Vom Kompostieren zum Kompensieren

News, Winterthur Vom Kompostieren zum Kompensieren - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

«Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.» Getreu dem Motto von Pippi Langstrumpf, kompensieren links-grüne Ideologen ihre Weltansichten mit Aufklebern und Abgaben. So wird auch der Diesel-LKW der Migros schnell zum CO2-neutralen Weltenretter. Bild zVg

AUS DER LINKS-GRÜNEN WINTERTHURER TRAUMWELT
Vor Jahren kam Kompostieren in Mode: Der Komposthaufen wurde zur nicht immer wohlriechenden Zierde der Gärten umweltbewusster Stadtbewohner und damit natürlich auch der Winterthurerinnen und Winterthurer. Heute steht CO2-Kompensieren hoch im Kurs – ganz ohne unangenehme Nebenwirkungen, so schien es. Und da ist noch viel Potenzial!

Veloschnellrouten sind das Gebot der Stunde in Winterthur. Aus dem Stadtzentrum nach Töss / Kemptthal, am Rennweg, vor allem aber nach Oberseen. Dem 4 Meter breiten Fahrrad-Highway sollen dort rund 60 Bäume zum Opfer fallen; «Ersatzpflanzungen» sind geplant. Das dürfte angesichts des Vorhabens «1000 Bäume für Winterthur» kein Problem sein. Von diesen «Zukunftsbäumen » wird die Bevölkerung, lässt uns die Stadtregierung wissen, sogar Äpfel, Nüsse und Kastanien pflücken dürfen! Milch und Honig folgen gewiss. Die steuergeplagten Winterthurerinnen und Winterthurer werden solches zu schätzen wissen, ist doch selbst Obst mittlerweile ein teures Vergnügen geworden. Die «Klimawoche Winterthur» hat dieses Jahr flankierend auf dem Weg zu «Netto-Null 2040» passende Traktanden wie das klimafreundliche Kochen und eine Diskussionsrunde beim «Klimabier» gebracht. Die gefällten Bäume sind damit längst kompensiert – oder nicht?

Wenn die Idee für die Veloschnellroute nach Seen nicht von den Grünen käme und es um Parkplätze ginge, würden wir staunen, wie viele äusserst bedrohte und europaweit einzigartige Tierarten die Ufer des Mattenbachs bevölkern. Es ist halt alles eine Frage des Standpunktes, auch das Kompensieren. Ich finde es beispielsweise bemerkenswert, dass der gleiche Lastwagen der Migros, welcher mit seinem Dieselmotor gestern noch ein übler Klimasünder war, mittels eines einfachen Aufklebers, er fahre jetzt CO2-neutral, über Nacht zum ökologischen Musterknaben des Lieferwesens mutiert ist.

Ich habe durchaus verstanden, wie der Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten funktioniert. Nicht alles daran ist verkehrt. Die Wirkung solcher Mechanismen auf die Menschen ist allerdings zwiespältig. Es scheint nämlich, man könne auf diese Weise ohne Einschränkungen weitermachen wie bisher und gleichzeitig ein grünes Gewissen zur Schau stellen. Das Lastenfahrrad vor dem Haus kompensiert den VW-Bus hinter dem Haus (fürs Campen in der Toskana) und der Komposthaufen im Garten die Bildungsreise nach Vietnam. Das ist eine Illusion.

Kompensieren hat in der Realität nämlich Grenzen. Frau Merkel hat bekanntlich die aus ihrer «Energiewende » resultierenden Versorgungslücken mit russischem Gas kompensiert. Das war keine gute Idee, aber vorerst war die Weste grün. Wer hätte schon ahnen müssen, dass Russen und Chinesen nicht nach der europäischen Friedenspfeife tanzen wollen? Jetzt heisst es halt Frieren für den Frieden, und die anderen sind schuld. Mit etwas feministischer Aussenpolitik werden toxische Autokraten wie Vladimir Putin oder Xi Jinping ohnehin bald von ihren Sesseln gefegt sein. Zum Glück sind die Chinesen schon heute Weltmeister im Velofahren und die russische Autoindustrie liegt – ganz ohne staatliches Zutun wie in Deutschland – am Boden. Das ist doch eine wunderbare gemeinsame Basis für Weltfrieden und Klimaschutz.

Man muss diese Veloschnellrouten nur in den richtigen Zusammenhang stellen, und sie beginnen heller zu strahlen als manches osteuropäische AKW, welches künftig zur Winterzeit die Akkus unserer E-Bikes mit Strom füllen wird. Natürlich kompensiert.

Die Winterthurer Stadtregierung könnte darüber hinaus sicher ein paar weitere innovative Anregungen einholen. Warum nicht ein kleiner Trip nach Berlin, failed city par excellence? Da kennt man sich aus mit Tempo 30, Verboten für den Individualverkehr und mit Lastenfahrrädern, derweil sich die Klimajugend auf die Strasse klebt. Da solche Stadt- und Lebenskonzepte der Wirtschaftskraft nicht unbedingt zuträglich sind, wird auch hier kompensiert: Aus den Kassen der anderen Bundesländer.

Die von Links-Grün proklamierte ökologische Transformation unserer Gesellschaft wird teuer, und was wir heute sehen, ist erst der Anfang.

Finanziell kompensieren wird es der Mittelstand, wobei sich mein diesbezügliches Mitleid mit den Winterthurerinnen und Winterthurern in Grenzen hält, welche ihre rot-grüne Regierung offenbar innig lieben. Die Zahlungsbereitschaft von Menschen mit ideologisch verbrämter Weltsicht ist immer wieder erstaunlich, wenn es ums Gewissen geht. Wie wäre es mit einer grünen Hausnummer für alle, welche (vorerst) freiwillig einen lebenslangen CO2-Ablass bei der Stadt erwerben, als Kompensation dafür, dass sie noch atmen und Kohlspeisen verzehren dürfen? Das würde diskret den sozialen Druck in den politisch korrekten Einfamilienhausquartieren erhöhen, und wie man bei solchen Dingen noch etwas nachhilft, werden Honeckers Erben wohl wissen. Darauf ein Klima-Bier.

18. August 2022 Vinzenz Muraro