe Bedeutung wie «anschwärzen», trifft also nicht genau ins Schwarze, aber es hat wenigstens eine weisse Weste. Und die Wörter «Schwarzmarkt» und «Schwarzgeld » spricht man besser nur noch in schwärzester Nacht aus, wenn einen niemand sehen kann.

Schwarze und weisse Löcher

Aber auch im Weltall muss einiges neu benannt werden. So sehen es zumindest die Professoren der amerikanischen Eliteuniversität Cornell. Die schwarzen Löcher zum Beispiel seien von weissen Astronomen so benannt worden, weil sie von ihrem Rassismus dazu verleitet worden seien. Die grosse Frage lautet aber eher, wie es Leute, die so etwas behaupten, zu einer Professur gebracht haben. Da muss schwarze Magie im Spiel gewesen sein. Ähnlich intelligente Menschen haben ausserdem herausgefunden, dass das Schachspiel rassistisch sei, weil immer der Spieler mit den weissen Figuren beginnen darf. Gegen solch absurde Gedanken hilft nur noch schwarzer Humor: Klavierspieler sollten darum auf ihrem Instrument die schwarzen und weissen Tasten austauschen, damit die schwarzen nicht mehr in Unterzahl sind. Aber lassen Sie das bloss nicht mit Schwarzarbeit erledigen! Nach getaner Arbeit empfiehlt sich zur Entspannung eine heisse Tasse Schwarztee. Schwarzer Kaffee geht auch.

Schwarzer und weisser Reis

Mit dem Klavier ist es zum Glück noch nicht so weit, aber die Realität ist seltsam genug: In den nächsten Monaten wird nämlich auch in der Schweiz Uncle Ben’s von den Reispackungen verschwinden. Er erinnere an die Sklaverei. Aber ist es nicht eher so, dass diejenigen Leute, die in jedem dunkelhäutigen Gesicht einen Sklaven oder einen Schwarzfahrer sehen, zuerst einmal ihre eigenen Vorurteile hinterfragen sollten? Überall eine Diskriminierung zu erkennen, wird in unserer Gesellschaft leider kräftig gefördert, in den Medien, in den Schulbüchern und von den unzähligen Fachstellen, die sich selbst ja nicht arbeitslos machen wollen. Deshalb muss man immer neue Ungerechtigkeiten erkennen – oder erfinden. Dabei wäre die Welt eine bessere, würde man sich nicht auf die Dinge konzentrieren, die jemanden beleidigen könnten, sondern auf die Dinge, die inspirieren.

Schwarzes und Weisses Haus

Diese Entwicklung hat wie vieles andere ihren Ursprung in den USA. Der Kniefall gegen Rassismus zum Beispiel, den alle Fussballer an der Europameisterschaft vor dem Anpfiff vorzeigen mussten, wurde durch einen amerikanischen Footballspieler bekannt. Blöd nur, wenn gewisse Mannschaften diesen Kniefall fleissiger trainierten als das Elfmeterschiessen. Bei einem Aufenthalt in einer amerikanischen Grossstadt vor einigen Jahren nahm ich in einem Geschäft erstaunt die Auslage der Kinderbücher wahr. Es wurden nur neun Bücher angeboten. Fünf davon hatten erzieherischen Inhalt. Wie man ein Aktivist gegen Rassismus wird zum Beispiel oder wie man weisse Menschen als Rassisten ertappen kann. Wird die Zukunft frei von Rassismus sein, wenn man schon Kleinkinder einseitig beeinflusst? Wohl kaum. Schwarz sehe ich allerdings für das Weisse Haus in Washington. Das wird man demnächst vermutlich in «das Haus» umbenennen. Eine andere Möglichkeit wäre, es in Regenbogenfarben zu bemalen.

22. Juli 2021 Tobias Infortuna