Stadteigene Betriebe sollen komplett umgekrempelt werden

Stadt Zürich Stadteigene Betriebe sollen komplett umgekrempelt werden - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Die grüne Stadt Zürich will den Gemüse- und Feldfrüchteanbau zulasten der Nutztierhaltung fördern.

STADT ZÜRICH MACHT ERNST MIT KLIMASCHUTZ IN DER LANDWIRTSCHAFT
Die Stadt Zürich will ihre zehn eigenen verpachteten Landwirtschaftsbetriebe auf mehr Klimaschutz trimmen. Entsprechend hat ein politischer Vorstoss mittels Postulat dafür im links-grünen Zürcher Stadtparlament eine Mehrheit gefunden.

RoMü. «Auch die Landwirtschaft in der Stadt Zürich soll einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und zur Reduktion der Treibhausgase leisten», heisst es im entsprechenden Postulat. Dieses wurde im vergangenen Jahr von den beiden Stadtzürchern Gemeinderatsmitgliedern Simone Brander (SP) und Matthias Probst (Grüne) eingereicht. Es fordert den Zürcher Stadtrat auf, dass er prüft, wie die eigenen Landwirtschaftsbetriebe in der Stadt Zürich bis 2030 auf das Netto-Null-Klimaziel ausgerichtet werden können. Rund zwei Drittel der 810 ha Kulturlandfläche gehören der Stadt selber, welche sie aufgeteilt auf 10 verschiedene Pachtbetriebe verpachtet hat. Konkret fordert der Vorstoss von der Stadt eine Klimastrategie, wie mit Massnahmen die treibhausgasintensiven Aktivitäten unter anderem bei den Gebäuden, Maschinen oder Bewirtschaftungsrat gesenkt werden können. Zugleich sollen die Betriebe auch einen Beitrag zur vermehrten Nutzung von Massnahmen zur Erreichung der Klimaziele leisten.

Die Begründung des Vorstosses enthält auch konkrete Vorschläge, wie diese Ziele umzusetzen sind. Die Reduktion der treibhausgasintensiven Aktivitäten und die Nutzung von Klimasenken können beispielsweise durch den Humusaufbau auch im Sinne einer regenerativen Landwirtschaft erfolgen. Der Vorsteher des zuständigen städtischen Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes zeigte sich namens des Stadtrates bereit, das Postulat zur Prüfung entgegenzunehmen. Die Umsetzungsfrist des Postulats wurde um fünf Jahre bis 2035 verlängert.

Es trifft vor allem die Biobetriebe

«Es wird weniger Tiere geben auf Zürichs Bauernhöfen», ist im Tages-Anzeiger in einem Interview mit dem Postulanten Matthias Probst zu lesen. Der 40-jährige Umweltwissenschaftler politisiert für die Grünen und spricht einfach nur von grossen Herausforderungen, um die geforderten Ziele zu erreichen. Zugleich kritisiert er die regional ausgerichtete tier-fokussierte Produktion. «Die lokale Versorgung könnte viel grösser sein, wenn wir mehr Gemüse, Linsen, Korn und Obst ins Zentrum stellen und sie mit Tieren nur begleitet und an Hanglagen allenfalls ergänzt würden», sagt Probst im entsprechenden Interview. «Wenn das Fleisch plötzlich 20-mal teurer wird, dann verschiebt sich die Nachfrage», zeigt er sich entsprechend überzeugt. Entsprechend seiner geäusserten Überzeugung verschiebt sich dadurch die Nachfrage auf das deutlich billigere Gemüse. Angesprochen auf die sich abzeichnende globale Versorgungskrise sieht er die Lösung nicht in einem verstärkten Anbau, sondern in der Umstellung der Produktion, indem man sich von der Nutztierhaltung entfernt und auf eine klimafreundliche Landwirtschaft setzt. «Eine Kuh versorgt auf einem Stück Land viel weniger Menschen mit Nahrungsmitteln, als wenn dort Gemüse oder andere Ackerfrüchte wachsen würden», so seine Überzeugung. Betroffen sind vor allem die städtischen Biobetriebe. Marcel Lusti bewirtschaftet den biologisch geführten «Leimbihof» in Zürich Leimbach und hält 50 Kühe. Er hofft, dass er seine Kühe behalten kann. Dass es der Stadtregierung ernst ist, zeigt der Umstand, dass ein geplanter Bau eines neuen Mutterkuhstalles auf dem «Adlisberghof» aufgeschoben wurde, weil man zuerst prüfen will, ob eine solch grosse Investition mit der neuen Klimastrategie vereinbar sei.

Zitiert wird auch der 60-jährige Jürg Obrist, welcher ebenfalls als Pächter den Biobetrieb «Döltschihof», einen Mutterkuhbetrieb mit Freiluftstall für 30 Galloway-Kühe, führt. Er zeigt sich überzeugt, dass Grasland, welches von Wiederkäuern nachhaltig genutzt wird, auch einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgase leisten kann. Gerade auf seinem Hof lässt die Topografie und Bodenbeschaffenheit nicht mehr Ackerbau zu.

Liest man nun die vom Zürcher Regierungsrat lancierten Klimaziele, so hat dort der grüne Baudirektor Martin Neukom bezüglich der Landwirtschaft die Weichen für die zusätzliche Ausrichtung der Zürcher Landwirtschaft analog der Stadt Zürich gestellt. Es zeichnet sich ab, dass die Zürcher Landwirtschaft wohl nun zusätzlich mit einer neuen Front zu kämpfen hat.

22. Juli 2022 SVP Kanton Zürich