Sommarugas Gummistiefel

Kolumne Sommarugas Gummistiefel - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

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«Von weither kommen Leute, die sich das Hochwasser anschauen wollen», ärgerte sich in «20Minuten » der Feuerwehrkommandant von Brugg: «Es ist mühsam.» Weil man die «Krisentouristen» in Schach halten müsse, gehe wertvolle Zeit verloren, «die wir für anderes verwenden könnten!» Die Feuerwehr müsse ganze Strassenzüge absperren, «um Gaffer fernzuhalten». Psychologen erklären das Gaffer- Phänomen damit, dass der Mensch die «emotionale Ergriffenheit» suche. Er wolle an vorderster Front dabei sein und mitreden können. Wenn es sich bei den vordrängelnden Gaffern aber um Politiker handelt, steht alles stramm.

Dabei hielt Bundespräsident Guy Parmelin bei seiner Hochwasser- Visite in Luzern die Einsatzkräfte vom Einsatz ab. Weil ein so hoher Staatsbesuch mit seiner Entourage schliesslich geführt, gehegt und gepflegt sein muss. Dabei hätte der Bund bei regionalen Hochwasserereignissen gar nichts zu suchen. Sie sind Sache der Kantone und Gemeinden. Leider hat die deutsche Unsitte, dass sich Politiker an den Schauplätzen von Katastrophen profilieren und produzieren wollen, längst auch die Schweiz erreicht. Bundesrätin Simonetta Sommaruga liess sich exklusiv vom «Sonntagsblick » begleiten, der prompt diesen ergreifenden Titel setzte: «Raus aus den Pumps, rein in die Gummistiefel».

Diese Kernbotschaft über Sommarugas Schuhwerk verband das Blatt mit Schlagzeilen über «zwei bange Tage» und den «Notfallmodus der Bundesrätin». In «feldgrauen Gummistiefeln» machte sie den Klimawandel für die «extremen Wetterereignisse» verantwortlich. Dabei trug Bundesrätin Sommaruga ihre blitzsaubere Hose mit Bügelfalte sorgfältig über den Stiefeln – und es handelte sich noch nicht mal um Hochwasser-Hosen. Bei Eitelkeit ist jede Selbstdiagnose ausgeschlossen.

Ihr modischer Auftritt zeugte vom Unernst der Gesamtinszenierung. Es kam zu keinerlei Kontakt mit strömendem oder stehendem Gewässer. Für Sommaruga ist Natürlichkeit die schwierigste Pose. Immerhin lenkte ihr Auftritt die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die eigentlichen Katastrophen dieses Landes.

23. Juli 2021 Christoph Mörgeli