SVP auf Twint boykottiert

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Die Ortssektion von Oetwil am See möchte Geld für notleidende Beizer sammeln. Ein Twint-Partner sabotiert die Aktion – obwohl das Zahlungssystem teils dem Staat gehört.

oetwil am See hat 5000 Einwohner, aber weder Seeanstoss noch besonders gute Steuerzahler. Trotz überdurchschnittlich vielen Zuzügern verfügt die Gemeinde zwischen Goldküste und Zürcher Oberland über eine lebendige Dorfgemeinschaft, die jetzt aber wegen Covid um ihre Wirtschaften bangt. Seit dem zweiten Shutdown sind neben den Kurzarbeitsentschädigungen keine Finanzhilfen mehr geflossen. Der «Landgasthof Sternen», das Pizzeria-Restaurant «Zelgli», das gesellige «FC-Hüttli» oder der rustikale «Chuestall» – sie alle gehören zu Oetwil, kämpfen aber seit Monaten ums Überleben. Die örtliche SVP organisierte deswegen die Aktion «Rettet unsere Beizen!». An die Oetwiler Bevölkerung erging der Aufruf, den notleidenden Wirten mit einer Spende unter die Arme zu greifen. Die SVP verpflichtete sich sogar, sämtliche Überweisungsgebühren zu übernehmen, damit das Geld vollständig an die Empfänger gelangt. «Ethische Richtlinien» Im Falle einer solchen Spendenaktion wenden sich Vereine, Parteien, Hilfswerke und sonstige NGOs vertrauensvoll an die Firma Raise Now AG. Diese hat zusammen mit der Twint AG den hiesigen Spendenmarkt stark digitalisiert und vereinfacht, indem man die Geldbeträge via Smartphone «twinten» kann. Bei Spendenaktionen ist die Raise Now unentbehrlich, weil sie den Sammlern einen QR-Code zur Verfügung stellt, den sie vervielfältigen und so die Spender zuordnen können. Doch die SVP Oetwil am See erhielt von Raise Now folgendes Schreiben: «Die Raise-Now- Technologie steht nur Vereinen und Non-Profit- Organisationen zur Verfügung, welche den strengen ethischen Richtlinien von Raise Now entsprechen. Das aktuelle Parteiprogramm der SVP sowie Handlungen einzelner SVPExponenten stehen im klaren Widerspruch zu unseren Richtlinien und Grundsätzen. Wir müssen Ihnen daher mitteilen, dass wir von einer Zusammenarbeit absehen.» Diese Verweigerung von Raise Now gelte übrigens keineswegs nur für die Oetwiler: «Dies betrifft die SVP Schweiz samt allen kantonalen und kommunalen Stellen sowie Wahlkampagnen einzelner SVP-Politiker.» Der Vorstand der Ortspartei war wie vor den Kopf geschlagen. «Wie können wir ethischen Richtlinien widersprechen, wenn wir mit erheblichem finanziellem Aufwand den in dieser Krise arg gebeutelten Restaurantbetreibern mit einer Spendenaktion unter die Arme greifen?», ärgert sich Diana Engelland. Sie ersuchte die Firma, mitzuteilen, was genau diese am Programm der grössten Schweizer Partei störe oder welche Äusserungen sie konkret meine. Der Parteivorstand sei auch nicht immer mit allem und jedem einverstanden, was die Politiker erzählen: «Aber jeder darf in unserer Demokratie seine Meinung äussern. Und bei einer Partei alle über einen Kamm zu scheren, geht nicht und ist der Beginn einer verheerenden cancel culture.» Die Spendenfirma Raise Now hätte bei den Oetwilern höchst zuverlässig zweieinhalb Prozent und 25 Rappen pro Transaktion eingestrichen. In ihren hochtrabenden «ethischen Richtlinien» äussert sie die Überzeugung, «dass die Möglichkeit zur Teilnahme an demokratischen politischen Prozessen wichtig ist». Man unterstütze Organisationen, die eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Politik spielten, solange sie sich verpflichteten, «unterschiedliche Meinungen zu respektieren » und ein «politisches Umfeld ohne Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und Hass zu fördern». Offenbar wird der Oetwiler SVP die Unterstützung der örtlichen Gastwirte nicht als gestalterisches politisches Handeln angerechnet. Dass ausgerechnet die ausgrenzende und offen verabscheuende, verachtende Raise Now AG der Diskriminierung und dem Hass den Kampf ansagt, ist eine Pointe für sich. Eine Gründung der Postfinance Im Herbst 2019 ist die Spendenorganisation Raise Now mit der Partnerin Twint AG eine höchst einträgliche Kooperation eingegangen. Marco Zaugg, Gründer und CEO von Raise Now, verkündete damals stolz: «Zusammen mit Twint revolutionieren wir den Spendenmarkt in der Schweiz. Werden heute erst wenige Spenden über das Smartphone abgewickelt, erwarten wir durch die Zusammenarbeit eine deutliche Zunahme dieser Art Spenden.» Wer heute spenden wolle, brauche dafür nur noch sein Smartphone mit Twint. Die Firma, die mit der SVP nichts zu tun haben will, gehört teils der staatlichen Postfinance und wirbt mit Kunden wie Krebsliga, Rotary, ETH-Foundation, Zürcher Tierschutz sowie Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Als Verwaltungsratspräsident des Anti- SVP-Unternehmens amtet der frühere CEO von Twint, Thierry Kneissler, zuvor elf Jahre lang Angestellter der staatseigenen Postfinance. Diese Twint AG war 2014 eine Gründung der Postfinance, die heute noch 26,6 Prozent der Anteile hält. Zählt man die Waadtländer und die Zürcher Kantonalbank hinzu, die ebenfalls Aktien besitzen, ergibt sich eine stattliche Beteiligung der Schweizer Steuerzahler an Twint. Und von diesen wählen – ob es der Spendenorganisation Raise Now passt oder nicht – noch immer sehr viele die SVP. Die Zürcher Kantonalbank wurde in den letzten Jahrzehnten von nicht weniger als vier SVP-Vertretern präsidiert. Somit dürften die heute tätigen Bankräte der Partei bei Twint einige Fragen stellen. Trotz dem politisch motivierten Boykott der Raise Now liess sich die SVP Oetwil von ihrer Unterstützungsaktion für die lokalen Beizen nicht abhalten. Ihre neue Bankverbindung heisst jetzt Raiffeisenbank, Postleitzahl 8645, in Rapperswil-Jona.

19. März 2021 Christoph Mörgeli