Sind 26 Milliarden viel?

Wirtschaft Sind 26 Milliarden viel? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die Nationalbankerträge sind nicht dazu da, uns in einer wirtschaftlichen Hängematte auszuruhen. Bild Pixabay

NATIONALBANKGEWINN
Einmal mehr hat die Schweizerische Nationalbank, SNB, einen beachtlichen Gewinn eingefahren: 26 Milliarden Franken für das Geschäftsjahr 2021. Angesichts der überschiessenden Begehrlichkeiten namentlich von gewerkschaftlicher und linker Seite ist es angezeigt, diesen Betrag einzuordnen.

Mit was soll man das aktuelle Ergebnis der SNB vergleichen? 26 Milliarden Franken sind zunächst eine unfassbar grosse, abstrakte Summe; eine Zahl mit neun Nullen. Die SNB könnte damit die ganze Credit Suisse (Börsenkapitalisierung Ende Jahr gemäss «Cash» 24,3 Milliarden Franken) kaufen. In dieser Bandbreite rangieren auch das Telekomunternehmen Swisscom oder der weltweit bekannte Aufzughersteller Schindler.

Vergleicht man Gewinn mit Gewinn, dann erwirtschaftete die SNB 2021 etwas mehr als doppelt so viel, wie Nestlé – der derzeit wertvollste Schweizer Konzern – 2020 (12,2 Milliarden Franken) als Überschuss auswies.

Aussagekräftig: Ertrag und Anlagevolumen

All diese Vergleiche mögen helfen, die Grössenordnung des SNB-Gewinnes etwas besser einzuordnen. Die Frage aber, ob das nun für die SNB und ihre Eigentümer, die Schweizerinnen und Schweizer, viel oder wenig ist, beantworten sie nicht. Doch es existiert durchaus eine Referenzgrösse, mit der sich die 26 Milliarden in Bezug setzen lassen. Es ist das Anlagevolumen der SNB. Und dieses bringt gesamthaft rund eine Billion Schweizer Franken auf die Waagschale.

Dieses Geld hat die SNB zum grössten Teil in Fremdwährungen gesteckt, um der Aufwertung unserer Landeswährung entgegenzuwirken. Eine Billion angelegt, 26 Milliarden Franken Gewinn eingestrichen. Davon stammen übrigens lediglich 1 Milliarde Franken aus der Einnahmequelle Negativzinsen. Bleiben 25 Milliarden aus den eigentlichen «Kapitalerträgen», wie sie jedes Portfolio kennt: im Wesentlichen Zinsen, Dividenden und Kursgewinne.

Eher durchschnittliche Rendite

Wenn wir sowohl beim SNB-Gewinn als auch bei ihren Kapitalanlagen neun Nullen streichen, wird jedem Normalsterblichen klar, dass es sich gewiss um eine ansprechende, jedoch gewiss nicht exorbitante, sondern eher durchschnittliche Rendite handelt. Aus der Billion werden so 1000 Franken und aus den 25 Milliarden (Gewinn exklusive Ertrag aus Negativzinsen) 25 Franken. Ergibt 2,5 Prozent als «return on invest» für 2021. Wie jeder professionelle Vermögensverwalter diversifiziert die SNB selbstverständlich ihr Portfolio, um durch eine breite Streuung Verlustrisiken zu vermindern. Somit ist, wie bei Pensionskassen, nur ein Teil in Aktien angelegt, deren Kurse u. U. massiv schwanken können.

Wer 2021 auf eine hohe Aktienquote setzte, gehörte angesichts der freundlich bis euphorisch gestimmten Börsen praktisch weltweit zu den Gewinnern – mit Renditen im zweistelligen Bereich. Gerade der Vergleich zu gleichfalls vorsichtig agierenden Pensionskassen bestätigt indessen, dass die SNB mit 2,5 Prozent Rendite eher im unteren Bereich einer moderaten Bandbreite liegt. Die zurückhaltende Anlagepolitik einer Währungshüterin wie der SNB ist übrigens absolut zu befürworten, denn sie hat nicht den Auftrag, hohe Gewinne zu generieren, sondern für Preisstabilität in der Schweiz zu sorgen.

Allerdings stimmt es nachdenklich, wenn Gewerkschaften und links-grüne Kreise in der SNB bzw. ihren Erträgen mehr und mehr eine eierlegende Wollmilchsau sehen. Zumal man den SNB-Gewinn weiter relativieren müsste, weil die aufgelaufene Teuerung ebenfalls in Rechnung zu stellen ist. Fazit: Begehrlichkeiten nach dem gesamtwirtschaftlichen, sozialpolitischen Motto «mehr Hängematte, weniger Leistung», die SNB-Erträge für alles und jedes einzusetzen, sind daher entschieden abzulehnen. Wer derartigen Versuchungen erliegt, sei daran erinnert: Genau mit dieser Haltung haben sich schon viele ansehnliche Familienvermögen in Luft aufgelöst.

13. Januar 2022 Thomas Ammann