Verdichten vernichtet

Kritik Verdichten vernichtet - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Verdichtete, futuristische Architektur mag auf den ersten Blick cool wirken. Doch die Lebensqualität leidet im megalomanischen Stadtmoloch. Bild Pixabay

URBANISIERUNG A GOGO
Wie immer hatten wir am Mittwoch letzter Woche unsere virtuelle Fraktionssitzung über das Tool Zoom. In dieser Sitzung stellte Gemeinderatskollege Reto Brüesch die Weisung 2020/569 mit dem Titel «Sonderbauvorschriften für das Gebiet Neu-Oerlikon» vor.

Im Text konnte man von Verdichtung lesen, indem dort Hochhäuser mit Höhen zwischen 45 m bis 80 m gebaut werden sollen. Ob die intensive Verdichtung wirklich gut ist? Was heisst denn eigentlich verdichten? Fragt man Google werden da Synonyme wie zusammenrücken, konzentrieren, ansammeln, komprimieren, zusammendrücken usw. genannt. Mit Nachverdichtung in Städten meint man den Bau von Gebäuden innerhalb bereits bestehender Gebäude, um so einen höheren Grad an Verdichtung zu erreichen. Einfach gesagt, Menschen auf der gleichen Fläche müssen mehr Wohnungen, Arbeitsplätze, Frei- und Verkehrsflächen zur Verfügung gestellt werden. Es ist eine Binsenwahrheit, wenn der gleiche Kuchen statt für vier neu für sechs Familienmitglieder reichen muss, wird das einzelne Stück kleiner. So verhält es ich auch mit der zur Verfügung stehenden Fläche in der Stadt Zürich.

Persönliche Erfahrungen als «Quartiermigrant»

Ich bin kürzlich vom Kreis 12 in den Kreis 6 umgezogen. An meinem alten Wohnort hatte es noch relativ viele Grünflächen und einige Schrebergärten. Vor meinem Balkon standen eine grosse Birke und eine noch grössere Tanne, um die sich Elstern, Amseln und Spatzen stritten. Meine neue Wohnung liegt an einer stark befahrenen Strasse.

Mit Grünflächen ist es nicht weit her. Bei meinem ersten Einkauf am zweiten Tag lief ich an einem Montessori Kindergarten vorbei. Ich zählte acht kleine Kinder, die auf einem schmalen Zugang zum Haus auf rund 7 m2 den Boden mit farbiger Kreide bemalten. Die Kleinen konnten sich kaum bewegen, ohne dem einem oder anderen Gspänli auf die Füsse zu treten. Mit meiner Fröhlichkeit war es dahin, denn die Kleinen taten mir sehr leid. Ich erinnerte mich an meine Kindheit im Emmental. Auf einem kleinen «Heimetli» mit vier Geschwistern aufgewachsen, war eines keine Mangelware, der Platz und damit die unendliche Freiheit. Auf dem zwei Kilometer langen Schulweg, den wir Sommer und Winter zu Fuss gingen, wurde gelacht, gespielt und auch der eine oder andere Konflikt ausgetragen.

Konservenbüchsen: Züri-Modular-Pavillons

Die kleinen Künstler vor dem Kindergarten gehen mir nicht aus dem Kopf. Nicht besser sieht es vor dem Schulhaus Hutten aus. Der Spielplatz ist zu einem grossen Teil mit Züri-ModularPavillons überstellt, damit die stark anwachsende Schülerzahl Platz findet. Immer mehr Kinder haben immer weniger Platz zum Spielen, was sich nachweislich negativ auf ihre Entwicklung auswirkt.

In jeder Ecke werden Freiflächen verbaut, um die rund 100000 Menschen, die in den nächsten 10 Jahren in die Stadt zuziehen werden, unterbringen zu können. Hochhäuser schiessen wie Pilze aus dem Boden. Die Stadt wird grau und entwickelt sich kontinuierlich hin zu einer Betonwüste. Die Europaallee und Zürich West sind anschauliche Beispiele für die Zukunft von Zürich. Wohnungen müssen kleiner werden, damit diese Masse an Menschen aufgenommen werden kann.

Verdichten führt zu noch mehr Beton, der sich Im Sommer tagesüber stark erwärmt, so dass die Menschen oft stundenlang in den Tropennächten wach im Bett liegen. Dichtestress, Angst, Nervosität und Anonymität breitet sich weiter aus und im gleichen Umfang wachsen psychische Krankheiten und mit diesen die Anzahl Psychiater.

Rückbesinnung auf Paracelsus wäre heilsam

Linke Politikerinnen und Politiker spüren langsam den zunehmenden Unmut in der Bevölkerung und versuchen mit Vertikalbegrünungen und versprochenen Freiflächen, die Menschen zu besänftigen. Oder noch schlimmer, sie hoffen, dass sich die Zürcherinnen und Zürcher langsam an die neue, graue und triste Stadt gewöhnen werden. Schleichende Veränderungen fallen weniger auf.

Dabei könnte das Problem mit der Verdichtung und grauen Zukunft einfach gelöst werden. Stoppen wir den Wahnsinn mit der Zuwanderung. Wie sagte schon Paracelsus: «Nur die Menge macht das Gift». Genügend Grün- und Freiflächen helfen den Menschen gesund zu bleiben, erlaubt den Kindern genügend Bewegung und damit gesund aufzuwachsen. Verdichten vernichtet Lebensqualität.

18. Juni 2021 Walter Anken