Staatsfonds: Profi gegen Laienspieler

Kolumne Staatsfonds: Profi gegen Laienspieler - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

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Einst über private Währungsspekulationen gestolpert, wollte Philipp Hildebrand unlängst OECDDirektor werden. Nach seiner Niederlage suchte der einstige Präsident der Nationalbank die Schuld nicht bei sich selber, sondern beim geschwundenen Einfluss der Schweiz.

Wie wir uns mehr Einfluss kaufen könnten, wollte die «NZZ am Sonntag» wissen. Seine Antwort: «Eine Möglichkeit wäre durch einen Staatsfonds.» Am besten wohl unter dem Präsidium von Philipp Hildebrand. Früher tönte er so: «Bei Diskussionen rund um das Thema Staatsfonds muss man immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir in der Schweiz keine Staatseinkommen haben, die beispielsweise in Norwegen über Erlöse aus Erdölverkäufen geäufnet werden könnten.» Ist inzwischen im Mürtschental Öl gefunden worden?

Brutal offen erklärte im «Blick» Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Nationalbank, was er von Hildebrands Staatsfonds hält: Soviel wie ein Rennpferd von einem Nagel im Huf. Die Idee eines Staatsfonds tauche so regelmässig auf wie der Maulwurf, den man im Kinderspiel mit einem Hammer in seine Löcher zurückschlagen müsse. Der Fachmann Zurbrügg erklärte Hildebrands Geistesblitz als «nicht zu Ende gedacht».

Und erinnerte daran, was Hildebrand offenbar entgeht: Dass dem Aktivposten von riesigen Devisenreserven riesige Verbindlichkeiten gegenüberstehen. Und dass man im Falle der Auslagerung an einen Staatsfonds diese Verbindlichkeiten trotzdem irgendwie finanzieren müsste. Der ausgewiesene Volkswirtschaftler Fritz Zurbrügg musste dem politisierenden Politologen Hildebrand erklären, wie die Aktiva und Passiva der Nationalbank funktionieren. Eine Ohrfeige wäre im Vergleich eine Streicheleinheit.

Man kann sich jetzt ungefähr vorstellen, wieviel der Ökonom Thomas Jordan als Vize vom Fachwissen des weltreisenden Netzwerkers Hildebrand gehalten hat. Ökonomisch ist der frühere Nationalbankchef von einer umfassenden Unbildung. Doch was braucht’s für ein gutes Leben mehr als Ignoranz und Selbstvertrauen? Es kann ja nicht jeder ein Universalgenie sein. Es braucht auch universale Nichtwisser.

20. März 2021 Christoph Mörgeli