Unvorteilhafte Entwicklungen im tertiären Bildungsbereich

Bildung Unvorteilhafte Entwicklungen im tertiären Bildungsbereich - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Vergleiche von Bachelor- und Masterarbeiten verdeutlichen es: Zwischen einer richtigen Universität und einer Fachhochschule liegen Welten. Bild Wikipedia

QUANTITÄT VOR QUALITÄT
Die Studentenzahlen an unseren Fachhochschulen nehmen rasant zu. Dieses Wachstum ist für unsere Wirtschaft nicht unbedingt von Vorteil und führt zu einer «Verakademisierung unserer Berufswelt». Statt konsequent Spitzenleute für unsere Wirtschaft auszubilden, werden heute vermehrt junge Leute für den Dienst im Staatsapparat vorbereitet.

Unser Bildungssystem bietet jungen Erwachsenen prinzipiell drei Bildungswege im tertiären Bildungssektor an: Eine akademische Ausbildung kann man an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) oder einer Universität absolvieren. Berufsleute, aber auch viele Maturanden, besuchen eine unserer Fachhochschulen (FH). Allen Berufsleuten stehen die Höheren Fachschulen (HF) zur Verfügung. Die Fachhochschulen bieten mittlerweile Lehrgänge nach dem Bologna-Modell mit Bachelor- und Masterabschlüssen an. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in den letzten Jahren massiv gewachsen ist. Im Jahre 2008 zählte sie noch 6862 Studierende, im Jahr 2020 waren es bereits 15 256 Studierende. Die Fachhochschulen wurden ursprünglich für angehende Techniker und Ingenieure gegründet, mit einer konsequenten Ausrichtung auf die Ausbildung von Fachkräften für unsere Wirtschaft. Aus den Fachhochschulen sind heute Pseudo-Universitäten geworden. Verakademisierung der Berufswelt Das Bologna-Modell hat zum Ziel, die Hochschulausbildung unter den verschiedenen Hochschulen zu harmonisieren. Basierend auf dieser Harmonisierung kann man heute auch einen Bachelor oder Master an einer Fachhochschule oder einer Pädagogischen Hochschule erlangen. Dies führt dazu, dass unsere Kinder nicht mehr von Lehrern unterrichtet werden, sondern von einem Bachelor oder Master. Weshalb aber ein Lehrer unserer Kinder wissenschaftlichen Anforderungen genügen muss, um seinen Beruf gut auszuüben, ist nicht klar. Während man früher mit einer Lehre und einer gezielten Weiterbildung eine gute Stelle mit Aufstiegschancen bekommen hat, führt die oben beschriebene Entwicklung dazu, dass solche Positionen nur noch mit einem Bachelor oder gar einem Master ausgeübt werden können. Ausbildung für den Staatsdienst Neben der allgemeinen Verakademisierung werden neue, für die Gesellschaft nutzlose Fachrichtungen erfunden. Vor allem Studiengänge wie «Urbanismus und Mobilität», gewisse Bereiche der Sozialen Arbeit und Psychologie oder der «Umweltwissenschaften» sind Brutstätten linker Ideologien. Die Anzahl der Studierenden in den Bereichen Soziale Arbeit und Psychologie nahm von 819 Studierenden im Jahr 2008 auf 1594 Studierende im Jahr 2020 zu, also praktisch eine Verdoppelung. Diese Leute können in der Regel nur beim Staat eingesetzt werden und werden in der Wirtschaft nicht gebraucht – sie tragen somit wenig zur Wertschöpfung in der Wirtschaft bei. Die Ausbildung dieser Leute haben die Privaten und die Firmen mit den Steuern bezahlt. Verwässerung der Titel Die Verwässerung der Titel auf Kosten der Wissenschaftlichkeit kann man gut aufzeigen, wenn man die Bachelorund Masterarbeiten der Universitäten und der Fachhochschulen vergleicht, wobei letztere oft nicht einmal in der Form den Anforderungen an die Wissenschaftlichkeit genügen. Besonders stossend ist, dass man an einer Fachhochschule Professor werden kann ohne Doktorat und Habilitation. Das führt dazu, dass solche Pseudo-Professoren den Bachelor- oder Masterstudenten kaum wissenschaftliches Arbeiten beibringen können. Ein schönes Beispiel dafür, wohin diese Entwicklung führen kann, liefert eine linke Stadt-Zürcher Gemeinderätin, die öffentlich ihre marxistisch-ökonomischen Theorien verkündet und behauptet, dass in der Schweiz die Armen die Reichen bezahlen. Sie unterrichtet als «Professorin» an einer Fachhochschule und hat ausser einem Bachelor FH und einigen Zusatzkursen keine weitere wissenschaftliche Ausbildung. Höhere Fachschulen als Rückgrat einer praxisorientierten Ausbildung Im Gegensatz dazu sind die HF viel praxisnaher aufgestellt. Viele private Veranstalter bieten in der Wirtschaft gut abgestützte Diplomlehrgänge an. Die Absolventen solcher Diplomlehrgänge setzen die Messlatte punkto Qualität und Professionalität hoch und liefern gute Resultate in der Wirtschaft. Dennoch werden solche Leute bei Beförderungen teilweise übergangen, weil sie keinen Bachelor oder Master haben, obwohl deren berufliche Qualifikation oft gleich gut wäre wie diejenige eines Bachelors. Es wäre daher sinnvoll, die Attraktivität und Arbeitsmarktfähigkeit der Bologna-Titel in der Wirtschaft einer periodischen Überprüfung zu unterziehen. Dies, um zu verhindern, dass Berufsleute ausgebildet werden, welche die Industrie oder das Gesundheitswesen nicht braucht.

12. Juni 2021 Johann Widmer