Tief «Bernd» – ein Hoch auf die Einsatzkräfte

Hintergrund Tief

Feuerwehrkräfte entfernen in der Nacht umgekippte Bäume von der Strasse. Bild Daniela Rinderknecht

EINSATZORGANISATIONEN IM DIENSTE DER BEVÖLKERUNG
Es ist kurz vor zwei Uhr am Morgen. Von 0 auf 100 sind wir wach – im Zimmer ist es hell. Ein Gewitter – eine Tirade von Blitzen. Der Wind heult und dann kommt auch der Regen, schwere Tropfen schlagen von allen Seiten ans Haus. Dann zittert das Haus. Und dann, dann kommt die Stille.

Eigentlich habe ich keine Angst vor Gewittern … aber halb noch im Schlaf bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich nur ein Gewitter war. Der Blick aus dem Fenster zeigt’s: Der grosse Nussbaum direkt neben dem Haus ist entwurzelt, knapp an unserem Haus vorbei liegt er zertrümmert am Boden. Auch der Stall wurde verschont, obschon mehrere Bäume entwurzelt danebenliegen. Auf der Weide entlang des Stalls liegen alte, umgestürzte Bäume. Es sieht aus wie auf einem Trümmerfeld. Dazwischen finden wir zwei unverletzte Kälbli, welche wir mit Mühe und Not in den Stall schaffen. Keine Tiere sind verletzt – was für ein Glück! Und dann geht auch schon der Pager der Feuerwehr los. Es ist uns noch nicht ganz bewusst, dass der kommende Einsatz über 14 Stunden dauern wird. Bewusst ist uns aber, dass wir wohl ein ganzes Geschwader von Schutzengeln über uns hatten, als der Sturm mit voller Wucht über uns hinwegzog.

Im Dienste der Bevölkerung

An diesem 13. Juli 2021 wird um 2.25 Uhr in Wallisellen die Stützpunktfeuerwehr alarmiert, eine von vielen Einsatzorganisationen, die in dieser Nacht und bis über den Mittag hinaus, im Dienste der Bevölkerung stehen werden. Es wird gesägt, geschaufelt, Holz weggetragen, gepumpt und abgesperrt – stundenlang. Mit Betroffenen wird gesprochen, trotz allem immer mit einem Lächeln im Gesicht, es wird Zuversicht ausgestrahlt – weitaus Schlim-meres hätte passieren können. Für den Werkverkehr am Morgen ist das meiste dann schon weggeräumt, zur Seite geschafft. Tatsächlich gibt es aber Menschen, die sich über die Einsatzkräfte ärgern und sie beschimpfen, weil sie ihren gewohnten Weg nicht nehmen können oder ein bisschen warten müssen. Einsatzkräfte, die übrigens eigentlich auch zu ihrer Arbeit gehen sollten, aber dank verständnisvollen Arbeitgebern im Dienste der Feuerwehren arbeiten können. Auch zu unserem Landwirtschaftsbetrieb kamen gegen 8 Uhr meine Feuerwehrkameraden und halfen, das Holz des umgestürzten Nussbaumes zu zersägen und die Zufahrt freizuräumen.

Eingespielte Zusammenarbeit

In anderen betroffenen Regionen lief es wohl ähnlich ab. Während der ganzen Nacht und dem Morgen kamen stetig neue Notrufe ein, welche es zu bewältigen gab. Die Zusammenarbeit mit Forst und Landwirten ist eingespielt, das Ziel ist die Räumung von Verkehrswegen. Und dazu braucht es nämlich grosse Maschinen, die ziehen, stossen oder heben, sowie gekonntes Handling und manchmal auch Kreativität. Am späteren Nachmittag wurden die ersten Räumungsarbeiten dann abgeschlossen, die Strassen sind geräumt, gefährliche Wege sind abgesperrt. Aber die Arbeiten sind noch lange nicht fertig. Die meisten der Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen gehen im Laufe des Nachmittags ihrer beruflichen Arbeit nach. Die weitere Arbeit, welche Tief «Bernd» angerichtet hat, haben dann die Förster und Forstarbeiter. Damit alle Wege in den Wäldern wieder zugängig werden, werden sie wohl mehrere Wochen dran sein. Wir sollten dankbar und stolz sein über und auf unsere Einsatzorganisationen. Und mit Blick nach Deutschland, dessen Bevölkerung so tragisch getroffen worden ist, sollten wir auch zukünftig alles daransetzen, unsere Einsatzorganisationen inklusive unseres Militärs zu stärken und sie wertzuschätzen. Es sind nicht die Gutmenschen, die Sie retten oder schützen, sondern die Helden und Heldinnen mit Blaulicht oder in weiss oder grün.

23. Juli 2021 Daniela Rinderknecht