Warum Gott in die Verfassung gehört

Hintergrund Warum Gott in die Verfassung gehört - Onlinebote SVP des Kantons Zürich 1

«Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.» Friedrich Schiller wählte die Worte für die Schwurszene in Wilhelm Tell mit Bedacht. Wir sollten es ihm in der Präambel der Bundesverfassung gleichtun. Copyright: Militärpostkartensammlung

GOTTESBEZUG IN DER PRÄAMBEL
Einer parlamentarischen Initiative zufolge soll der Gottesbezug aus der Präambel der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft gestrichen werden. Begründet wird sogar theologisch – als ob man Eindruck erwecken möchte. Entlarven tut sie aber viel mehr Ignoranz. Denn, um es in einen Satz zu packen: Ohne Gott und die Bibel hätten wir keine Schweiz. Der Bezug auf den Allmächtigen in unserer Verfassung würdigt schlicht diese Tatsache und anerkennt, dass unsere höchste Autorität nicht von dieser Welt ist.

«Keine Schweiz ohne Gott» – so schreibt NR Roger Köppel in seinem Weltwoche- Artikel1 und nimmt Bezug auf die Freiheit, die wir ohne die Bibel gar nicht kennen würden. In ihrer parlamentarischen Initiative übersehen NR Fabian Molina (SP) und seine links-grünen Mitunterzeichner damit das Wesentliche: Sie wollen genau die Person aus dem Gedächtnis und Gewissen des Staates eliminieren, die dem Staat erst ermöglicht hat, was er heute ist. Unsere Zivilisation, unsere Werte, den Schutz und die Würde des Menschen und des Lebens, die Gleichstellung vor dem Gesetz, die demokratischen Grundsätze – die Liste liesse sich noch lange weiterführen.

Meinen wir bloss nicht, dies sei primär eine Errungenschaft römischgriechischer oder gar heidnischer Kulturen. In erster Linie haben wir all dies der Bibel zu verdanken, der «Schatzkammer der Menschheit», um es in Köppels Worten zu fassen. Nach dem Motto «Ehre, dem Ehre gebührt» anerkennt die Präambel schlicht diese Tatsache und unterstützt dessen Wahrnehmung im Zusammenleben innerhalb der Eidgenossenschaft. Mit der Streichung des Gottesbezugs sägt man sich nicht einfach nur vom Ast ab, man entledigt den Baum glatt seiner Wurzeln.

Definition von Gut und Böse

Die Trennung von Kirche und Staat ist prinzipiell richtig und auch aus biblischer Sicht wichtig. Doch darf diese Trennung nicht verwechselt werden mit einem Loslösen des Staates von seinem Bezug zu Gott. Die Kirche bewegt sich als Institution innerhalb des Staates; im Hinblick auf die Gesellschaft haben beide klar definierte Aufgabenbereiche und ihre Grenzen, auch was ihren Einfluss aufeinander betrifft. Der Glaube an Gott jedoch liefert dem Staat den tieferen Sinn und die moralische Grundlage des Zusammenlebens der Menschen untereinander. Welch verheerende Folgen ein «gottloser» Staat mit sich bringt, hat uns die Geschichte mehrmals bewiesen.

Die primäre und auch wichtigste Aufgabe des Staates liegt darin, das Gute zu schützen und das Böse zu bestrafen. Ist uns bewusst, dass die Definition von «Gut» und «Böse» seit jeher auf dem moralischen Verständnis der Bibel basiert, auf dem unsere Gesetze ruhen? Der Bezug auf den Allmächtigen hilft, diese Objektivität zu bewahren, um unsere Gesetze vor einer willkürlichen Neu-Definition von Gut und Böse unter dem Deckmantel «neuer Moral» zu schützen.

Die höchste Autorität

So wie Molina und Co. den Gottesbezug in der Verfassung theologisch als hochmütig und anmassend richten, so verurteilen sie sich gleich selber darin: hochmütig, es besser als unsere Vorfahren wissen zu wollen und anmassend zu behaupten, das Schweizer Volk seiner Identität einfach so entwurzeln zu können. Der Bezug auf Gott erhebt nicht den Anspruch einer sogenannten «Verkündigung eines weltlichen Rechtstextes im Namen Gottes», wie Molinas Initiativtext behauptet – unsere Verfassung ist ja schliesslich nicht die Bibel.

Der Zweck damals und bis heute besteht darin, die Rechtsgrundlage des Schweizer Volkes unter eine Autorität zu stellen, die stets höher ist als irgendeine, von Menschen geschaffene Instanz. Denn, um nochmals treffend Köppel zu zitieren: «Die höchste Autorität ist nicht von dieser Welt.» Und genau diese Autorität verleiht unserer demokratischen Rechtsordnung nicht nur Legitimation, sondern auch Sicherheit. Dies soll auch weiterhin so bleiben.

28. März 2021 Timotheus Bruderer