Schweiz-Verächter an der Spitze

Kolumne Schweiz-Verächter an der Spitze - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Mit der Schweiz kann er nicht mehr viel anfangen und doch wurde Tim Guldimann für eine zweite Amtsdauer in den Museumsrat gewählt. Foto: Wikipedia

Mit der Schweiz kann er nicht mehr viel anfangen. Und mit dem Begriff Nation noch weniger. Und mit allem, was einen musealen Anstrich trägt, erst recht nicht. Dennoch soll genau er für weitere vier Jahre das Schweizerische Nationalmuseum präsidieren: Soeben hat der Bundesrat den Ex-Diplomaten und früheren SP-Nationalrat Tim Guldimann für eine zweite Amtsdauer in den Museumsrat gewählt, die strategische Spitze der Landesmuseen in Zürich, Schwyz und Prangins.

Dass die Persönlichkeit von Tim Guldimann den Bundesrat auch für die Amtsdauer 2022 bis 2025 begeistert, mag überraschen. Immerhin hat Guldimann exakt diesen Bundesrat eben erst mit Kartoffeln gleichgesetzt, denen die Augen erst aufgehen würden, wenn sie im Dreck steckten. Grund von Guldimanns Zornesausbruch bildete der bundesrätliche Entscheid, den EU-Anbindungsvertrag nicht zu unterzeichnen. Doch dies genügte dem in seinem ganzen Berufsleben steuerfinanzierten Staatsangestellten nicht.

Tim Guldimann gab eine weitere Nettigkeit preis: Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und vor Kurzem auch erhalten, ist also neuerdings Angehöriger jenes Staates, in dem er als Schweizer Botschafter in Berlin hätte die Schweizer Interessen vertreten müssen. Nach eigenen Worten wegen seiner «langjährigen Frustration mit unserer Europapolitik ». Guldimann schimpft über die «überbewertete Neutralität » und die «europapolitische Abschottung». Und ist nach eigenem Bekunden «stolz darauf, jetzt auch einen Pass zu haben, auf dem Europäische Union steht». Nun wird also jemand, der sich demonstrativ von seinem Heimatland abwendet, ja es eigentlich recht verachtet, weiterhin damit betraut, das historische Erbe der Schweiz zu hüten und zu pflegen. Guldimanns SP-Mitgliedschaft ist im Innendepartement von Alain Berset Empfehlung genug. Hoffen wir, dass die grossartigen Bestände unserer Landesmuseen nicht allzu sehr darunter leiden. Und trösten wir uns damit, dass niemand so viel Dummheiten zu hören bekommt wie die ausgestellten Objekte in den Museen.

10. Dezember 2021 Christoph Mörgeli