Warum der Mensch ewig leben will – eine mögliche Antwort

Fadegrad Hasta la vista, Winterthur - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

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Am 22. Februar 2008 erlitt meine Grossmutter im Alter von 84 Jahren in Winterthur einen Hirnschlag. Als meine Tante sie bewusstlos auffand und den Notarzt rief, wurde sie ins Unispital Zürich gebracht mit der Begründung, man hätte im Kantonsspital Winterthur keinen Platz auf der IPS. Das fanden wir seltsam, denn eigentlich war klar, dass sie auf keinen Fall künstlich am Leben erhalten werden wollte. Ich war damals im Veterinärmedizinstudium und als ich die Infusionen mit den blutdrucksenkenden Zusätzen sah, verstand ich nicht, wozu. Es dauerte eine ganze Weile, bis die zuständigen Ärzte mit der Wahrheit herausrückten. Sie wollten meiner Grossmutter doch tatsächlich Organe entnehmen.

Ich war sprachlos und schockiert, dass man uns belogen hatte. Bis zu diesem Tag trug ich einen Organspenderausweis bei mir, der im Falle meines Todes die Entnahme meiner Organe erlaubt hätte. Doch an diesem Tag änderte ich meine Meinung und den Eintrag im Ausweis. Wenn man an eine Organspende denkt, denkt man wahrscheinlich, dass einem die Leber, eine Niere oder vielleicht auch das Herz entnommen wird. Doch wussten Sie, dass auch Ihre Haut ein wichtiges Spenderorgan für grossflächige Verbrennungen ist? Oder die Netzhaut des Auges? Die Grundbedingung für eine Organentnahme ist, dass die Person LEBEND auf die Notfallstation kommt. Dann wird sie stabilisiert und wenn die Ärzte keine Behandlungsmöglichkeiten mehr sehen, um die Person zu retten, werden Schritte für eine Organspende eingeleitet. Das Herz muss bei der Entnahme noch schlagen, da die Organe sonst zu schnell mit Sauerstoff unterversorgt und geschädigt werden. In der Pathologie musste ich hin und wieder Ferkel einschläfern, um möglichst frische Proben für die Bakteriologie zu bekommen. Nicht selten kam es vor, dass die bereits aus dem Körper entnommenen Herzen zuckten, wie wenn sie noch schlagen würden. Genau so stelle ich es mir vor, wenn der Chirurg das Herz für eine Spende entnimmt. Die ­Ferkel waren garantiert tot. Ist es der Mensch auch?

Den wenigsten ­Leuten ist wirklich bewusst, worum es bei einer Organspende geht oder wie sie abläuft, und genau deshalb soll die Zustimmung weiterhin aktiv erfolgen. In unserer westlichen Welt haben wir medizinisch gesehen viel zu viele Möglichkeiten. Der Mensch will ewig leben, weil er Angst hat vor dem Tod oder sich einfach nicht damit auseinandersetzen will. Überhaupt haben wir den Tod aus unserem Leben verbannt. Solange man lebt, kann man sich vor dem, was nach dem Tod sein wird, verstecken. Sprich, falls es einen Gott gibt, kann man vor ihm davonlaufen. Doch spätestens wenn wir sterben, müssen wir uns vor ihm verantworten. Ist das vielleicht der Grund, wieso der Mensch ewig leben will?

 

12. Mai 2022 Maria Wegelin